Grüße aus Moskau WM-Tagebuch: Nate, Tianjin, Stielike

Moskau / Armin Grasmuck 19.06.2018

Noch 45 Minuten bis zum Anpfiff, da kommen leise Worte von links. „Hallo, mein Name ist Zhao Nanhui von der Tianjin TV Station“, sagt ein junger Mann, der ausschaut wie ein Asiate mit kräftiger Statur, auf Englisch: „Darf ich Ihnen ein paar Fragen stellen?“ Er bleibt am Ball: „Tianjin ist eine der größten Städte Chinas, wir sind ein regionaler Fernsehsender. Und Juli Stüluku ist der Trainer unseres Klubs. Sie können mich übrigens Nate nennen.“ Es dauert eine Sekunde, bis es klingelt. Denn Juli Stüluku ist kein Fußballlehrer aus den südlichen Karpaten, sondern Uli Stielike, einst deutscher Nationalspieler.

Tianjin? Stielike? Nate? Ein Plausch im Luschniki-Stadion zu Moskau. Darauf muss erstmal einer kommen. Nate ist alles auf einmal: Fußballreporter, Kameramann und Tontechniker. Er richtet sein Stativ aus, stellt die Linse der Kamera scharf, dann drückt er dem Gegenüber das Mikrofon in die Hand – los geht’s: „Was halten sie davon, dass Stielike in China trainiert?“

Ja gut, ääähm ... Herzlichen Glückwunsch! Er war einer der besten Fußballer weltweit, spielte sogar bei Real Madrid. Er ist im Rhein-Neckar-Kreis geboren, hat zuletzt die Auswahl Südkoreas trainiert. Klar, der Fußball in China boomt ...

Nate hakt nach, Frage um Frage. 20 Minuten, dann ist das Interview im Kasten. Vielen Dank, viel Spaß bei der WM – und jetzt schnell auf die Tribüne.

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