Start Bundesliga VfB Stuttgart: Sehnsucht nach einer Saison ohne Sorgen

Stuttgart / Wolfgang Scheerer 23.08.2018
Im Jubiläumsjahr soll die Mannschaft mit dem roten Brustring erst gar nicht in Bedrängnis geraten. Voraussetzung dafür ist ein starker Auftakt.

Der VfB Stuttgart hat allen Grund zum Feiern. Der 9. September 1893 gilt als offizielles Datum der Klubgründung in Cannstatt. Deshalb gibt‘s jetzt unter anderem ein Sammelalbum mit 218 Klebebildchen aktueller und ehemaliger Stars – exklusiv zugeschnitten auf den Verein für Bewegungsspiele, dessen Wohl und Wehe so viele Fans weit über die Region hinaus bewegt. Und die Mannschaft mit dem roten Brustring will selbst etwas bewegen.

Gerade nach der überwältigenden Rückrunde der vergangenen Saison mit dem Vorstoß aus der Abstiegszone von Platz 14 bis auf Rang sieben heißt das Hauptziel: Erfolg. Das setzt voraus, dass es nicht wieder eine Saison mit Trainerwechsel und anderen inzwischen in Stuttgart gewohnten unschönen Begleiterscheinungen werden darf. Der Optimismus ist groß. VfB-Sportvorstand Michael Reschke hatte sich schon Mitte Juli klar festgelegt: „Wir werden nicht absteigen. Wir werden auch nicht groß in den Abstiegskampf geraten.“

Als Grundstein zum Erfolg braucht es zunächst einmal einen Saisonauftakt gegen den Trend. Zu oft in den letzten Jahren hat sich das Team durch einen Fehlstart selbst in Bedrängnis gebracht. Die Stuttgarter trudelten tiefer und tiefer – bis zum bitteren Abstieg 2016. Immer wieder musste ein Chefcoach gehen, zuletzt Ende Januar „Aufstiegsheld“ Hannes Wolf.

Pokal-Aus als Dämpfer

Dieses Mal soll die Mannschaft, die sich vorläufig noch mit dem französischen Weltmeister Benjamin Pavard schmücken kann, erst gar nicht in Schwierigkeiten geraten. Große Frage: Kommt sie mit der hoch geschossenen Euphorie im Umfeld, mit internen und externen Erwartungen klar? Nach perfekter, verletzungsfreier Vorbereitung mit frühzeitigen Neuverpflichtungen und einer Siegesserie in den Testspielen ging ausgerechnet die Bundesliga-Generalprobe in die Hose: Der VfB ließ mit dem unerwarteten Aus im DFB-Pokal (0:2 beim Drittligisten Rostock) die große Chance liegen, in einem attraktiven Wettbewerb möglichst weit zu kommen.

Als Tabellensiebter der abgelaufenen Spielzeit war Tayfun Korkuts Team bester Aufsteiger, verpasste nur hauchdünn die Qualifikation für die Europa League. Neben Ärger und Enttäuschung war in Rostock am Samstag auch sehr viel Trotz  zu spüren: Verantwortliche und Spieler bemühten sich, den Eindruck von Verunsicherung erst gar nicht aufkommen zu lassen. Korkuts Kommentar: „Wir werden den Kopf nicht in den Sand stecken. Wir müssen nach vorne blicken, das Ergebnis haut uns nicht um.“ Dass der erste Rückschlag seit dem Amtsantritt Ende Januar für den 44-Jährigen zur Unzeit kommt, ist aber nicht wegzudiskutieren. Um es einmal mit zwei Fußball-Plattitüden zu verdeutlichen: Die Karten sind neu gemischt, und von vergangenen Siegen können Korkut und Co. sich nichts kaufen. In der Liga geht es gleich Schlag auf Schlag: Der VfB startet am Sonntag (15.30 Uhr/Sky) bei Mainz 05, dann kommt der FC Bayern in die Stuttgarter Arena, schließlich geht es zum baden-württembergischen Derby nach Freiburg.

Kein Grund zur Panik

Es besteht kein Grund zur Panik, aber eben zu Vorsicht und Wachsamkeit. Vielversprechende Neuzugänge wie Rückkehrer Daniel Didavi im Kreativzentrum, der erfahrene Ex-Dortmunder Gonzalo Castro im defensiven Mittelfeld und der Argentinier Nicolas Gonzalez im Sturm neben Ex-Nationalspieler Mario Gomez sollen für einen erfrischenden Mix sorgen.

In Rostock standen sie in der Startelf, dazu Pablo Maffeo als rechter Verteidiger. Der 21-Jährige, der mit Vertrag bis 2023 aus der Pep-Guardiola-Schule von Manchester City geholt wurde, kam für Andreas Beck zum Zug. Dennis Aogo, Mittelfeld-Abräumer neben Castro, weiß: „Es ist immer gefährlich, wenn alle große Erwartungen schüren. Ich hoffe, wir ziehen die richtigen Lehren und zeigen am Wochenende ein anderes Gesicht.“

Vertrag vorzeitig verlängert

Sportvorstand Reschke bat nach dem überraschenden Pokal-Aus um Geduld: „Wir waren uns immer im Klaren, dass die Mannschaft Zeit braucht, den Rhythmus aufzunehmen.“ Erfolg ist immer eine Momentaufnahme. Ihn zu bestätigen, erfordert oft noch größere Anstrengung. Der VfB hat den Trainervertrag mit Korkut im Sommer vorzeitig um ein Jahr bis 2020 verlängert.

In Hannover war er 2014 vergleichbar belohnt worden, musste aber nach 13 sieglosen Rückrundenspielen gehen.  Ein neuer Vertrag stärkt den Cheftrainer, bedeutet jedoch auch: Es wird mindestens ein ähnliches Abschneiden erwartet, eigentlich mehr.  Von „Europacup-Fantasien“ wollen freilich weder Reschke noch Präsident Wolfgang Dietrich etwas hören. Umgekehrt dürfte klar sein: Gerät der VfB erneut über eine längere Phase in Abstiegsnot, könnte es auch für Korkut eng werden. So weit soll es erst gar nicht kommen. Das Pokal-Aus war vielleicht der entscheidende Warnschuss.

Das Personal

Zugänge: Pablo Maffeo (Manchester City/9,0 Millionen Euro), Nicolás Gonzalez (Asociación Atlética Argentinos Juniors/8,5) Borna Sosa (Dinamo Zagreb/6,0), Gonzalo Castro (Borussia Dortmund/5,0), Roberto Massimo (Arminia Bielefeld/2,5/nach Bielefeld verliehen), Daniel Didavi (VfL Wolfsburg/4,0), Marc Oliver Kempf (SC Freiburg/ablösefrei), David Kopacz (Borussia Dortmund/ablösefrei).

Abgänge: Daniel Ginczek (VfL Wolfsburg/10,0), Jérôme Onguéné (RB Salzburg/2,0), Jean Zimmer (Fortuna Düsseldorf/ 900 000/war verliehen), Julian Green (Greuther Fürth/200 000/war verliehen), Carlos Mané (Sporting Lissabon/war ausgeliehen), Takuma Asano (FC Arsenal/war ausgeliehen), Jacob Bruun Larsen (Borussia Dortmund/war ausgeliehen), Dzenis Burnic (Borussia Dortmund/war ausgeliehen), Matthias Zimmermann (Fortuna Düsseldorf), Orel Mangala (Hamburger SV/verliehen).

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