Fußball Der schmale Grat zwischen Mut und Übermut

Ulm / Gerold Knehr 02.11.2018

Die Pokal-Festtage beim SSV Ulm 1846 Fußball sind vorbei. Dem 2:1 in der ersten Pokalrunde gegen Eintracht Frankfurt und dem 1:5 am Dienstag gegen Fortuna Düsseldorf  vor 17 000 Zuschauern im Donaustadion und deutlich über 3 Millionen an den Bildschirmen bei der ARD-Zusammenfassung, folgt nun der Regionalliga-Alltag. Am Samstag (14 Uhr) treten die Spatzen im 21 000 Einwohner zählenden hessischen Stadtallendorf an, wo die dortige Eintracht vor durchschnittlich 1175 Zuschauern spielt. Eine Woche danach kommt der TSV Steinbach, ein Vorstadt-Klub der 35 000-Einwohner-Stadt Haiger, der aber als Tabellenzweiter die Liga aufmischt.

„Jetzt können wir uns auf die Regionalliga konzentrieren. Das ist unser tägliches Brot“, sagt Innenverteidiger Florian Krebs. Die angemahnte Konzentration ist jetzt besonders wichtig. Nach dem Erstrundenerfolg gegen Frankfurt haben die Spatzen ihre folgenden Punktspiele in Worms (0:1) und gegen den FC Homburg (0:2) verloren. Das soll dem SSV 46 nicht nochmals passieren.

„Die beiden Pokalspiele haben unsere Art, Fußball zu spielen, bestärkt“, sagt Trainer Holger Bachthaler. „15:14 Torchancen für uns gegen den Bundesligisten, das ist schon der Wahnsinn.  Es gibt keinen Grund, enttäuscht zu sein. Auch wenn die Gegentreffer viel zu billig und einfach fielen“, so Bachthaler.

Seit Dienstag ist der SSV 46 Fußball nicht mehr nur der einzige Verein, der als seinerzeitiger Fünftligist im Jahr 2001 einen Bundesligisten aus dem Wettbewerb geworfen hat (2:1 gegen den 1. FC Nürnberg). Mit Ardian Morina, der nach 13 Sekunden das 1:0 gegen Düsseldorf erzielte, haben die Ulmer nun auch den schnellsten Torschützen der DFB-Pokalgeschichte in ihren Reihen.

Tagelang hatte Bachthaler an seine Spieler appelliert, mutig in die Begegnung zu gehen. Möglicherweise hat die frühe Führung die Ulmer gar ein wenig übermütig gemacht. Sie lieferten dem Bundesligisten einen offenen Kampf im Mittelfeld, vergaßen darüber allerdings die defensive Ordnung. Was insbesondere der rechte Düsseldorfer Mittelfeldspieler Dodi Lukebakio nutzte. „Wir konnten die Lücken hinten nicht schließen. Das hat Düsseldorf ausgenutzt“, meinte Krebs.

„Wenn man ein Tor schießen kann, ist es immer der richtige Zeitpunkt“, hält Bachthaler nichts  von einer Diskussion über eine zu frühe Führung. Gleichwohl analysierte er im gestrigen Training mit der Mannschaft die Szenen, die zu den Gegentreffern geführt haben. Um es im Liga-Alltag in Stadtallendorf, gegen Eintracht Haiger und all die anderen Regionalliga-Kontrahenten besser zu machen.

Mission Titelverteidigung

Die DFB-Pokalspiele gegen Frankfurt und Düsseldorf haben Geschmack auf mehr gemacht. Noch am Dienstag-Abend schwor Bachthaler sein Team auf die Mission „Titelverteidigung WFV-Pokal“ ein, wo der SSV Um 1846 als klassenhöchster verbliebener Verein im Viertelfinale steht. Die Begegnungen werden im Januar ausgelost, gespielt wird erst Ende April. Nur der Sieger des WFV-Pokals ist im nächsten Jahr als württembergischer Amateurvertreter im DFB-Pokal dabei. Als letzter Verein hat sich am Mittwoch Oberligist SSV Reutlingen fürs Viertelfinale qualifiziert. Möglicherweise kommt es in dieser Saison also nochmals zu einem „großen“ Pokalfight unter zwei echten Rivalen.

Tischtennis-Trophäe statt DFB-Pokal

Da hat sich doch tatsächlich eine falsche Trophäe ins Donaustadion geschmuggelt. Statt des DFB-Pokals wurde in der Halbzeit beim Spiel des SSV 46 gegen Fortuna Düsseldorf der deutsche Tischtennis-Pokal präsentiert. Doch der wird erst am 5. Januar in der Ratiopharm-Arena nach dem Final Four vergeben. Dann wird wieder ein Düsseldorfer Team haushoher Favorit sein: die Borussia  – sollte das Team von Timo Boll nicht im Viertelfinale beim ASV Grünwettersbach scheitern. Nico Stehle, Geschäftsführer der Tischtennis-Bundesliga, plauderte in der Halbzeitpause mit Ulms OB Gunter Czisch über das Event. Und hatte für Tischtennis-Fans ein lukratives Mitbringsel dabei. Wer bis zum 11. November im Online-Ticketshop unter www.ttbl.de den Promo-Code „Pokal“ anklickt, spart 20 Prozent auf den regulären Eintrittspreis.

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