Fußball-Bundesliga VfB Stuttgart: Sorgen hinten und vorne

Hält sich bei den Amateuren seines Ex-Klubs 1. FC Köln fit: Anthony Modeste, in Cannes geborener Franzose mit karibischen Vorfahren aus Martinique.
Hält sich bei den Amateuren seines Ex-Klubs 1. FC Köln fit: Anthony Modeste, in Cannes geborener Franzose mit karibischen Vorfahren aus Martinique. © Foto: Herbert Bucco/Imago
Stuttgart/Ulm / Wolfgang Scheerer 10.11.2018

Keine Frage, Nicolas Gonzalez gilt als großes Stürmertalent. Für den 20- jährigen Argentinier hat der VfB im Sommer rund 8,5 Millionen Euro nach Buenos Aires überwiesen. Statt im Estadio  Diego Armando Maradona spielt er jetzt in der Arena auf dem Stuttgarter Wasen. Und hat gewisse Anpassungsschwierigkeiten. Erste Bilanz nach zehn Pflichtspielen: null Tore.

Der 13 Jahre ältere Mario Gomez hat drei der sechs Saisontreffer des VfB erzielt. Auch das ist zu wenig. Anastasios Donis ist verletzt. 24 Gegentore zeigen allerdings auch, dass nicht nur die Offensive ein Problem hat. Ähnlich niederschmetternd: Die Abwehr, die noch in den Wochen vor der WM Prunkstück des VfB war, versinkt im Chaos. Obwohl Weltmeister Benjamin Pavard, Ex-Nationalspieler Holger Bad­stuber, Timo Baumgartl, der Kapitän der deutschen U 21, und der für neun Millionen Euro neu verpflichtete Spanier Pablo Maffeo über genügend Erfahrung verfügen.

Vertrag in China aufgelöst

Kassiert die Mannschaft mit dem Brustring heute (15.30 Uhr/Sky) bei Aufsteiger 1. FC Nürnberg die fünfte Niederlage nacheinander – es wäre die vierte Pleite unter Trainer Markus Weinzierl –, dann droht der Kontakt zu den Nichtabstiegsplätzen abzureißen. Die Stuttgarter liegen jetzt schon fünf Zähler hinter dem Club, der mit zehn Zählern auf dem viertletzten Platz rangiert.

„Ich habe die Erfahrung, dass oft ein Sieg sehr, sehr heilsam sein kann“, sagt Weinzierl. Aber für einen Sieg braucht es Tore, und der VfB hat unter seiner Regie ein 0:4 gegen Dortmund, ein 0:4 in Hoffenheim und ein 0:3 gegen Frankfurt kassiert. Der stark unter Druck geratene Sportvorstand Michael Reschke hat diese Woche bereits über mögliche Verstärkungen zur Winterpause gesprochen. Ins Spiel kommt jetzt ein bekannter Name: Anthony Modeste. Der 30-jährige Ex-Kölner, der sich nach gescheitertem China-Abenteuer bei den Geißbock-Amateuren fit hält,  war erst im Sommer 2017 für über 30 Millionen Euro Ablöse zu Tianjin Quanjian FC gewechselt. Dort hat er seinen Vertrag wegen ausstehender Gehaltszahlungen im Herbst aufgelöst und war nach Deutschland zurückgekommen.

Seitdem ist Modeste auf Vereinssuche. An nicht näher definierten „rechtlichen Gründen“ war der Wechsel zum türkischen Topklub Galatasaray Istanbul gescheitert. Ein Comeback in der Fußball-Bundesliga, „das wäre perfekt“, hat Anthony Modeste vor kurzem PR-wirksam wissen lassen. Der krisengeplagte VfB könnte einen Knipser wie ihn brauchen. Keine Frage.

Alte Liebe rostet doch

Als Kind war Michael Köllner, 48, ein paar Jahre lang VfB-Fan. Inzwischen nimmt er darauf natürlich keine Rücksicht mehr. Das alles zählt beim direkten Duell der Franken heute gegen den Tabellenletzten nicht, da kann es der alten Liebe noch so schlecht gehen. „Zeiten ändern sich. Die machen ihr Ding weiter, ich mache meine Dinge weiter“, erzählte der Coach vor dem 11. Spieltag schmunzelnd. „Jetzt liebe ich meine Mannschaft.“ Ziel: Der Club will seinen Aufwärtstrend mit zuletzt zwei respektablen Unentschieden in der Fußball-Bundesliga gegen Eintracht Frankfurt (1:1) und in Augsburg (2:2) fortsetzen und den Abstand zur Abstiegszone vergrößern.

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