VfB Stuttgart Tayfun Korkuts Heimdebüt auf dünnem Eis

Immer in Aktion: Tayfun Korkut stand und dirigierte bei seinem VfB-Trainerpremiere in Wolfsburg (1:1) quasi während der gesamten Spielzeit an der Seitenlinie.
Immer in Aktion: Tayfun Korkut stand und dirigierte bei seinem VfB-Trainerpremiere in Wolfsburg (1:1) quasi während der gesamten Spielzeit an der Seitenlinie. © Foto: Imago
Stuttgart / Wolfgang Scheerer 09.02.2018

Holger Badstuber, der zuletzt stark angeschlagene VfB-Abwehrchef, ist beim Heimdebüt des neuen Trainers gegen Borussia Mönchengladbach wieder einsatzbereit. Zweimal hatte der 28-jährige Innenverteidiger wegen seiner Adduktorenprobleme aussetzen müssen. Für Tayfun Korkut und seine Herangehensweise an den schwierigen Job ist das angekündigte Comeback eine Top-Nachricht.

Bei seiner Aufstellung für die Partie vergangene Woche in Wolfsburg hatte sich bereits deutlich gezeigt: Der 43-Jährige setzt im Abstiegskampf, so gut es geht, auf die Stuttgarter Routiniers. Kapitän Christian Gentner und Mittelstürmer Mario Gomez, der beim 1:1-Endstand den ersten Treffer im neuen Trikot erzielte, bleiben ohnehin gesetzt. Beide sind inzwischen 32 Jahre alt und extrem erfahren. Als Rechtsverteidiger holte Korkut allerdings Andreas Beck, 30, zurück in die Abwehrkette. Davor überraschte er mit Dennis Aogo, 31, als Mittelfeldabräumer neben dem jungen Santiago Ascacibar, 20, während Gentner auf der linken Flanke offensiver agierte als gewohnt.

Die wenigsten Gegentore

Daran, dass Holger Badstuber am Sonntag (15.30 Uhr/Sky) wieder auf dem Platz steht, gibt es eigentlich überhaupt keinen Zweifel, auch wenn Korkut den Einsatz gestern nicht bestätigen wollte: „Holger hat seit Anfang der Woche alle Einheiten mitgemacht. Über seine Qualität müssen wir nicht sprechen. Aber ich möchte mir noch nicht in die Karten schauen lassen“, sagte der Chefcoach. Er redet lieber über Grundsätzliches: „Wenn wir Punkte holen und Tore schießen wollen, müssen wir aktiv sein und uns auf unser Spiel konzentrieren. Spiele zu gewinnen, das ist das absolute Ziel.“

  Ein absolutes Muss ist es beim Blick auf den vierzehnten Tabellenplatz mit nur einem Punkt Abstand zum Relegationsrang ebenfalls. Reicht es nur zu einem Unentschieden, kann der VfB an diesem 22. Bundesligaspieltag selbst auf den drittletzten Platz abrutschen, falls Bremen gegen Wolfsburg punktet und Mainz gegen Hoffenheim gewinnen sollte.

   Das Eis ist dünn. Doch Korkut weiß schon aus seinen Anfangszeiten in der Bundesliga um die mögliche Kraft eines Heimspiels in einer Arena mit 50 000 oder mehr Zuschauern: Kurz nach dem Bundesliga-Debüt bei Hannover­ 96 gewann seine Elf das erste Spiel vor eigenem Publikum mit 3:1 – gegen Gladbach. Ähnlich könnte das Wunschergebnis für Sonntag lauten. Der zunächst so heimstarke Aufsteiger VfB (16 von 18 Punkten in den ersten sechs Heimspielen) verlor drei der letzten vier ohne eigenen Treffer, kassierte zu Hause aber mit sieben die wenigsten Gegentore der Liga.

Just nach dem blamablen 0:2 gegen Schalke am 27. Januar war dann Schluss für Hannes Wolf, Korkut bekam die Chance zum Wiedereinstieg. Nach dem 1:1 in Wolfsburg und rund zehn Trainingseinheiten sagt er: „Jeder Tag hilft uns, alles zu festigen.“ Wie stabil die Mannschaft gerade nach Debakel gegen Schalke auftritt, ob sie den Schock ausblenden kann, das ist morgen die große Frage.

Dazu kommt die fragile Stimmung, falls die Heimpremiere schiefgeht. Kritik, Empörung, sogar Wut zahlreicher Fans über die Verpflichtung Korkuts, der bei seinen bisherigen Profistationen Hannover, Kaiserslautern und Leverkusen insgesamt glücklos bleib, sind längst nicht verraucht. Trotzdem setzt der Trainer ganz betont aufs begeisterungsfähige Publikum: „Wir haben den Vorteil der Unterstützung durch unsere Fans und wollen schauen, dass die Mannschaft eine besondere Verbindung zu ihnen schafft.“ Dann wäre auch für ihn selbst schon viel gewonnen.

Zwei Wackelkandidaten

Beide Treffer zum Gladbacher 2:0 (0:0)- Erfolg gegen den VfB in der Hinrunde erzielte der Brasilianer Raffael. Bei der 0:1-Heimniederlage am Wochenende gegen Leipzig fehlte der 32-Jährige verletzt (Wadenverhärtung). Ob er rechtzeitig zum Spiel am Sonntag in der Stuttgarter Arena fit wird, ist offen. Stammtorhüter Yann Sommer fiel gegen Leipzig wegen eines kleinen Muskelfaserrisses im Adduktorenbereich aus, wurde allerdings von Tobias Sippel sehr ordentlich vertreten. Das entscheidende Tor, geschossen vom Leipziger Neuzugang Ademola Lookman in der 89. Spielminute, war unhaltbar für ihn.

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