Was für ein Kontrast. Hier der seit Jahren solide und klug geführte Verein aus der 50 000-Einwohner-Stadt Heidenheim, inzwischen fester Bestandteil in Liga zwei. Dort der fünfmalige deutsche Meister, der große VfB aus der Landeshauptstadt Stuttgart, bei dem es teilweise drunter und drüber geht, Trainer und Manager regelmäßig verschlissen werden. Am heutigen Sonntag (13.30 Uhr/Sky) gastiert der VfB in Heidenheim. Schon am zweiten Spieltag kommt es also zum schwäbischen Derby im Fußball-Unterhaus. Die Voith-Arena ist mit 15 000 Zuschauern ausverkauft, die Spannung enorm.

VfB-Trainer Tim Walter: 1. FC Heidenheim „ein verschworener Haufen“

An Selbstvertrauen mangelt es auf beiden Seiten nicht: Heidenheim und Stuttgart haben ihre Auftaktspiele gewonnen. Der VfB schlug Mitabsteiger Hannover 96 mit 2:1, der FCH setzte sich bei Aufsteiger Osnabrück 3:1 durch. Die Zuschauer sollten sich anschnallen, es wird turbulent und hoch hergehen, sagen die beteiligten Trainer. Heidenheims Coach Frank Schmidt erwartet ein „emotionales Spektakel“, sein Pendant Timo Walter zumindest einen „heißen Tanz“.

Walter wäre nicht Walter, würde er die Favoritenrolle ablehnen. Er stellt klar: „Der Große spielt gegen den Kleinen.“ Das Spiel seiner Stuttgarter ist auf Dominanz ausgelegt, auch auswärts. Der VfB-Coach weiß, dass diese Marschroute bei kämpferisch starken und disziplinierten Heidenheimern alles andere als einfach umzusetzen ist. Er betont: „Wir müssen geduldig sein und versuchen, unser Spiel durchzuziehen.“ Den FCH nennt er „einen eingeschworenen Haufen mit viel Mentalität“.

Stuttgart Routinier Holger Badstuber erhält Chance im Derby beim FCH

Was die Ausgangslage für den Gast nicht einfacher macht: Stuttgart plagen Personalsorgen. Stürmer Mario Gomez und die Neuzugänge Philipp Klement und Tanguy Coulibaly haben muskuläre Probleme – Einsatz jeweils fraglich. Abwehrspieler Maxime Awoudja (Gelb-Rot) ist gesperrt. Nicht dabei sind ebenfalls Stürmer Nicolas Gonzalez (Panamerika-Spiele) sowie die Langzeitverletzten Sasa Kalajdzic und Marcin Kaminski.

Deshalb wird Holger Badstuber in die Anfangsformation und neben Kapitän Marc-Oliver Kempf in die Innenverteidigung rücken. Badstuber, inzwischen 30 Jahre alt, ist zuletzt zu einer Randfigur in Stuttgart geworden. Als Abwehrspieler Marcin Kaminski beim Saisonauftakt gegen Hannover verletzt rausmusste, wechselte Trainer Walter den 21-jährigen Maxime Awoudja ein. Bitter für Badstuber, der auf der Bank blieb. Beim Derby in Heidenheim erhält der ehemalige Nationalspieler, um den es nach wie vor Wechselgerüchte gibt, nun eine neue Bewährungschance.

Marc-Oliver Kempf, dessen Verbleib nach dem Abstieg im Sommer keineswegs sicher war, ist der neue Leader beim VfB. Einen Tag vor der Hannover-Partie ernannte Coach Walter den 24-Jährigen zum neuen Kapitän. Die offensive Ausrichtung seines Teams kommt Kempf eigenen Angaben zufolge entgegen. Er sagt: „Das macht Spaß, auch weil ich, wie ich finde, fußballerisch nicht so schlecht bin.“

Der 1. FC Heidenheim ist unterdessen unter der Woche in neue Dimensionen vorgestoßen. Top-Torjäger Robert Glatzel ist zum Premier-League-Absteiger Cardiff City gewechselt, was dem Klub eine Rekord-Ablösesumme (rund 6 Millionen Euro) eingebracht haben dürfte. Beim FCH steht Stammtorwart Kevin Müller nach Verletzung wieder bereit. Ob er spielt, ließ Trainer Frank Schmidt am Freitag jedoch offen.

VfB Stuttgart ist klarer Favorit, Heidenheim selbstbewusst

Auch für ihn ist der VfB Favorit, eine „ganz andere Hausnummer“ als die eigene Mannschaft. Was keineswegs bedeutet, dass sich die Heidenheimer keine Chancen ausrechnen. Schmidts Rezept für das Derby gegen Stuttgart: „Gut verteidigen, das Herz in die Hand nehmen und mutig spielen.“ Setze sein Team all dies um, sei ein Heimsieg drin.

Zur Erinnerung: Letztmals trafen Heidenheim und Stuttgart vor drei Jahren in Liga zwei aufeinander. Beide Duelle endeten 2:1. Der FCH gewann das Hinspiel in Stuttgart, der VfB in Heidenheim.

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Heidenheim

26 gegen 40 Millionen


Etat: Der VfB Stuttgart hat nach dem Abstieg einen Etat von immer noch 40 Millionen Euro aufgestellt, weiß Großkonzerne wie Daimler nach wie vor hinter sich. Heidenheim stemmt einen Etat von zugegebenen 26 Millionen Euro – dank der Unterstützung von insgesamt 450 sehr großen bis sehr kleinen Partnern.

Auftritt: Heidenheims Kapitän Marc Schnatterer und Stuttgarts Atakan Karazor stehen am Sonntag im SWR-Fernsehen Rede und Antwort. Von 21:45 Uhr in „SWR Sport“.