Auch im Pokal ist in der Corona-Krise alles anders. Der FC Bayern München und Bayer Leverkusen werden am Samstag das 77. DFB-Pokal-Finale im fast menschenleeren Olympiastadion bestreiten - und der Start in die neue Spielzeit wirft noch massenhaft Fragen auf.
Wer spielt mit? Können die 21 Landespokalsieger überhaupt pünktlich ermittelt werden? Wann geht es los? Können wieder Fans in die Stadien? Wie viel Geld schüttet der Deutsche Fußball-Bund aus?
Nur eins steht bereits fest: Auch die nächste Auflage des seit 1952 unter dem Namen DFB-Pokal ausgetragenen Wettbewerbs wird zur „Road to Berlin“. Nach dpa-Informationen will der nationale Verband den auslaufenden Vertag mit der Hauptstadt und dem Olympiastadion noch vor dem aktuellen Pokal-Endspiel verlängern. Seit 1985 wird das Finale ununterbrochen im WM-Endspielstadion von 2006 ausgetragen und die Fans singen: „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin.“
An eine Modus-Änderung wird in der kommenden Saison trotz der Terminballungen aufgrund der Corona-Pandemie nicht gedacht. Wieder sollen die 36 Clubs der 1. und 2. Bundesliga gemeinsam mit den 21 Gewinnern der Landespokale und den vier Erstplatzierten Teams der 3. Liga an den Start gehen. Das 64er-Teilnehmerfeld wird mit drei zusätzlichen Vereinen aus den Landesverbände aufgefüllt, die die meisten Männer-Teams im Spielbetrieb haben - Bayern, Westfalen und Niedersachsen. Zweite Mannschaften sind nicht startberechtigt.
Vieles andere aber ist derzeit noch ungewiss. Schon der Abschluss der aktuellen Pokalsaison bei den Amateuren wird zum Kraftakt. In fast allen Landesverbänden ist die Saison grundsätzlich wegen der Corona-Krise beendet worden - die Pokalspiele ausgeschlossen. So will der Hessische Fußball-Verband ein noch ausstehendes Halbfinale und das Endspiel schnellstmöglich ausspielen. Im Fußballverband Rheinland ist noch keine Entscheidung über die Fortsetzung des Rheinlandpokals getroffen worden - das Ziel ist aber, den Wettbewerb abzuschließen.
Dieses Ziel eint quasi alle. Die Zeit drängt. „Regulärer Start der Saison wäre im August. Aber die Vereine brauchen auch Vorlaufzeit“, sagte die Geschäftsführerin des Fußball-Landesverbandes Brandenburg, Anne Engel. Im Verband Niederrhein stehen wie in vielen anderen Verbänden noch die Halbfinal-Partien an, bevor im Endspiel der DFB-Pokal-Teilnehmer 2020/21 ermittelt werden kann. „Die letzte Variante wäre das Losverfahren“, sagte Geschäftsführer Andreas Schwinn vom Saarländischen Fußballverband.
Die Saarländer sind erst im Viertelfinale und müssen daher noch sieben Spiele austragen. „Aber alle Landesverbände wollen den Teilnehmer am DFB-Pokal auf sportlichem Weg ermitteln. Am liebsten bei einem Finaltag der Amateure“, betonte Schwinn.
Der DFB sei „schlicht noch nicht so weit“, teilte der nationale Verband zur neuen Planung mit: DFB und Deutsche Fußball Liga basteln derzeit an Lösungen und versuchen, in Abstimmung mit Weltverband FIFA und Europäischer Fußball-Union UEFA einen neuen Rahmenterminkalender zu erstellen. Erst danach wissen auch die Landesverbände, welcher Meldetermin für die Amateur-Pokalsieger gilt. Ende dieser oder zu Beginn der kommenden Woche sollen neue Details bekannt werden.
Schwierig ist es zudem durch die verschiedenen Corona-Verordnungen der einzelnen Bundesländer, die sich in Sachen Kontaktsport und Wettkämpfe teils noch drastisch unterscheiden. In Berlin dürfen Amateurfußballer noch nicht mal trainieren. In Baden-Württemberg kann ab sofort Fußball wieder ohne die bisherigen Abstandsregeln gespielt werden. „Sollte der Pokalwettbewerb eines Landesverbandes der Spielzeit 2019/2020 bis zum Ablauf der Meldefrist nicht beendet sein, kann der jeweilige Landesverband in eigener Verantwortlichkeit einen Teilnehmer benennen“, hat der DFB bereits festgelegt.
Der Berliner Fußball-Verband (BFV) hat auf einem außerordentlichen Verbandstag beschlossen, dass in diesem Fall das Präsidium den DFB-Pokalstarter bestimmt. Das gilt auch für den Verband in Brandenburg (FLB). „Wir wollen das Startrecht auf keinen Fall hergeben“, betonte FLB-Geschäftsführerin Engel. Denn der Wettbewerb ist für die Amateure höchst attraktiv.
Der 1. FC Saarbrücken, der in dieser Saison als erster Viertligist in der Pokal-Historie überhaupt das Halbfinale erreicht hat und erst an Leverkusen scheiterte, konnte sich über rund sechs Millionen Euro Zusatzeinnahmen freuen. Auch die 21 Landesverbände profitierten mit knapp einer Millionen Euro Zuschuss aus der ersten Runde, an jeden Amateur-Starter wurden zudem 121 000 Euro ausgezahlt.
Bernd Neuendorf, Präsident des Fußballverbandes Mittelrhein, fasst die Situation zusammen: „Die Corona-Pandemie hat uns in den letzte Wochen viel abverlangt. Jetzt müssen wir nach vorn blicken und uns auf die Planung für die neue Spielzeit konzentrieren.“
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