Er ist wohl derzeit während der Fußball-WM in Katar eine der meistkritisierten Personen dieses Planeten: Gianni Infantino, der Präsident des Weltfußballverbandes FIFA. Und die Gründe sind vielfältig: seine Haltung zur WM in Katar, seine Sichtweise auf die Menschenrechte in dem arabischen Land und zuletzt seine umstrittene Entscheidung über die One Love-Binde. Wer ist Gianni Infantino? In diesem Porträt gibt es alle Infos über den Fußball-Funktionär:

Alter, Wohnort, Beruf - Gianni Infantino in Zahlen und Fakten

Hier ein paar Zahlen und Fakten über Gianni Infantino:
  • Geburtstag: 23. März 1970
  • Alter: 52
  • Geburtsort: Brig im Schweizer Kanton Wallis
  • Staatsangehörigkeit: Schweiz und Italien
  • Wohnort: Zürich, hat eine Zweitwohnung in Katar
  • Ausbildung: Studium der Rechtswissenschaft, anschließend Tätigkeit als Rechtsanwalt

Ehefrau und Familie - Gianni Infantino privat

Gianni Infantino ist verheiratet mit Leena Al Ashqar. Sie stammt aus dem Libanon und war dort als stellvertretende Generalsekretärin des Fußballverbandes tätig. Mit Leena Al Ashqar hat Gianni Infantino vier Kinder, alles Töchter.

Wie wurde Gianni Infantino FIFA-Präsident?

Gianni Infantino ist seit dem 26. Februar 2016 FIFA-Präsident. Er wurde damals Nachfolger von Sepp Blatter. Infantino brauchte zwei Wahlgänge, um Präsident zu werden. Im ersten Wahlgang bekam er 88 von 207 Stimmen. Im zweiten Wahlgang erlangte er mit 115 Stimmen die absolute Mehrheit. Hauptkonkurrent bei der Wahl war Scheich Salman bin Ibrahim Al Chalifa aus Bahrain. Vor seiner Wahl zum FIFA-Präsidenten war Gianni Infantino von 2009 bis 2016 Generalsekretär der Europäischen Fußball-Union (UEFA). Am 16. März 2023 will sich Infantino erneut zum FIFA-Präsidenten wählen lassen.

Warum steht Gianni Infantino aktuell so in der Kritik?

Die aktuelle Kritik an Gianni Infantino basiert auf der umstrittenen WM-Vergabe nach Katar. Vor allem aufgrund der Missachtung von Menschenrechten hätte diese Weltmeisterschaft nicht an das arabische Land vergeben werden dürfen, so die Vorwürfe. Gianni Infantino verteidigt die Vergabe und will am liebsten jede Form von Protest oder Kritik unterbinden. Schon zwei Wochen vor Beginn der WM wollte er mit einem „Jetzt lasst den Fußball sprechen“-Appell für Ruhe sorgen. Das hat nicht geklappt, wie der Eklat um die One Love-Binde zeigt.

Gianni Infantino und seine umstrittene Rede in Katar

Gianni Infantino schießt zurück: In einer denkwürdigen Pressekonferenz hat der FIFA-Präsident vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft die umstrittene WM in Katar verteidigt und der westlichen Welt eine Doppelmoral vorgeworfen. Hier sind seine wichtigsten Aussagen:
Gianni Infantino über...
... seine Gefühle vor dem WM-Start:
„Heute fühle ich mich katarisch, heute fühle ich mich arabisch, heute fühle ich mich afrikanisch, heute fühle ich mich schwul, heute fühle ich mich behindert, heute fühle ich mich als Gastarbeiter. Ich fühle so, weil ich all das gesehen habe.“
... die Doppelmoral der Katar-Kritiker:
„Diese einseitige Moralpredigt ist reine Heuchelei. Für das, was wir Europäer in den vergangenen 3000 Jahren getan haben, sollten wir uns für die nächsten 3000 Jahre entschuldigen, bevor wir anfangen, den Menschen moralische Lektionen zu erteilen.“
... die Fortschritte in Katar:
„Natürlich gibt es Dinge, die noch nicht funktionieren. Es ist ein Prozess. Wissen Sie, wann Frauen in meiner Heimat Schweiz im letzten Kanton das Wahlrecht erhalten haben? In den 1990ern. Lassen sie uns in den Spiegel schauen. Und lassen sie uns versuchen, andere durch Austausch zu überzeugen, nicht durch einseitige Moral.“
... die Gastarbeiter in Katar:
„Katar bietet ihnen eine Perspektive. Sie verdienen hier das Zehnfache von dem, was sie in ihrer Heimat verdienen. Und sie machen das legal. Wir in Europa schließen unsere Grenzen, und wir erlauben diesen Menschen nicht, legal in Europa zu arbeiten. Wir alle wissen, dass es illegale Arbeit in Europa gibt. Wenn ihr euch wirklich um das Schicksal dieser Menschen scheren würdet, bietet das, was Katar macht: Chancen! Legale Chancen. Gebt ihnen Arbeit, gebt ihnen Sicherheit.“
... einen Entschädigungsfonds für Arbeiter:
„Katar hat einen Versicherungsfonds eingerichtet. Seit 2018 hat dieser Fonds mehr als 350 Millionen Dollar gezahlt, das meiste für ungezahlte Löhne, aber auch für Unfälle. Jeder Arbeiter, der einen Unfall hat, bekommt nach Gesetz eine Kompensation. Ich gehe davon aus, dass sich das in den nächsten vier Jahren nicht ändern wird und weitere 350 Millionen gezahlt werden. Es können auch mehr werden, hoffentlich weniger.“
... die LGBTQ-Rechte in Katar:
„Ich habe darüber mehrfach mit den Regierenden gesprochen. Sie haben bestätigt, dass jeder willkommen ist - egal, welche Religion, Rasse, sexuelle Orientierung oder Glauben er hat. Wenn jemand das Gegenteil sagt, ist das nicht die Meinung des Landes und nicht die der FIFA. Es ist ein Prozess. Wenn ich meinen Vater fragen würde, der nicht mehr hier ist, würde er mir vielleicht eine andere Meinung sagen. Es braucht Zeit, aber die Türen beginnen sich zu öffnen.“
... die Kritik an angeblich gekauften Fanparaden:
„Jeder in der Welt hat das Recht, für wen auch immer zu sein. Kann jemand, der wie ein Inder aussieht, nicht für Deutschland oder Spanien sein? Toleranz beginnt bei uns selbst. Das ist Rassismus, purer Rassismus - das muss aufhören.“
... einen geforderten WM-Ausschluss des Iran:
„Es spielen nicht zwei Regimes, keine zwei Ideologien gegeneinander, sondern zwei Mannschaften. Müssen wir alle ausschließen, weil ein paar Menschen schlecht sind? Glauben Sie, dass alle Iraner Monster sind? Sie kritisieren und spalten. Wollen Sie einen weiteren Weltkrieg? Okay, machen Sie weiter so.“
... das Bier-Verbot:
„Wenn Fans für drei Stunden am Tag kein Bier trinken können, werden sie das überleben. Es gibt die gleichen Regeln in Frankreich, Spanien oder Schottland, wo auch kein Bier in den Stadien erlaubt ist. Ganz ehrlich: Wenn das unser größtes Thema bei der WM ist, dann werde ich das sofort unterschreiben, zum Strand gehen und bis zum 18. Dezember entspannen.“
... die Aussage von Ex-FIFA-Boss Joseph S. Blatter, die Vergabe nach Katar sei ein Irrtum:
„Ich war damals nicht dabei, ich war vielmehr bekannt als einer der größten FIFA-Kritiker. Ich bin seit 2016 FIFA-Präsident, seitdem gibt es viele Änderungen. Die Anerkennung von Menschenrechten ist inzwischen Teil einer Bewerbung.“
... die WM 2022:
„Doha ist bereit, Katar ist bereit. Natürlich wird es die beste WM aller Zeiten. Sobald der Ball rollt, konzentrieren sich die Leute darauf. Weil es das ist, was sie wollen, das ist der Zauber des Fußballs.“
... Fans, die die WM nicht schauen wollen:
„Viele schauen wahrscheinlich trotzdem heimlich. Wenn du ein Fußball-Fan bist, gibt es nichts Größeres als eine WM. Wer zuschaut, wird den besten Fußball aller Zeiten und die größten Emotionen sehen. Die Fans werden es genießen, wie sie noch nie eine WM genossen haben. Ich bin überzeugt, dass diese WM hilft, die Augen vieler Menschen der westlichen für die arabische Welt zu öffnen.“
(mit Material von dpa und SID)