Herr Klein, die neue Saison beginnt, wie sehr spukt Ihnen die alte noch im Kopf herum?

FLORIAN KLEIN: Zum Glück fast gar nicht mehr. Wir waren natürlich unglaublich erleichtert, als der Klassenerhalt am letzten Spieltag geschafft war. Danach ist die ganze Spannung nicht auf einmal abgefallen. Man denkt immer wieder darüber nach, was da passiert ist.

Welche Lehren ziehen Sie daraus?

KLEIN: Für den Saisonstart schon mal eine ganz wichtige: Jeder hat gemerkt, wie schwierig es wird, wenn man in der Tabelle gleich hinten drinhängt. Das wollen wir jetzt unbedingt vermeiden. Wenn wir einen halbwegs guten Start haben, lässt sich deutlich leichter arbeiten. Dann ist gleich mehr Ruhe drin - und der Druck nicht so groß wie in der vergangenen Runde, als es fast nur gegen den Abstieg ging.

Haben Sie Bammel vor der Saison?

KLEIN: Nein, sicher keinen. Letztes Jahr waren die ersten fünf Spiele schwierig. Und diese Vorstellung war vielleicht schon vorher in den Köpfen. Das ist jetzt anders. Wir sind von dem überzeugt, was wir machen, und hoffen, dass wir das so umsetzen können, wie wir es in der Vorbereitung schon das eine oder andere Mal gezeigt haben.

Neuer Trainer, neue Spielweise. . .

KLEIN: Wir spielen jetzt eine andere Art Fußball, wollen viel weiter vorne attackieren, Pressing spielen und dann schnell umschalten. Daran haben wir hart gearbeitet. Und es ist wirklich eine große Umstellung. Da ist nach vier, fünf Wochen sicher noch nicht alles perfekt. Das System zu verfeinern, geht nicht von heute auf morgen. Aber man hat beispielsweise beim 4:2 gegen Manchester City gesehen, was möglich ist, auch wenn wir so ein Testspiel nicht überbewerten.

Ist die Mannschaft im Falle von Ausfällen auch in der Breite zu diesem Tempofußball in der Lage?

KLEIN: Jeder Spieler in unserem Kader ist enorm wichtig. Das betont auch der Trainer sehr häufig. Beim Pokalspiel in Kiel war zum Beispiel Martin Harnik krank - und schon muss ein anderer ran. Ich bin überzeugt, dass über die gesamte Saison alle Spieler in unserem Kader auf ihre Einsätze kommen.

Wie erleben Sie den neuen Trainer Alexander Zorniger im Training und bei den Besprechungen?

KLEIN: Er hat von Beginn an deutlich vorgegeben, welchen Weg wir gehen werden. Es war wichtig, die Richtung zu wissen, in die jeder mitziehen muss. Das ist für eine Mannschaft entscheidend. Man merkt in jedem Moment, wie engagiert Alexander Zorniger ist. Voller Energie. Das Verhältnis zwischen Trainer und Mannschaft ist richtig gut.

Sie bei Red Bull Salzburg und Alex Zorniger bei RB Leipzig haben quasi zu einer Familie gehört. Haben sich Ihre Wege schon vorher gekreuzt?

KLEIN: Ich wusste, wenn er ein Spiel von uns in Salzburg angeschaut hat und war auch schon in Leipzig zum Zuschauen. Wir kannten einander, aber zu einem persönlichen Treffen ist es nie gekommen.

Wie sieht Ihr ganz persönliches Saisonziel aus?

KLEIN: Es liegt für mich auf der Hand: Wir dürfen nichts mehr mit dem Abstiegskampf zu tun haben. Das war die letzten Jahre leider anders. Davon möchten wir weg. Was dann möglich ist, wird man sehen. Unser primäres Ziel ist es, bei jedem Spiel unser System durchzuziehen, mit positiver Mentalität. Dann werden wir auf jeden Fall Punkte holen.

Wie letzte Saison, als am Ende eine 0:2-Niederlage stand, geht es für den VfB im ersten Heimspiel gleich gegen den 1. FC Köln - mit einem gefährlichen österreichischen Trainer. . .

KLEIN: Grundsätzlich ist das erste Spiel etwas Besonderes. Man weiß dann, wo man wirklich steht. Wir sind froh über den Start mit einem Heimspiel. Letzte Runde ging's ja mit dem späten 1:1-Ausgleich der Borussen in Gladbach los. Diesmal wollen wir unsere Fans gleich richtig mitreißen. Wir wissen allerdings auch, dass Peter Stögers Mannschaft gut verstärkt wurde und taktisch sehr diszipliniert ist.

Abgesehen von den zwei Konstanten, Florian Klein rechts und Timo Baumgartl in der Innenverteidigung, gibt es gerade in der VfB-Abwehr lauter neue Gesichter: Torwart Przemyslaw Tyton, Linksverteidiger Emiliano Insua und Adam Hlousek in ungewohnter zentraler Rolle. Wie gut kommen Sie hinten klar?

KLEIN: Wenn eine Mannschaft eine neue Philosophie einstudiert, dann ist da ja für jeden einiges neu. Adam Hlousek hat sich von Anfang an super durchgebissen und die Chance genutzt. Grundsätzlich finden wir uns alle tadellos zurecht und arbeiten im Mannschaftsverbund defensiv wie offensiv gut zusammen.

Zur Person: Florian Klein

Double-Gewinner Mit Red Bull Salzburg war Florian Klein 2014 Meister und Pokalsieger. Dann folgte der Wechsel nach Stuttgart, und der österreichische Nationalspieler war plötzlich im Abstiegskampf gefordert. Der gebürtige Linzer (verheiratet, zwei Kinder), der einen Vertrag bis Juni 2017 unterschrieben hat, war dabei einer der konstantesten VfB-Profis. Der Abwehrmann, der auch über Mittelfeld-Qualitäten verfügt, kam in allen 34 Punktspielen zum Einsatz und erzielte immerhin drei Tore.