VfB Viel zu viele Baustellen: Stuttgart muss gegen Leverkusen ran

Der Schlusspunkt: Moldes Daniel Chima hat beim 2:0 fast völlig freie Schussbahn - links VfB-Innenverteidiger Georg Niedermeier.
Der Schlusspunkt: Moldes Daniel Chima hat beim 2:0 fast völlig freie Schussbahn - links VfB-Innenverteidiger Georg Niedermeier. © Foto: afp
Molde/Stuttgart / DPA/EB 06.10.2012
Außer Spesen nichts gewesen: Der Betriebsausflug nach Norwegen zu Molde FK wurde für den VfB Stuttgart nicht eben zur sportlichen Lustreise. Nun muss gegen Leverkusen umso mehr ein Erfolgserlebnis her.

Am Tag nach dem peinlichen 0:2 bei Molde FK wirkte Trainer Bruno Labbadia müde und abgekämpft. Sorgen um seinen Job beim VfB muss er sich trotzdem (noch) keine machen. Auf die Frage, ob sich der 46-Jährige innerhalb des Vereins langsam Fragen gefallen lassen müsse, antwortete Sportdirektor Fredi Bobic gestern: "Nö."

Kurz zuvor hatte er aber angesichts der enttäuschenden Lage bei den Stuttgarter gewarnt: "Wir sind gerade in einer Entwicklung, wo es gefährlich ist, das muss man ganz ehrlich sagen." Die Pleite in der Europa League beim norwegischen Meister offenbarte vor dem Spiel in der Fußball-Bundesliga gegen Bayer Leverkusen (morgen um 17.30 Uhr/live nur im Bezahlsender Sky und Liga total) sämtliche Baustellen, die der VfB in dieser Saison irgendwie schließen muss. Vor allem die Defensive ist enorm anfällig. "Man sieht, wie sich die Mannschaft selbst runterzieht, man kaum negative Worte finden darf, weil sie sich selbst für die vergebenen Chancen runterzieht", berichtete Labbadia. Kleiner Trost für die Fans: Es gibt Situationen, da weiß das Team, was es tun muss, um möglichst schadlos davonzukommen. Etwa beim Zusammenspiel nach dem Schlusspfiff am Donnerstag. Serdar Tasci, Christian Gentner und Vedad Ibisevic stellten sich den Fragen der Journalisten - alle anderen Profis nutzten die Deckung für den geschlossenen Marsch ins Freie.

Dabei gäbe es viele Fragen. Etwa die nach den regelmäßigen Aussetzern in der Abwehr und dem verschwenderischem Umgang mit guten Torchancen. "Zum Spielegewinnen braucht man Konsequenz im vorderen und hinteren Bereich, die hat uns heute in den entscheidenden Momenten einfach gefehlt", kommentierte Labbadia. Erst hatte sein Team die eigenen Möglichkeiten nicht genutzt, dann Jo Inge Berget (58. Minute) und Daniel Chima (88.) auch noch zum Toreschießen eingeladen.

"Wir haben extrem geschludert bei der Chancenverwertung. Da gewinnst du auf europäischem Niveau kein Spiel, das ist klar. Die Effizienz ist uns flöten gegangen", schimpfte Bobic. "Eine unserer Stärken in der vergangenen Saison war, nach Rückständen zurückzukommen. Das fehlt im Moment." Gegen Labbadias Ex-Klub Leverkusen muss trotzdem dringend ein Erfolgserlebnis her, sonst wird es eine ungemütliche Länderspielpause.

Lässt man die K.o.-Spiele im Pokal und der Qualifikation zur Europa League weg, liest sich die bisherige Saisonbilanz des VfB Stuttgart so: Acht Spiele, vier Niederlagen, drei Unentschieden. 7:16 Tore. Im Schnitt 0,875 Punkte pro Partie. Platz 16 in der Bundesliga, in der Europa League Letzter in Gruppe E - und das trotz bester Gelegenheiten für einen weiteren Erfolg nach dem 2:0 in Nürnberg.

"Ich bin brutalst enttäuscht", sagte Labbadia. "Das war zu wenig." Viele Möglichkeiten, etwas zu verändern, hat er nicht. "Wir haben einen sehr kleinen Kader", betonte der 46-Jährige gefühlt zum hundertsten Mal in dieser Saison. Mit fünf verletzten Spielern wie momentan wird der Spielraum deshalb ganz eng. Tunay Torun soll morgen zumindest wieder auf die Bank, dafür ist Gotoku Sakai angeschlagen.

Wenn die vermeintlich frischen Kräfte wie Zdravko Kuzmanovic dann ohne Biss agieren, reicht es eben nicht. Nicht gegen den Meister aus Norwegen, ganz sicher nicht gegen Mannschaften aus der Bundesliga.

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