Es ist die vielleicht letzte Option, die der Präsident noch gehabt hat, ehe es irgendwann an ihm persönlich gewesen wäre, die Konsequenzen zu ziehen: Der schwer in die Kritik geratene Sportvorstand Michael Reschke, 61, ist beim Bundesliga-Sechzehnten VfB Stutt­gart am Dienstag entlassen und Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger, 36, ins Manager- Amt gehoben worden.

„Leider hat Michael Reschkes Arbeit zuletzt nicht den gewünschten sportlichen Erfolg gebracht und der Klassenerhalt in der Bundesliga ist nach den jüngsten Ergebnissen in erheblicher Gefahr. Der Aufsichtsrat war nicht mehr überzeugt davon, dass in der bestehenden Konstellation die notwendigen Kurskorrekturen vorgenommen werden können“, ließ sich Wolfgang Dietrich, 70, zunächst in einer Vereinsmitteilung zitieren. Seit rund zweieinhalb Jahren steht er selbst an der Spitze des Vereins.

Reschke gibt sich einsichtig

Reschkes letzter Auftritt war am Montag am Rande des Trainings gewesen, als er bekräftigte, dass Chefcoach Markus Weinzierl trotz des 0:3-Debakels bei Aufsteiger Fortuna Düsseldorf  auch am Samstag beim Heimspiel gegen RB Leipzig auf der Stuttgarter Bank sitzen wird. An diesem Stand hat sich auch bei einer am späten Nachmittag eilig einberufenen Pressekonferenz mit Dietrich und Hitzlsperger nichts mehr geändert. Reschke gab sich zumindest laut VfB-Mitteilung einsichtig: „Ich glaube weiterhin an das Potenzial der Mannschaft. Fakt ist aber auch, dass die Summe meiner Entscheidungen aktuell nicht zum gewünschten und erwarteten Ergebnis geführt hat.“

Klassenerhalt ist das Ziel

Knapp 50 Millionen Euro investierte der VfB vorrangig auf Initiative des Sportvorstandes vor dieser Saison, doch junge Spieler wie Pablo Maffeo (zehn Millionen), Borna Sosa oder Nicolas Gonzalez (jeweils acht Millionen) erwiesen sich weitgehend als Enttäuschung. Auch der Plan, den Kader mit erfahrenen Kräften wie Gonzalo Castro oder Dennis Aogo zu stabilisieren, schlug fehl. Routiniers wie Holger Badstuber, Mario Gomez oder Andreas Beck lassen es an Führungsqualität mangeln. Weltmeister Benjamin Pavard steht oft neben sich. In der Winterpause musste erneut nachgelegt werden: Die Außenbahnspieler Steven Zuber und Alexander Esswein kamen. Weinzierl konnte den Hebel nicht umlegen.

„Jetzt geht es darum, dem Trainer die bestmögliche Unterstützung zu geben“, sagte Dietrich. Und auch Hitzlsperger betonte: „Ich werde ganz eng bei Markus Weinzierl sein. Für uns kann es nur ein Ziel geben: Klassenerhalt.“ Grundsätzlich habe er großen Respekt vor der neuen, schweren Aufgabe. „Aber ich habe auch sehr viel Energie, die ich einbringen will, und mit der ich hoffentlich mitreißen kann.“

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Hoffnung auf ein starkes Team


Die erste Reaktion von Thomas Hitzlsperger: „Ich bedanke mich bei unserem Präsidenten und dem Aufsichtsrat für das in mich gesetzte Vertrauen und freue mich sehr auf diese großartige Aufgabe. Nach der Beendigung meiner aktiven Karriere habe ich in den vergangenen zweieinhalb Jahren beim VfB Stuttgart in sportlicher Verantwortung viele wichtige Erfahrungen gesammelt und wertvolle Kontakte geknüpft und vertieft. In meiner neuen Funktion als Sportvorstand werde ich nun alles daransetzen, beim VfB die Kräfte für den Bundesliga-Klassenerhalt zu bündeln und gleichzeitig in einem starken Team die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft zu stellen.“