Kommentar Jogi Löw ist der falsche Mann

„Wir sind doch gut, also wird auch die Zukunft golden sein“ - diese Logik hält unser Chefredakteur, Ulrich Becker, für falsch.
„Wir sind doch gut, also wird auch die Zukunft golden sein“ - diese Logik hält unser Chefredakteur, Ulrich Becker, für falsch. © Foto: Könneke Volkmar
Ulm / Ulrich Becker 03.07.2018
Die Entscheidung Löws, Bundestrainer zu bleiben, wird den deutschen Fußball nicht voranbringen.

Wer will über Jogi Löw den Stab brechen? Er hat Deutschland den Glauben daran zurückgegeben, dass wir keine unbegabten Rumpelfüßler sind. Er hat uns – 2006 noch als Co-Trainer von Jürgen Klinsmann – unvergessliche Glücksmomente geschenkt. Er hat deutschen Spielern das „jogo bonito“, das schöne Spiel, eingehaucht und sie 2014 zum sagenhaften 7:1-Sieg gegen Brasiliens Ballzauberer in Belo Horizonte geführt.

Dann ist es doch nur logisch und zwangsläufig, dass Löw Bundestrainer bleibt.

Nein, das ist es nicht. Es ist im Gegenteil ein großer Fehler. Er entspringt der gleichen Logik, mit der zur Zeit dieses Land regiert wird: Wir sind doch gut, also wird auch die Zukunft golden sein.

Wahr ist, dass wir gut waren – und diese Spitzenstellung nicht vom Himmel fällt. Sie ist das Ergebnis eines Veränderungswillens. 2006 hatten wir diesen Willen – heute zeigen Engländer und Belgier modernen Tempo- und Konterfußball. Jogi Löw setzt immer noch auf Ballbesitz. Er ist deshalb kein schlechter Trainer. Aber er ist 2018 und erst recht 2022 der falsche Mann auf der Trainerbank der deutschen Nationalmannschaft.

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