Grüße aus Moskau WM-Tagebuch: Der Sprung in die Platte

Moskau / Armin Grasmuck 26.06.2018

In den viereinhalb Tagen am Schwarzen Meer war er den Gedanken fast entflogen, der vergleichsweise schnöde Hotelbau im Südwesten Moskaus. Das Zimmer hat 13,5 Quadratmeter im 15. Stockwerk, alles sauber, alles rein. Aber dieser gewöhnungsbedürftige Geruch in den Fluren ... Dieser beißende Schwall, der einem direkt beim Verlassen des Aufzugs in die Nase fährt. Feuchter Beton?
Alter Schweiß aus allen Poren? Desinfektionsmittel? Oder die Essenz aus allem?

Sage und schreibe 1009 (!) Zimmer hat die Herberge, die nach russischem Standard vier Sterne als Gütesiegel trägt. Um die 50 Euro kostet die Nacht normalerweise, pro Person. Während der Weltmeisterschaft verlangen sie das Fünffache. Der Ausblick auf die achtspurige Straße und viele, viele Hochhäuser ist in dem Preis inbegriffen. Es sind Plattenbauten, die wirken wie riesigen Burgen aus Stahl und Beton. Wohin das Auge auch reicht: 20 Etagen und mehr, hunderte Meter breit. Jede Einheit wirkt wie eigenes Dorf in diesem grauen Viertel am Rande der Metropole.

Heute geht es weiter nach Kasan, in die stolze Kapitale der Tataren. Die Stadt, in der die Wolga nach Süden abknickt und die deutsche Elf um den Einzug ins Achtelfinale kämpft, versprüht ihren eigenen Charme. Direkt nach dem Schlusspfiff heißt es wieder: Zurück auf dem Sprung in die Moskauer Platte.

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