Grüße aus Moskau WM Tagebuch – Neues aus dem Untergrund

Moskau / Armin Grasmuck 20.06.2018

Die Moskauer Metro ist eine Welt für sich. Mobile Kultur im
Untergrund der größten Stadt
Europas. Steil und tief gehen die Rolltreppen runter. Einige der U-Bahnhöfe sind wahre Kunstwerke großartiger Architekten. Wie Paläste. Die Haltestelle „Worobjowy Gory“ hängt in der Luft, hoch über dem Wasser der Moskwa. Auf dem Bahnsteig
jubeln Beckenbauer, Völler und andere Legenden des Fußballs aus gläsernen Litfasssäulen. Hier rennt keiner zum Zug. In einer Minute kommt der nächste.

Daran muss sich der Fremde erst einmal gewöhnen. Die Metro in Moskau kennt kein Ruckeln, kein Wackeln, kein Schütteln – sie schwingt. Hat sie ihre Höchstgeschwindigkeit erreicht, schwingt sie locker, leicht und ziemlich entspannend. Die Strecken von Bahnhof zu Bahnhof sind weit, selbst im Zentrum der Stadt braucht es immer ein paar Minuten, was – kombiniert mit dem sanften Schwingen – zwangsläufig dazu führt, dass ein Fahrgast nach dem anderen wegdöst.

Gut, den lässigen Typen mit den kurz rasierten Haaren und den Löchern in der Hose, der trotz dunkler Sonnenbrille (in der U-Bahn!) leicht an seinem nach vorne gekippten Schädel als Sekundenschnarcher zu entlarven ist, gibt es auch Berlin, Hamburg und Bad Cannstatt. Doch die Fahrgäste in Moskau brauchen keinen Sitzplatz, sie schlafen auch im Stehen. Hand an die Haltestange, Augen zu. So geht das Nickerchen bis zum nächsten Stopp.

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