Bayer Leverkusen darf vom zweiten Pokal-Endspiel in Folge träumen, Eintracht Frankfurt bleibt die Freude über die bevorstehende Rückkehr von Luka Jovic als Trost. Im vom Dezember verlegten Duell der Pokal-Spezialisten gewann die Werkself mit 4:1 (1:1).
Im Achtelfinale Anfang Februar trifft Bayer auf Rot-Weiss Essen, den letzten verbliebenen Regionalligisten im Wettbewerb. „Natürlich muss das ein Bundesligist schaffen, aber so einfach ist es nicht, das müssen wir uns wieder erarbeiten“, sagte Leverkusens Trainer Peter Bosz im TV-Sender Sky über den nächsten Pokal-Gegner.
Nach dem frühen Rückstand durch Ex-Nationalspieler Amin Younes (7.) drehten Lucas Alario per umstrittenem Handelfmeter (27.), Edmond Tapsoba aus ganz knapper Abseitsposition (49.) und Moussa Diaby (67./87.) am Dienstagabend das Spiel für Bayer. Nationalspieler Jonathan Tah sah wegen einer Notbremse die Rote Karte (73.).
„Wir sind nicht gut in das Spiel reingekommen und haben in dieser Phase auch nicht gut Fußball gespielt“, sagte Bosz über die Anfangsphase, lobte aber die kämpferischen Qualitäten seiner Mannschaft. „Es ist gut, dass wir das gedreht und am Ende das Spiel bestimmt haben“, sagte der Niederländer. Nach dem Final-Einzug im Vorjahr gegen den FC Bayern München (2:4) hatte Bosz im Vorfeld launig den Pokalsieg als Ziel ausgegeben.
Die Eintracht hatte 2017 im Endspiel gestanden und 2018 den Pott geholt. „Wir hatten einen sehr starken Gegner, das Spiel ist sehr unglücklich für uns gelaufen“, sagte Frankfurts Sebastian Rode bei Sky. „Wir haben aus dem Nichts einen Elfmeter gegen uns bekommen, da ist das Spiel gekippt. Und am Ende haben wir es in Überzahl nicht geschafft, mehr Druck zu machen“, sagte der Eintracht-Kapitän.
Frankfurt blieb somit nicht nur wegen der verletzungsbedingten Auswechslung von Younes ein perfekter Abend verwehrt. Vor dem Spiel hatte Sportvorstand Fredi Bobic die bevorstehende Ausleihe von Jovic, der 2019 für über 60 Millionen Euro nach Madrid gewechselt war, verkündet. „Wir müssen noch ein paar Themen bearbeiten, den Medizincheck zum Beispiel“, sagte er bei Sky: „Wenn alles passt, ist er bald wieder bei uns.“
Die Eintracht begann wie von Trainer Adi Hütter versprochen forsch und wurde schnell belohnt. Nach einem schnell gespielten Angriff über viele Stationen gab Daichi Kamada den Ball nach innen, André Silva leitete gedankenschnell mit der Fußspitze weiter und Younes traf per Rechtsschuss. Der 27-Jährige, den die Eintracht im Oktober für zwei Jahre vom SSC Neapel ausgeliehen hatte, hatte im Ligaspiel vor zehn Tagen sein erstes Tor für Frankfurt erzielt, nun folgte das zweite. Wieder gegen Bayer. Wieder gegen seinen Ex-Trainer Peter Bosz.
„Am Anfang haben wir ein bisschen gezittert“, sagte Bayer-Torwart Lukas Hradecky. Es war der Startschuss für das von beiden Trainern versprochene offene Spiel mit einigen Chancen. Zunächst vergab Nadiem Amiri mit einem schwachen Schuss gegen Nationalkeeper Kevin Trapp den Ausgleich (12.), dann scheiterte Silva am stark parierenden Ex-Frankfurter Lukas Hradecky (13.). Zum Ausgleich benötigte Bayer dann einen Strafstoß, als Ex-Weltmeister Erik Durm einen Schuss von Bailey mit dem Arm ablenkte. Sehr unglücklich für die Eintracht, aber regelgerecht. Alario, der erstmals seit Ende November in der Startelf stand, schoss sein zwölftes Pflichtspieltor in dieser Saison.
Auch das zweite Tor fiel nach einem Standard, als Tapsoba nach einem Freistoß von Kerem Demirbay völlig frei einköpfte. Beim 3:1 hatte auch der stark formverbesserte Diaby nach sehenswertem Zuspiel von Amiri viel zu viele Freiheiten und ließ Trapp keine Chance. Bayer schien schon sicher im Achtelfinale, der Platzverweis gegen Tah sorgte aber kurz für leichtes Zittern. In der 81. Minute kam Bayer-Kapitän Charles Aranguiz zu seinem ersten Einsatz seit dem 17. Oktober - und wenig später beseitigte Diaby sämtliche Zweifel.
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