Die Fußball-WM 2022 in Katar startet. Die Begeisterung hält sich aber in Grenzen. Deutlich weniger Fans aus Deutschland haben für die Weltmeisterschaft im Wüstenstaat Tickets gekauft als bei den Turnieren davor. Und auch die strikten Regeln in Katar machen Fanvertretern Sorgen.

Diese Regeln gelten für Fans

Katar ist ein konservatives Land mit einem durch islamische Moralvorstellungen geprägten Recht. Trotz aller Zusicherungen der Turnier-Gastgeber sagt der deutsche Fanvertreter Philipp Beitzel: „Es gibt eine gewisse Unsicherheit, weil man nicht weiß, wie dann die gelebte Praxis vor Ort sein wird.“ Bei der Kleidung rät das Auswärtige Amt zu einer gewissen Zurückhaltung. Küssen in der Öffentlichkeit ist nicht gern gesehen. Der Ausschank von Alkohol ist stark eingeschränkt, aus dem Ausland mitgebracht werden darf er nicht.
Für stark angetrunkene Fans soll es angeblich eigene Zonen zur Ausnüchterung geben. Trunkenheit in der Öffentlichkeit ist in Katar verboten.

Wie riskant ist eine WM-Reise für queere Fans?

Zuletzt sorgten die Aussagen eines katarischen WM-Botschafters, Schwulsein sei ein „geistiger Schaden“, für großen Wirbel. In Katar ist Homosexualität laut Gesetz verboten. Die Gastgeber und die FIFA versicherten mehrfach, während der WM seien alle Fans willkommen. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) brachte von ihrem jüngsten Besuch aus Katar eigenen Angaben zufolge eine „Sicherheitsgarantie“ des Premierministers mit, dass sich alle Fans während des Turniers frei und ohne Angst bewegen könnten. Menschenrechtsorganisationen und das Netzwerk der schwul-lesbischen Fanclubs raten dennoch homosexuellen Fans von einer Reise nach Katar ab.

Das ist bei der Anreise zu beachten

Die Einreise nach Katar ist für Ausländer in der WM-Zeit nur mit der sogenannten Hayya-Card möglich. Diese „Fan-ID“ gibt es nur für Inhaber von WM-Tickets. Gegen eine Gebühr von jeweils 140 Euro können Fans mit einer Hayya-Card dann noch bis zu drei weitere Personen registrieren, die später nach Katar nachreisen können. Die Hayya-Card muss beim Stadionbesuch zusammen mit dem Ticket vorgezeigt werden. Datenschützer sehen die Smartphone-App allerdings kritisch und raten, möglichst ein Zweithandy dafür zu nutzen.

35.000 Eintrittskarten nach Deutschland verkauft – Gibt es noch Tickets?

Fanvertreter gehen davon aus, dass 7000 bis 9000 Fans aus Deutschland zum Turnier reisen werden, die meist mehrere Spiele besuchen. Insgesamt sind laut Weltverband FIFA 35.000 Eintrittskarten nach Deutschland verkauft worden. Das sind deutlich weniger als für das Turnier in Russland 2018, als rund 62.000 Tickets nach Deutschland gingen. Für die WM in Brasilien 2014 wurden mehr als 58.000 Karten in Deutschland abgesetzt.
Knapp 2,9 Millionen Karten für die 64 Partien seien verkauft worden, teilten die Organisatoren Mitte Oktober mit. Damit seien noch rund sieben Prozent der Zuschauerplätze verfügbar, hieß es. Derzeit läuft die Last-Minute-Verkaufsphase, die bis zum Ende des Turniers geöffnet ist. Nach Angaben der FIFA werden die Karten „nach dem Prinzip "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst" vergeben“.

Anlaufstellen gibt es für deutsche Fans

Rund um jedes WM-Spiel der deutschen Mannschaft bietet die vom DFB getragene Fanbotschaft ihre Dienste an. „Wir werden dort möglichst viele Hilfestellungen geben“, sagte DFB-Präsident Bernd Neuendorf dem SWR. Auch im Stadion werde es jeweils Ansprechpartner für deutsche Fans geben. Das WM-Camp des „Fan Clubs Nationalmannschaft“ ist indes in Dubai.

Vom Gastgeber organisierte Fans sorgen für Stimmung

Das Organisationskomitee bezahlt ausgewählten Fans Reisen zum Turnier, damit sie dort und in den sozialen Netzwerken für gute Stimmung sorgen. Flüge, Unterkünfte und ein Taschengeld sind demnach für Teilnehmer des „Fan Leader Network“ inklusive.
Auch deutsche Fans sind darunter, wie der DFB der „Sportschau“ bestätigte. Unterstützt werden diese Aktivitäten vom Verband demnach nicht. Zudem sorgten zuletzt Videos im Netz für Aufsehen, die fröhliche Menschen in Trikots verschiedener Nationalteams angeblich beim Zug durch Doha zeigen. Einige Beobachter kritisierten die Bilder als plump inszenierten Versuch, den Anschein großer Vorfreude unter Fans in Katar vor der WM zu erwecken.

Gruppen bei der WM