Fußball-Bundesliga VfB Stuttgart: Markus Weinzierl wagt sich auf den Schleudersitz

Gibt von heute an beim VfB als Cheftrainer das Kommando: Markus Weinzierl erhält einen Vertrag bis 2020.
Gibt von heute an beim VfB als Cheftrainer das Kommando: Markus Weinzierl erhält einen Vertrag bis 2020. © Foto: Bernd Thissen/dpa
Stuttgart/Ulm / Wolfgang Scheerer 10.10.2018

Ganz oben in der Rubrik „Neues“ auf der Internetseite des VfB war am Dienstagmittag noch das Interview mit dem wackeren Zwei-Tage-Interimscoach Andreas Hinkel („Für mich ist es selbstverständlich, dass ich in dieser Situation helfe“) gelistet. Da war bereits klar: Für den Ex-Nationalverteidiger bleibt in der Trainer-Historie des Fußball-Bundesligisten nicht mal eine Fußnote.

Denn plötzlich ging alles doch ganz schnell, und Markus Weinzierl stand schon als Nachfolger Tayfun Korkuts festmit Vertrag bis Sommer 2020. Der Retter der vergangenen Saison war nach dem blamablen 1:3 in Hannover und dem Abrutschen auf den letzten Tabellenplatz am Sonntag entlassen worden. Auch Korkuts Vertrag, im Sommer vorzeitig verlängert, hat eine Laufzeit bis 2020. Die Wiederbesetzung des Schleudersitzes ist also nicht ganz billig für den Verein. Schätzungsweise 3,5 Millionen Euro an Abfindungen werden für den geschassten Chefcoach und seine Assistenten Ilija Aracic und Steven Cherundolo fällig.

Aktiv beim Stadtrivalen

Weinzierl, 43, war bereits vor Korkuts Verpflichtung Ende Januar ein Wunschkandidat in Stuttgart, hatte aber abgesagt. Grund: Der VfB wollte schneller eine Einigung erzielen, als es der gebürtige Straubinger konnte, der damals zwar beurlaubt war, aber noch bei Schalke unter Vertrag stand. Die Hoffnung platzte – und Korkut kam. Inzwischen ist Weinzierls Vertrag mit Schalke aufgelöst. Zuletzt war er seit 15 Monaten ohne Job. Gerade deshalb ist Sportvorstand Michael Reschke überzeugt: „Mit Markus Weinzierl haben wir einen absolut erfolgshungrigen Trainer verpflichtet, der die Bundesliga genau kennt und weiß, auf was es in unserer Situation ankommt. Unsere Gespräche waren vom ersten Moment an sehr vertraut und zielführend. Wir sind davon überzeugt, den richtigen Trainer verpflichtet zu haben. Er wird unsere Mannschaft entscheidend weiterentwickeln.“

Am Mittwoch um 11 Uhr wird der ehemalige Profi, der Stuttgart gut kennt, offiziell vorgestellt und leitet dann das erste Training (siehe auch Info-Box). Zwischen 1999 und 2001 spielte Weinzierl ausgerechnet beim Stadtrivalen Stuttgarter Kickers, der damals aber schon wieder in die zweite Liga abgestiegen war. In der Abwehr absolvierte er 40 Einsätze.

VfB-Präsident Wolfgang Dietrich zeigte sich gestern erleichert: „Wir haben in einer alles andere als einfachen Situation mit der nötigen Sorgfalt gehandelt und zugleich zeitnah die Weichen für einen sportlichen Neustart gestellt. Es freut uns, dass wir mit Markus Weinzierl einen erfahrenen und zugleich ambitionierten Cheftrainer verpflichten konnten und begrüßen ihn herzlich.“

Weinzierl lässt sich von seinem neuen Klub mit den Worten zitieren: „Ich freue mich sehr auf die Aufgabe. Der VfB ist ein großer Verein, der sich momentan in einer sportlich schwierigen Lage befindet. Dennoch bin ich vom Potenzial des Teams und des Klubs überzeugt.“ Seine mehr als einjährige Auszeit sieht er nicht als Hypothek – im Gegenteil: „Ich habe die Bundesliga in den vergangenen Monaten intensiv beobachtet und brenne darauf, die Arbeit mit meiner neuen Mannschaft zu beginnen.“

Im Heimspiel gegen Tabellenführer Borussia Dortmund am Samstag in einer Woche wird er zum ersten Mal auf der VfB-Bank sitzen. Als Trainerneuling hatte Weinzierl 2012 bei Jahn Regensburg nachhaltig auf sich aufmerksam gemacht. Über die Relegation führte er die Mannschaft in die zweite Liga – und das mit einem Mini-Budget. Nur wenige Tage später gab der FC Augsburg seine Verpflichtung bekannt. Gleich in der ersten von vier Spielzeiten schaffte es Weinzierls Mannschaft auf Rang acht, sein bisher bestes Bundesliga-Ergebnis. Seinem Wechsel 2016 zu Schalke gingen dann einige Querelen voran.

Auch bei den Königsblauen war der schnelle Abschied nach nur einer Saison (Platz zehn) von Misstönen begleitet. Das alles ist für ihn abgehakt. Kurz vor Saisonstart sagte Markus Weinzierl auf die Frage nach seiner Zukunft: „Ich steige wieder ein, wenn ich der Überzeugung bin, dass es das Richtige ist.“ Das scheint nun beim VfB Stuttgart der Fall.

Vorbereitung mit kleinerem Kader

Auf sieben Profis muss der neue VfB-Trainer heute bei seinem Einstieg vorläufig verzichten: Sie sind für die anstehenden Länderspiele nominiert. Für Frankreichs WM-Verteidiger Benjamin Pavard steht bereits morgen (21 Uhr) ein Testspiel gegen Island an. Und am dritten Spieltag der Uefa-Nations-League trifft der Weltmeister dann am Dienstag (20.45 Uhr/ARD) im Stade de France auf Deutschland. Santiago Ascacibar ist für Argentiniens Team im Einsatz, Berkay Özcan für die Türkei, Chadrac Akolo für die Demokratische Republik Kongo, Timo Baumgartl für die deutsche U 21, Borna Sosa für Kroatien (U 21) und David Kopacz für Polens U 20.

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