Wenige Wochen vor dem Start der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar sieht Amnesty International weiter Probleme im Umgang mit den auch an den WM-Vorbereitungen beteiligten Gastarbeitern im Land. Die Arbeitsrechtsreformen seien noch immer nicht ausreichend umgesetzt, teilte die Menschenrechtsorganisation mit. Arbeiter in dem Emirat würden deshalb weiterhin ausgebeutet und missbraucht.

Hausangestellte arbeiten oft bis zu 18 Stunden täglich

Obwohl Katar in den vergangenen fünf Jahren wichtige Fortschritte im Arbeitsrecht gemacht wurden, sei es ganz offensichtlich, dass dies nicht ausreiche, erklärte Amnesty-Expertin Katja Müller-Fahlbusch. „Tausende Arbeitsmigrantinnen und -migranten befinden sich wegen legaler Schlupflöcher und unzureichender Reformumsetzungen immer noch in der allzu bekannten Spirale von Ausbeutung und Missbrauch.“ Viele müssten unter Bedingungen arbeiten, die teilweise Zwangsarbeit gleichkämen. Nach wie vor ungeklärt seien auch Tausende von Todesfällen in der Arbeiterschaft, die sich teils auf WM-Baustellen zugetragen hätten.
Tausende Arbeiter warteten etwa auf bislang nicht gezahlte Löhne oder würden am Jobwechsel gehindert. Zudem arbeiteten Hausangestellte etwa oft bis zu 18 Stunden täglich und ohne Ruhetag zwischendurch.

Doha

Amnesty fordert Aufklärung der Tode tausender Gastarbeiter

Amnesty forderte den WM-Gastgeber auf, Missstände anzugehen und auch den Tod Tausender Gastarbeiter im Land aufzuklären. Amnesty schätzt, dass Hunderte Menschen während der Arbeit in sengender Hitze - etwa auf WM-Baustellen - ums Leben kamen. Entschädigungszahlungen an die Angehörigen der Verstorbenen stünden weiter aus.
Das reiche Emirat wird immer wieder wegen systematischen Menschenrechtsverstößen und der Ausbeutung von Migranten kritisiert. Die Regierung weist die Vorwürfe zurück und führt Reformen zu Gunsten der Arbeiter an. Nach Angaben von Amnesty leben und arbeiten rund zwei Millionen Gastarbeiter in Katar, Hunderttausende von ihnen sind an WM-Projekten beteiligt. Die Fußball-Weltmeisterschaft startet am 20. November und geht bis zum 18. Dezember.

„Fifa muss zu ihrer Verantwortung für Menschenrechte stehen“

Bislang hätten sich weder Katar noch die Fifa zu einer Entschädigung von Arbeitsmigranten geäußert, geschweige den dazu bekannt, kritisierte Amnesty International. „In nur einem Monat beginnt die Fußball-WM: Die katarischen Behörden müssen jetzt dringend Arbeitsschutzmaßnahmen verbessern und effizient durchsetzen, die Rechte von Arbeitsmigrantinnen und -migranten stärken und den Zugang zu Justiz und zu Entschädigungen ermöglichen“, betonte Müller-Fahlbusch. Die Fifa wiederum müsse „endlich unmissverständlich zu ihrer Verantwortung für Menschenrechte stehen“.