Fußball Bundesliga VfB Stuttgart: Erfrischender Mix mit Zukunft

Stuttgart / Von Wolfgang Scheerer 11.07.2018
Spielerisch gewinnt Tayfun Korkuts Team an Qualität dazu. Der argentinische Stürmer Gonzalez kommt, Abwehrchef Badstuber bleibt.

Ernst war die Lage über Jahre, jede Saison eine Serie von Zitterspielen. Mit Tayfun Korkut macht der VfB wieder Spaß. Was ist diese Saison drin? In knapp sieben Wochen geht’s los. Ein erster Team-Check zeigt: Neues Prunkstück könnte das Mittelfeld werden.

Umgestaltung des VfB

Der Höhenflug unter Korkuts Trainerregie führte bis zu Platz sieben. Akribisch arbeiten der 44-jährige Trainer und Sportvorstand Michael Reschke weiter am neuen Gesicht des Teams.

Siebter Neuzugang ist Stürmer Nicolas Gonzalez. Der 20-jährige Argentinier vom einstigen Maradona-Klub Argentinos Juniors soll 8,5 Millionen Euro Ablöse kosten. Er ersetzt Daniel Ginczek (zum VfL Wolfsburg).

Reschke und Korkut legen bei den Verpflichtungen großen Wert auf einen Mix aus erfahrenen Spielern wie Gonzalo Castro (31 Jahre/Borussia Dortmund) oder Rückkehrer Daniel Didavi (28/VfL Wolfsburg) und jungen Kräften wie Pablo Maffeo (20/Manchester City), Borna Sosa (20/Dinamo Zagreb), Marc Oliver Kempf (23/SC Freiburg), Castros BVB-Teamkollege David Kopacz (19) und eben Gonzalez. Nur: Eigene Talente fehlen.

Tor

Ron-Robert Zieler, 29, gibt dem Team Sicherheit. Den WM-Traum hat er sich nicht erfüllt, beim VfB aber ist er die absolut zuverlässige Nummer eins. Es ist mit sein Verdienst, dass die Stuttgarter die zweitwenigsten Tore (36) kassiert haben.  Nur die Bayern (28) hielten hinten besser dicht.

Abwehrreihe

Auch auf die Defensive war Verlass. Doch es gibt noch offene Fragen. In der Innenverteidigung haben sich Ex-Nationalspieler Holger Badstuber (29) und Frankreichs neuer Jungstar Benjamin Pavard (22) perfekt ergänzt.

Gute Nachricht gestern: Badstuber, der eigentlich international spielen wollte, hat nun doch den Vertrag bis 2021 verlängert (siehe auch Info-Box). Wechselt Pavard also sofort zum FC Bayern, nicht erst 2019? „Wir werden um ihn kämpfen“, verspricht Reschke.

Die Außenverteidiger Timo Baumgartl, Emiliano Insua, Marcin Kaminski und Andreas Beck bleiben. Für weitere Flexibilität sollen die Neuzugänge Maffeo, Sosa und Kempf sorgen.

Mittelfeld

Hier gibt es klare Verbesserungen. Daniel Didavi wird als Taktgeber das Spiel gestalten, Gonzalo Castro mit all seiner Erfahrung zentral absichern. Kapitän Christian Gentner (32) bleiben dadurch mehr Freiheiten, auch offensiv zusammen mit Erik Thommy. Spielerisch hat das Team an Qualität gewonnen.

Sturm

Mario Gomez kam im Winter aus Wolfsburg zurück und hat den Angriff belebt. Dennoch sind die 36 Saisontore des VfB die schlechteste Bilanz der Klubs in der oberen Tabellenhälfte. Gomez (33) wird nicht jünger. Umso wichtiger, dass Gonzalez (Vertrag bis 2023) gleich Fuß fasst. Dass er  auf die Landsleute Insua und Santiago Ascacibar trifft, macht’s leichter.

Ansprüche an Korkut

„Wir haben eine spannende Mannschaft“, sagte Korkut. „Wir sind sehr zuversichtlich, dass es eine gute Mischung ist.“ Erfolg ist allerdings immer eine Momentaufnahme. Ihn zu bestätigen, erfordert oft noch größere Anstrengung.

Der VfB hat den Trainervertrag vorzeitig um ein Jahr bis 2020 verlängert. In Hannover war Korkut 2014 vergleichbar belohnt worden, musste aber nach 13 sieglosen Rückrundenspielen gehen.  Ein neuer Vertrag stärkt den Trainer, bedeutet jedoch auch: Es wird mindestens ein ähnliches Abschneiden erwartet, eigentlich mehr.  Von „Europacup-Fantasien“ wollen weder Reschke noch Präsident Wolfgang Dietrich etwas hören.

Umgekehrt dürfte klar sein: Geraten die „Roten“, die wiederholt ein Problem hatten, in die Saison finden, erneut in Abstiegsnot, könnte es auch für Korkut eng werden. So weit soll es erst gar nicht kommen.

„Keine Rolle rückwärts“

Holger Badstuber bleibt nun also doch: „Das ist keine Rolle rückwärts. Die Frage war, ob ich künftig für einen Verein in der Champions League auflaufen möchte, zu dem ich praktisch keinen Bezug habe, oder ich hier etwas mit aufbaue. Ich bin vom Weg des VfB genauso überzeugt wie von den Transfers.“

Tor

Zuverlässige Nummer eins: Ron-Robert Zieler war der große Rückhalt der vergangenen Saison.

Defensive

Zentrale Schnitt-
stelle
zwischen
der Abwehrreihe
und Mittelfeld:
Neuzugang Gonzalo Castro, Routinier von Borussia Dortmund.

Mittelfeld

Gereifter Taktgeber:
Rückkehrer Daniel Didavi
soll als Spielgestalter die
entscheidenden Akzente setzen.

Sturm

Torjäger: Mario Gomez, der seit seiner Rückkehr in der Winter sechs Treffer beisteuerte, feierte gestern seinen 33. Geburtstag.

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