DFB Pokal gegen Frankfurt SSV Ulm 1846 Fußball: Festtag für die Amateure

Richtungsweisendes Spiel eine Woche vor dem Bundesliga-Saisonstart: Eintracht-Trainer Adi Hütter darf sich mit seinem Team beim Viertligisten Ulm keinen Ausrutscher erlauben.
Richtungsweisendes Spiel eine Woche vor dem Bundesliga-Saisonstart: Eintracht-Trainer Adi Hütter darf sich mit seinem Team beim Viertligisten Ulm keinen Ausrutscher erlauben. © Foto: Thomas Frey/dpa
Ulm / sid/eb 17.08.2018
Bayer Leverkusen beim 1. CfR Pforzheim oder Titelverteidiger Eintracht Frankfurt in Ulm: Sportliche Stolperfallen für die Fußball-Bundesligisten sorgen für viel Spannung.

Schon Otto Rehhagel wankte mit Werder Bremen bedenklich am Ufer der Enz, 30 Jahre danach plant der 1. CfR Pforzheim wenige Kilometer flussabwärts den nächsten Angriff im DFB-Pokal. Am Samstag (15.30 Uhr/Sky) soll im Holzhofstadion Fußball-Bundesligist Bayer Leverkusen gestürzt werden. Das Selbstbewusstsein des Fünftligisten, so viel ist sicher, ist groß genug: „Wir können jedem Gegner wehtun“, sagte Trainer Gökhan Gökce.

Der 34-Jährige erinnert sich noch gut an einen der bisher größten Pokalabende am Nordrand des Schwarzwalds 1988. „Es war ziemlich voll und laut in der Stadt“, berichtete Gökce. Er selbst wohnte nur wenige Meter vom Stadion Brötzinger Tal, in dem der damalige FC Pforzheim Rehhagels Bremern im Achtelfinale ein 1:1 abtrotzte und so ein Entscheidungsspiel erzwang.

Dieses ging elf Tage später in Bremen mit 3:1 an die Gastgeber, aber dennoch: „Die Älteren schwärmen noch heute von diesem Spiel“, sagte Gökce. Im Holzhofstadion, ebenfalls direkt an der durch die 120 000-Einwohner-Stadt fließenden Enz gelegen, erwartet der Verein am Samstag knapp 5000 Zuschauer, Dass die längst ausverkaufte Partie überhaupt in Pforzheim stattfindet, ist für die Verantwortlichen bereits ein großer Erfolg. „Das Stadion existiert seit 1966 in seiner aktuellen Form. Da kann sich wohl jeder selbst denken, dass wir hier einiges verändern mussten“, äußerte der Vorstandsvorsitzende Markus Geiser. Fangzäune, Sitzschalen, Absperrungen – ja, sogar ein Pissoir musste im Massageraum eingebaut werden, um einen Ort für die Dopingkontrollen zu schaffen. Wo sonst eine Liege aufgebaut ist, steht jetzt ein Schreibtisch neben dem „Pinkelbecken“.

Aufwand lohnt sich

Aber: Der große Aufwand lohnt sich. Finanziell macht der CfR, der 2010 durch die Fusion des FC und VfR Pforzheim entstand, durch die in Runde eins ausgeschütteten Fernsehgelder Gewinn. Das hat er auch den rund 150 Ehrenamtlichen zu verdanken, die im Vorfeld und am Spieltag selbst alles dafür tun, dass diese Partie reibungslos über die Bühne geht. „Ohne eine gesunde ehrenamtliche Struktur im Verein ist es nicht möglich, 2018 so einen vermarkteten Wettbewerb auszutragen“, sagte Geiser. 121 000 Euro gibt’s in Runde eins, weitere 44 000 gehen an den Landesverband.

Und sportlich? „Es ist nicht so, dass wir hoffnungslos sind. Eine Profimannschaft stolpert immer in der ersten Runde“, betonte Trainer Gökce. Sein Team wurde zuletzt auf viele Positionen personell verstärkt und rechne sich daher schon etwas aus. Auch gegen Bayer Leverkusen, das anders als Pforzheim das erstes Pflichtspiel der Saison macht. „Ich bin überzeugt, dass wir unsere Chancen bekommen werden“, sagt der Trainer.

Donaustadion ausverkauft

Der Ulmer Kollege Holger Bachthaler würde ihm da sicher recht geben. Mit knapp 18 500 Fans ist das Ulmer Donaustadion ausverkauft, wenn am Samstag (15.30 Uhr/Sky) Pokal-Verteidiger Eintracht Frankfurt beim Viertligisten SSV Ulm 1846 Fußball gastiert. Frankfurt muss ohne Pokalheld Ante Rebic antreten. „Er kann definitiv nicht spielen. Er hat Adduktorenprobleme“, sagte Eintracht-Chefcoach Adi Hütter gestern. Der kroatische Nationalspieler war im Pokal-Finale gegen Bayern München der Wegbereiter zum 3:1-Sieg.

Fehlen werden auch der gesperrte Gelson Fernandes und Timothy Chandler, der sich einer Knieoperation unterziehen musste und für längere Zeit ausfällt. Nach der 0:5-Niederlage im Supercup gegen Bayern München wollen die Hessen Wiedergutmachung betreiben. „Das war ein Schuss vor den Bug. Im ersten Pokalspiel in Ulm müssen wir deshalb eine Reaktion zeigen“, forderte Adi Hütter.

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Bis zu zehn Millionen Euro für den Gewinner

Das große im Geld im DFB-Pokal gibt es am Ende für die Finalisten, aber auch die Amateure profitieren in dem Wettbewerb von finanziellen Neuerungen. Der Pokalsieger kann bis zu zehn Millionen Euro kassieren, bereits bis zum Halbfinale werden mehr als fünf Millionen ausgeschüttet, wie der DFB am Donnerstag bestätigte. Für die beiden Endspielteilnehmer dürften noch einmal 3,5 bis 4,5 Millionen Euro dazukommen.

Leicht gestiegen sind die Prämien in den einzelnen Runden. Nach einem neuen Verteilungsschlüssel profitieren die Amateure erstmals von der Streichung der Auslagenerstattung für den Gastverein (7000 Euro) und von der Erhöhung der Organisationspauschale von 15 auf 25 Prozent. Die 21 Landesverbände erhalten in Runde eins mit zusammen 945 000 Euro.

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