DFB-Pokal Heidenheimer Pokal-Coup

Auf Augenhöhe: Der Heidenheimer Sebastian Griesbeck (li.) duelliert sich mit dem Leverkusener Lucas Alario.
Auf Augenhöhe: Der Heidenheimer Sebastian Griesbeck (li.) duelliert sich mit dem Leverkusener Lucas Alario. © Foto: Stefan Puchner/dpa
Thomas Gotthardt 06.02.2019

Frank Schmidt weiß, wie Pokal funktioniert. Wie ein David einen Goliath schlagen kann. Wie sich eine Überraschung anfühlt im DFB-Pokal. Der Trainer des Fußball-Zweitligisten 1. FC Heidenheim war schließlich auch mal Spieler. Ein richtig guter sogar; einer, der den Abwehrspieler (in einer Dreierkette) schon sehr fortschrittlich interpretierte. Wie beim damaligen Regionalligisten TSV Vestenbergsgreuth. Der Klub aus dem „Teedorf“ in Mittelfranken sorgte 1994 für eine dieser Pokal-Sensationen, als der TSV mit Trainer Paul Hesselbach den FC Bayern München (Trainer Giovanni Trapattoni) mit einem 1:0 im Nürnberger Frankenstadion aus dem Wettbewerb kegelte.

Emotional hat Frank Schmidt gestern ein Déjà-vu erlebt. Im Achtelfinale besiegte der Tabellensechste der Zweiten Liga den Bundesligisten Bayer 04 Leverkusen mit 2:1 (0:1). Kein Wunder, dass die mit 11 400 Zuschauern nicht ausverkaufte Voith-Arena nach dem Schlusspfiff karnevalistisch bebte, auch wenn der Nebel einiges verschluckte. Die Temperaturen deutlich unter null Grad taten ein Übriges, um die Freude etwas zu dimmen.

Es war gestern ein völlig verdienter Erfolg des Zweitligisten von der Ostalb, der in den zweiten 45 Minuten der Werkself mit jeder Minute mehr den Schneid abkaufte. Dabei hatte Julian Brandt (44.), der zuvor schon den Pfosten getroffen hatte,  sogar das erste Tor für die Gäste erzielt. Doch Leverkusen konnte den Schwung durch die Führung nicht über die Pause retten. Nikola Dovedan (47.) und Maurice Multhaup (72.) bestrafen die Gäste für den zumindest in der zweiten Halbzeit arroganten Auftritt.

Die fehlenden Prozent der Leverkusener bei Engagement und Willen reichten aus für ein Duell auf Augenhöhe. Peter Bosz, der Leverkusener Trainer, wollte nicht um den heißen Brei herumreden. „Wir haben in der zweiten Halbzeit schlecht Fußball gespielt“, urteilte der Coach und wollte lieber nicht weiter ins Detail gehen.

Drei Tage nach dem 3:1-Sieg gegen den Rekordmeister aus München gönnte Peter Bosz einigen Stammkräften eine Pause. Auch Kollege Schmidt routierte, ließ unter anderem Marc Schnatterer (Schmidt: „Er ist noch nicht bei 100 Prozent“) erneut draußen.

In keiner Phase der Partie war ein Klassenunterschied zwischen Zweitligist und Europa-League-Teilnehmer festzustellen. Bayer war mit viel  Ballkontrolle und und Ballbesitz optisch überlegen, weil es aber an Geschwindigkeit mangelte, kam die Heidenheimer Defensive kaum in Bedrängnis. Die Hausherren ließen sich durch den Rückstand kurz vor der Halbzeit nicht irritieren, legten  dafür eine noch bessere Ordnung an den Tag und erspielten sich etliche Chancen, die Dovedan und Multhaup nutzten. „Wir wollten in der ersten Halbzeit diszipliniert und sachlich spielen und dann ein Signal setzen“,  skizzierte Schmidt seinen Matchplan. „Jetzt können wir den Erfolg genießen, dann beginnt schnell die Vorbereitung auf das nächste Zweitliga-Spiel“, sagte Frank Schmidt.

Riesige Vorfreude bei der Hertha in Berlin

Für die Fans ist es das Spiel des Jahres, für Trainer Pal Dardai die Chance auf einen Hertha-Boom in Berlin. "Wenn wir mal den Pokal gewinnen, dann wird der Klub interessanter, dann kommen sofort ein paar Tausend Leute mehr ins Stadion", sagte Dardai vor dem Achtelfinalspiel im DFB-Pokal am Mittwoch gegen Bayern München.

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