So eine Länderspielpause, wie sie jetzt nach dem siebten Spieltag in der Fußball-Bundesliga wieder ansteht, kann tückisch sein. Eine Mannschaft, die einen guten Lauf hat, gerät möglicherweise aus dem Tritt, verliert den Rhythmus. Und Trainern, bei denen es nicht läuft, ist bewusst: Der eine oder andere Kollege musste genau während der Liga-Unterbrechung gehen, weil den Klubs dann mehr Zeit bleibt für den Neustart.

Martin Kind, der mächtige Boss von Hannover 96, hat der sportlichen Führung, Trainer André Breitenreiter und Manager Horst Heldt, zunächst einmal vor dem Heimspiel gegen den VfB Stuttgart demonstrativ den Rücken gestärkt: „Ich habe volles Vertrauen. Sie haben bisher alle Ziele erreicht. Wir haben die Verträge mit Breitenreiter und Heldt vorzeitig verlängert, weil wir von ihrer Arbeit überzeugt sind.“

Suche nach Stabilität

Was aber, wenn heute gegen den VfB mit Hannovers Ex-Trainer Tayfun Korkut auf der Bank, nicht endlich der erste Saisonsieg gelingt? Die 96er stehen mit nur zwei Zählern ganz unten in der Tabelle. Der VfB, mit fünf Punkten Drittletzter, hat diesen ersehnten ersten Erfolg zwar am letzten Wochenende mit 2:1 gegen Werder Bremen geschafft, begleitet allerdings von einigem Hohn und Spott nach dem Einwurf-Eigentor, das sich Torwart Ron-Robert Zieler in Co-Produktion mit Neuzugang Borna Sosa leistete. Es läuft noch nicht rund beim VfB, der nach Korkuts Einstieg Ende Januar zum Höhenflug angesetzt hatte und fast in die Europa League vorgestoßen wäre.

Danach wurde auch Korkuts Vertrag vorzeitig um ein Jahr bis 2020 verlängert. Damals bei seiner Bundesliga-Premiere in Hannover war er nach geschafftem Klassenerhalt 2014 vergleichbar belohnt worden, musste dann aber nach 13 sieglosen Rückrundenspielen gehen. Ein neuer Vertrag stärkt den Trainer, bedeutet jedoch auch: Es wird mindestens ein ähnliches Abschneiden erwartet, eigentlich mehr. Von „Europapokal-Fantasien“ wollten vor Rundenbeginn zwar weder Präsident Wolfgang Dietrich noch Sportvorstand Michael Reschke etwas hören. Umgekehrt dürfte aber auch klar sein: Bleibt der VfB, der schon im DFB-Pokal in Runde eins kläglich scheiterte, über eine längere Phase in Abstiegsgefahr, wird es für Korkut bald eng. Immerhin haben die Stuttgarter im Sommer im Ligavergleich die fünfthöchste Summe für Neuzugänge ausgegeben, rund 33 Millionen Euro. Doch Korkut sucht weiter nach Stabilität. Wegen der Muskelverletzungen von Anastasios Donis und Dennis Aogo wird er nun erneut seine Startelf ändern müssen.

Eine richtungsweisende und zugleich emotionsgeladene Partie steht bevor – nicht nur für den 44-jährigen Chefcoach. Auch  sein Co-Trainer Steven Cherundolo und Ron-Robert Zieler kehren an ihre einstige Arbeitsstätte zurück. Während Hannover für Tayfun Korkut von 2014 bis 2015 die erste Trainerstation in der Bundesliga war, ist Cherundolo Ex-Kapitän, Rekordspieler und „Klub-Ikone“ der Niedersachsen. „Für ihn wird es eher ein besonderes Spiel als für mich. Er hat in 15 Jahren mehr als 300 Bundesliga-Spiele für 96 gemacht“, so der Chef- über seinen Co-Trainer. Korkut selbst sagt: „Ich habe schon etwas Abstand, obwohl ich mich gerne an meine erste große Station in der Bundesliga zurückerinnere“. Nun gilt alle Kraft und Konzentration dem VfB. Und das bedeutet: „Wir müssen uns Schritt für Schritt nach oben arbeiten.“ Der erste Auswärtssieg passgenau vor der Länderspielpause wäre zweifellos einer.

Ein Lob vom ehemaligen Chef


Martin Kind, Präsident von Hannover 96, schätzt Tayfun Korkut noch heute: „Er ist eine ausgeprägte Persönlichkeit und als Trainer hoch engagiert, sagt der 74-Jährige vor dem heutigen Duell (15.30 Uhr/Sky). „Er arbeitet sehr strukturiert, weiß, was er will, ist sehr zuverlässig und sehr loyal.“