Das supermoderne Nachwuchsleistungszentrum von RB Leipzig ist ein wahres Schmuckstück. Rund 280 Jugendliche in insgesamt 17 Mannschaften werden dort von 40 hauptamtlichen und 30 nebenberuflichen Trainern ausgebildet, davon besitzen 20 die DFB-A-Lizenz und sieben sind DFB-Fußballlehrer. Trainiert wird auf vier Rasen- und zwei Kunstrasenplätzen. Dazu kommen noch zwei spezielle „Speed-Soccer-Courts“.

Thomas Albeck ist bereits seit knapp dreieinhalb Jahren  Leiter des Nachwuchsleistungszentrums und Sportlicher Leiter der U 8 bis U 16. Davor war er in ähnlicher Funktion 13 Jahre lang beim VfB Stuttgart tätig und ungefähr genauso lang als WFV-Verbandssportlehrer an der Sportschule in Ruit. Die Familie wohnt noch in Denkendorf, er ist regelmäßig am Pendeln.

„Der Reiz für mich an der Aufgabe in Leipzig war, dort etwas ganz Neues, Großartiges aufzubauen“, sagt Albeck. Man sieht ihm förmlich an, mit welchem Tatendrang er die Aufgabe in Leipzig angeht. Inzwischen sind alle Nachwuchsmannschaften in den höchsten deutschen Spielklassen angekommen, insgesamt 34 Juniorennationalspieler (U 15 bis U 21) spielen aktuell in den Reihen der Leipziger, zu Beginn gab es keine. Knapp 50 Jugendliche sind im neuen Fußballinternat am Cottaweg in Sichtweite des Stadions untergebracht, einige jüngere Spieler wohnen bei Gastfamilien.

Der frühere Bundesliga-Trainer Ralf Rangnick steht als sportlicher Leiter für die Spielidee aller Leipziger Mannschaften. „Es gibt sehr schlanke Entscheidungswege bei uns“, so erklärt Albeck.  Im Trainerstab sind auch einige ehemalige Übungsleiter aus früheren Zeiten zu finden, auf die er und sein Kollege Frieder Schrof schon beim VfB Stuttgart gebaut hatten, und die dieselbe Spielphilosophie – Hochgeschwindigkeitsfußball pur – vermitteln. Rangnick hat auch den Kontakt zu beiden Nachwuchsleitern hergestellt, „damals hat es mit der Führung beim VfB nicht mehr ganz so gepasst und da kam das Angebot, etwas Neues zu machen, genau zum richtigen Zeitpunkt“. Entscheidend für den Wechsel war, dass Schrof als Akademie- und Nachwuchsleiter mit nach Leipzig ging, „alleine hätte ich das wohl nie gemacht“, sagt Albeck.

Seit seiner Ankunft im Januar 2013 hat sich einiges getan. „Als ich hier angefangen habe, war mein Büro in einem Container. Der Klub war nicht sehr beliebt. Wir mussten sogar unseren Spielern empfehlen, die RB-Klamotten nicht in der Öffentlichkeit zu tragen“, erinnert sich Albeck.  Aber das hat sich inzwischen grundlegend geändert, wie auch die Trainingsbedingungen und das Umfeld. „Inzwischen sind die Eltern stolz auf ihre Kinder und die Nachwuchskicker sehen es als Auszeichnung, bei uns zu spielen.“

Zu Albecks Aufgaben zählt es, dass die Nachwuchstrainer die  Spielphilosophie des Vereins umsetzen, sie ihre Arbeit gut machen und dafür entsprechend geschult und fortgebildet werden, „um sie täglich zu verbessern“. Verbessern will er aber natürlich vor allem die Talente im mit drei Sternen zertifizierten Leistungszentrum. Bis zu sechsmal wöchentlich ist Training angesagt. „Ganz wichtig ist es, gut zu sichten.“  Da inzwischen alle Nachwuchsteams in den höchsten Ligen Deutschlands spielen, sei es inzwischen einfacher als am Anfang, die Nachwuchstalente für den eingeschlagenen Weg zu begeistern. „Im Jugendfußball spielt Geld nicht die erste Geige. Das wird dann erst mit dem zweiten oder dritten Vertrag wichtig. Entscheidend sind die Trainingsbedingungen, die qualifizierten Trainer, die individuelle Betreuung mit Schule – einfach die ganzheitliche Entwicklung als Mensch, die wir anbieten.“

Vereinzelt sind auch Nachwuchsspieler vom VfB nach Leipzig gewechselt, dem misst Albeck aber keine besondere Bedeutung zu. „Das hat sich in den letzten Jahren stark verändert, inzwischen wechseln die Spieler häufiger zwischen den Nachwuchsleistungszentren.“

Zudem ist der Schwabe in Sachsen für die Kaderplanung und -sichtung im Nachwuchsbereich zuständig. Aber, wie erkennt man eigentlich ein Talent? „Da spielen viele Faktoren eine Rolle. Einstellung und Leistungsbereitschaft sind beispielsweise wichtige Kriterien. Um eine Entscheidung zu treffen, braucht man auch ein gutes Bauchgefühl.“  Und natürlich ein funktionierendes Netzwerk wie Albeck es schon in Württemberg hatte und jetzt auch in der Leipziger Region aufbaut. „Ich kann hier meine Ideen und Kenntnisse einbringen und den Verhältnissen in meinem neuen Verein anpassen.“

Außerdem ist Albeck auch für die Zertifizierung des NLZs zuständig. Zudem will er die Ausbildungsstrukturen in der Region ständig optimieren, „das habe ich auch schon in Württemberg so gemacht. Wichtig ist es, die Basis zu fördern, beispielsweise durch kindgerechte Trainerschulungen“. Um professionelle Grundlagen zu schaffen, hat er die Zahl der Mannschaften im Grundlagenbereich verdoppelt. „Die Ausbildung bei uns in Leipzig ist auf dem neuesten Stand.“  Als Vorteil sieht er im Großraum Leipzig, dass es hier schon lange sportbetonte Schulen und Internate gibt.

Gewöhnen musste sich Albeck, der in Leipzig in einer Zweitwohnung lebt, nicht nur an den ungewohnten Dialekt. „Neue Dinge sind hier nicht ganz so schnell vermittelbar, die Jugendlichen haben eine andere Mentalität. Sie sind dafür aber gehorsamer, als ich das zuvor kannte.“ Nicht ganz so einfach für ihn ist es allerdings, getrennt von der Familie zu leben. „Zumindest haben wir jetzt im NLZ einen Koch aus dem Schwabenland“, so ergänzt er schmunzelnd. Zu seinem 60. Geburtstag vor ein paar Monaten gab es ein „sehr leckeres schwäbisches Maultaschenessen“.

Mit Sportdirektor Rangnick ist das Nachwuchsführungsteam im ständigen Austausch. „Unser Ziel ist es, jedes Jahr zwei bis drei Spieler in den Profibereich zu bringen“, sagt Albeck. Der Aufstieg der ersten Mannschaft in die Bundesliga gebe dem Nachwuchs einen zusätzlichen Schub. „Erfolg kann man planen, ohne Plan hast du keinen Erfolg“, erklärt Albeck. Für die Jugendspieler sei es wichtig, Schritt für Schritt zu machen und sich nicht vom Weg abbringen lassen. Die Zeit NLZ ist laut Albeck für die Talente zudem eine exzellente Schule fürs Leben.

Glas und Rohbeton auf 13 500 Quadratmetern

Alles für die Junioren Schon seit August des Jahres 2015 prangt der überdimensionale rote Stier auf der silbernen Fassade des neuen Trainingszentrums von RB Leipzig. Der etwa 33 Millionen Euro teure Komplex war von Beginn des Engagements in Leipzig an zentraler Bestandteil der Pläne des von dem Getränkehersteller Red Bull unterstützten Vereins Rasenballsport gewesen. Errichtet wurde das Mammutprojekt nach Entwürfen des Architektenbüros, das auch die Jugendakademie von Borussia Dortmund gebaut hatte. Direkt neben den Trainingsplätzen thront nun das insgesamt 13.500 Quadratmeter große Gebäude. Glas und Rohbeton dominieren, es wirkt funktional und nicht übermäßig luxuriös. Pools und drei verschiedene Saunen und eine Sporthalle sind aber enthalten.eb