SSV Ulm 1846 Fußball DFB Pokal: Ulmer Packen das Glück beim Schopf

Ulm / Von Gerold Knehr 19.08.2018
Nach vielen Leidensjahren gelingt Regionalligist SSV Ulm 1846 Fußball im DFB-Pokal ein Coup: Die Spatzen werfen Titelverteidiger Eintracht Frankfurt aus dem Wettbewerb.

DFB-Pokal – das ist ein bisschen wie Glückspiel: Jeder hofft auf das große Los, den Volltreffer, den Casino-Hauptgewinn. Dass die Chancen auf den großen Preis rein rechnerisch verschwindend gering sind, verdrängen die meisten. Stattdessen sagen sich die passionierten Spieler und Tipper: Man muss dem Glück eine Chance geben.

Genau das taten auch die Spieler des Viertligisten SSV Ulm 1846 Fußball: Sie packten das Glück beim Schopf. Die „Spatzen“ gaben sich nicht damit zufrieden, dass ihnen die Glücksfee Eintracht Frankfurt zugelost hat. Sie attackierten, angespornt vom guten Saisonstart mit vier ungeschlagenen Spielen in der Regionalliga Südwest und dem erstmals seit 18 Jahren wieder ausverkauften Donaustadion, den Bundesligisten mit derart viel Leidenschaft, dass der Favorit tatsächlich fiel. Am Ende von 90 überaus emotionalen Minuten stand ein Ulmer 2:1-Erfolg über den Pokalsieger der vorigen Saison. Die Ulmer hatten die Sensation der ersten DFB-Pokalrunde geschafft – und dürfen sich  nun als Pokalsieger-Besieger feiern lassen.

Mut und Lockerheit

„Riesenkompliment an meine Mannschaft. Wir haben es von der ersten Sekunde an geschafft, das Spiel mit Mut und Lockerheit anzugehen“, freute sich Ulms Trainer Holger Bachthaler. Sein Team startete furios in beide Durchgänge. Bereits nach 30 Sekunden zog Ulms Verteidiger Lennart Stoll ab, Frankfurts Torhüter Frederik Rönnow lenkte den Ball mit allerletzter Mühe an den Pfosten.

Und als die Ulmer im zweiten Durchgang Anstoß hatten, stürmte die halbe Elf nach vorn. Drei Minuten später klappte es: Steffen Kienle staubte zur 1:0-Führung ab. Als sein Stürmer-Kollege Vitalij Lux  einen Konter  in der 75. Minute zum  2:0 abschloss, standen die Ulmer Fans Kopf.

Die individuell deutlich besser besetzten Frankfurter hatten ihre beste Phase kurz vor der Halbzeit, als sie vehement auf die Führung drängten – und Pech. Zweimal verhinderte der Pfosten einen Treffer, und in der 40. Minute stand Luka Jovic bei seinem Tor knapp im Abseits. Den Anschlusstreffer von Neuzugang Goncalo Paciencia in der 90. Minute überstanden die Ulmer in der vierminütigen Nachspielzeit.

Auferstehung der Spatzen

Für die Ulmer kommt der Pokalcoup einer Auferstehung gleich. Am letzten Spieltag der Bundesliga-Saison 1999/2000 stiegen die Spatzen durch eine 1:2-Niederlage bei Eintracht Frankfurt ab. „18 Jahre lang hat uns dieses Spiel weh getan. Jetzt haben wir gewonnen. Das ist für uns wie eine kleine Revanche“, sagte Sportvorstand Anton Gugelfuß. Der 58-Jährige hatte den Verein, der nach seinem Scheitern im Profibereich bis in die fünfte Liga abtauchte, vor vier Jahren gemeinsam mit seinen Mitstreitern Thomas Oelmayer und Roland Häußler übernommen. Seit dieser Zeit geht es kontinuierlich wieder aufwärts. Nach und nach werden profihaftere Strukturen eingeführt. Als fernes Ziel peilen Gugelfuß und seine Mitstreiter den Bau eines neuen Fußball-Stadions im Ulmer Norden an. „Das Spiel gegen die Eintracht ist ein weiterer Beleg dafür, dass wir eine neue sportliche Heimat brauchen“, so der Ulmer Sportvorstand.

Auslosung der zweiten Pokalrunde

Glückspiel kann süchtig machen“, lautet der Warnhinweis, den die Lotto-Anbieter in ihrer Werbung anbringen müssen. Die Ulmer wissen um diese Gefahr. Ihr vordergründiges Ziel bleibt, sich erst einmal in der oberen Regionalliga-Hälfte zu etablieren. Gleichzeitig schauen sie gespannt auf den nächsten Sonntag, wenn um 18 Uhr in der ARD-Sportschau die zweite Pokalrunde ausgelost wird. Vielleicht gibt’s ja einen weiteren Coup.

Eintracht: Unken statt anpeitschen

91 Tage nach dem Triumph im DFB-Pokalfinale gegen den FC Bayern München ist bei den Fans von Eintracht Frankfurt das Entsetzen groß. „O.k., Leute, das wird ´ne Scheiß-Saison. Stellt euch darauf ein“, rief der Kapo, der eigentlich die Eintracht-Anhänger im Frankfurter Fanblock des Donaustadions anpeitschen sollte, beim Stand von 0:2 in sein Mikrophon.

Adi Hütter, der neue Trainer der Eintracht, hat sich seinen Einstand (vor einer Woche 0:5 gegen den FC Bayern im Supercup) ganz anders vorgestellt. „Gegen den FC Bayern kann man verlieren. Aber dass wir hier verlieren, ist enttäuschend“, sagte der Österreicher. Deutlicher wurde Mittelfeldspieler Danny Da Costa: „Es gibt kaum ein Wort, das beschreiben kann, wie schlecht wir uns angestellt haben.“

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