Als es um Daniel Didavi geht, fängt Tim Walter an zu strahlen. Der neue Trainer des VfB Stuttgart hat in den gut 50 Tagen beim Topfavoriten der 2. Fußball-Bundesliga großen Gefallen gefunden an dem Mittelfeldspieler mit der Nummer zehn. Also sagt er: „Man sieht, dass er fröhlich ist, dass er lacht. Dass er viel Freude hat an dem, was er tut. Dass er das auf dem Platz auch spiegelt, er gibt immer Vollgas.“

Vor dem DFB-Pokalspiel gegen Hansa Rostock am Montagabend (18.30 Uhr/Sky) ist Didavi einer der zentralen Spieler für den Absteiger aus der Bundesliga. „Er haut sich in jeden Zweikampf rein, versucht nach vorne die optimalen Dinge für uns zu kreieren. Genau das erwarten wir von ihm und genau das erwartet er auch von sich selber“, sagt Walter über den technisch versierten Profi, der in der Jugend des VfB Stuttgart ausgebildet worden ist und in seiner Karriere außer für den VfB noch für den 1. FC Nürnberg und den VfL Wolfsburg spielte. „Von daher bin ich sehr zufrieden, aber wir sind am Anfang. Und er kann noch viel mehr“, glaubt Walter.

Das Potenzial des in Nürtingen aufgewachsenen Mannes mit den oft wechselnden Frisuren ist unbestritten. Dass es der gläubige Christ dennoch nie in die Nähe der Nationalmannschaft brachte, lag vor allem an seinen zahlreichen Verletzungen, die ähnlich häufig und schlimm waren wie von Teamkollege Holger Badstuber.

Bänderrisse, ein Knorpelschaden, ein Knochenödem - rechnet man die auf transfermarkt.de angegebenen verletzungsbedingten Pausen zusammen, kommt man auf 1190 Tage. 3,2 Jahre war der inzwischen 29-Jährige verletzt und spielte kein Fußball: Das ist ungefähr ein Drittel seiner Profikarriere.

Allein in der vergangenen Saison fehlte Didavi 72 Tage, die meisten davon wegen anhaltender Beschwerden an der Achillessehne. Statt nach der Rückkehr vom VfL Wolfsburg mit dem VfB in der Bundesliga für Furore zu sorgen, half Didavi kaum dabei, die Abwärtsspirale seiner Mannschaft aufzuhalten. In den Gesprächen mit den Trainern Tayfun Korkut und Markus Weinzierl ging es über Monate nicht darum, wie gut oder schlecht Didavi spielt - sondern, ob er überhaupt spielen kann. Er ließ sich mitunter fit spritzen, aber der Rückstand im Training und die fehlende Wettkampfpraxis waren ihm anzusehen.

Seinem Ruf bei einigen Fans hat das nicht geholfen. Dass er nach dem Abstieg vor drei Jahren nach Wolfsburg ging, haben ihm viele übel genommen und als Flucht vor der Verantwortung ausgelegt. Dass der Transfer schon lange kommuniziert war, bevor sich der Absturz damals überhaupt abzeichnete, wird teils ignoriert. Didavi muss seit der Rückkehr an den Neckar um Anerkennung kämpfen. Nun aber, nach einem Sommer ohne wirkliche Schwierigkeiten und zwei Spielen in der Liga über die volle Distanz (ein Tor), scheint Didavi endlich der Faktor im VfB-Spiel werden zu können, der er auch selbst sein möchte.