Der WM-Experte Weltmeister Andreas Brehme: Löw hat alles richtig gemacht

Weltmeister Andreas Brehme analysiert das deutsche Spiel.
Weltmeister Andreas Brehme analysiert das deutsche Spiel. © Foto: dpa
Moskau / Andreas Brehme 25.06.2018

Natürlich breche ich jetzt nicht in grenzenlosen Jubel aus. Die Lage bleibt auch nach dem 2:1 gegen Schweden kritisch. Ich weiß, viele werden jetzt wieder vorschnell verkünden, wir hauen Südkorea weg. Davor kann ich nur warnen. Wir können auch in dem Spiel ins Taumeln geraten. Südkorea kann gut Fußball spielen, vor allem rennen bis zur 95. Minute. Dennoch ist die Welt nach dem fantastischen Freistoß von Toni Kroos wieder einigermaßen in Ordnung.

Gefreut hat es mich vor allem für Jogi Löw. Der Bundestrainer stand unter unheimlich großem Druck. Ich würde sagen, dass es keine hundert-, sondern eher eine tausendprozentige Anspannung für ihn war. Ein Unentschieden oder noch eine Niederlage, da wäre vermutlich eine gewaltige Welle der Häme über Jogi hinweg geschwappt.

Trotz dieses Drucks hat der Trainer wieder mal alles richtig gemacht. Seine Maßnahmen haben gegriffen. Es war richtig, Reus und Rudy – hoffentlich kann er am Mittwoch wieder ran –  für Özil und Khedira in die Mannschaft zu nehmen. Dadurch fand die Elf besser ins Spiel und schneller zu ihrer Balance. Dadurch entwickelte sich Timo Werner im Sturm zu einem Leistungsträger. An Löws Stelle würde ich die Mannschaft auch gegen Südkorea genauso einlaufen lassen. Natürlich mit Hummels, falls er rechtzeitig fit wird, oder Süle für den gesperrten Boateng.

Ein besonders Kompliment möchte ich noch Manuel Neuer machen. Es ist unglaublich, welche Ausstrahlung trotz langer Verletzungspause von diesem Ausnahmetorwart schon wieder ausgeht. Und ein Kompliment auch an Toni Kroos, dem seine völlig ungewohnten Fehlpässe sichtlich an die Nieren gingen. Wenn sich so einer aufrafft, in letzter Sekunde einen Freistoß derart raffiniert in den Winkel zu drehen, dann landet er eben in den WM-Geschichtsbüchern.

Rückblickend muss ich sagen, dass wir ein Riesenglück hatten, dass uns Mexiko im ersten Spiel nur 1:0 besiegt. Dank der gnädigen Mexikaner haben wir es nun selbst in der Hand. Gegen Südkorea müssen wir von der ersten Minute an Dampf machen und auf Tore gehen, damit wir am Ende nicht von anderen abhängig sind. Augen zu – und durch ins Achtelfinale. Denn bis jetzt war es nur ein Vorgeplänkel. Ab dem Achtelfinale geht die WM erst richtig los.

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