München / ARMIN GRASMUCK  Uhr
Nach dem grandiosen Auftritt in der Partie gegen Arsenal geraten die sonst eher nüchtern analysierenden Münchner ins Schwärmen. Im Heimspiel gegen den VfB scheint es nur um die Höhe des Sieges zu gehen.

Dieser Abend hatte wirklich etwas Besonderes. Wirkte es nur so, oder zeigte sich Pep Guardiola wirklich zufrieden? Ganz im Ernst: Guardiola, der Besessene, der normalerweise selbst im strahlendsten Auftritt seiner Spieler noch leichte Schatten findet, lehnte sich nach dem eindrucksvollen Triumph gegen Arsenal London einfach zurück und lachte entspannt. "Das ist der Fußball, von dem ich immer spreche", sagte der Trainer des FC Bayern. "Der Ball! Ballbesitz! Nicht rennen, rauf und runter. Der Ball! Heute war der Ball unser Freund."

5:1 gegen Wolfsburg, 5:1 gegen Dortmund - das waren schon Hausmarken, die der Rekordmeister in dieser Saison gegen Kontrahenten des gehobenen Anspruchs erzielte. Mit dem 5:1 gegen Arsenal haben sich die Münchner auf dem kontinentalen Parkett in die nächste Dimension geballert. Es war kein rauschendes Fußballfest mit Torchancen in Hülle und Fülle, sondern eine massive Demonstration der eigenen Stärke. Die Londoner, in der Premier League derzeit das Maß aller Dinge, waren chancenlos, weil sie den Ball meist nur aus der Ferne sahen. Dagegen bewegten sich die Bayern sehr strukturiert nach vorne, überlegt, mit klaren Ideen und präzisen Pässen. Die Tore fielen wenig spektakulär, sie fielen, weil sie fallen mussten. "Meine Spieler haben sich entschieden, Fußballspieler zu sein für den Ball", so philosophierte Guardiola. "Die Leute sagen, der Ballbesitz ist nicht das Wichtigste im Fußball. Es tut mir leid: Für mich ist er das Wichtigste."

Die Bayern im dritten Jahr seiner Amtszeit - der katalanische Trainer bestätigte es nur zu gerne - sind die stärksten. Sie dominieren ihre Gegner nach Belieben, egal wer auf dem Platz steht. Im Topduell gegen Arsenal fehlten Spitzenspieler wie Arjen Robben, Mario Götze, Franck Ribéry oder Arturo Vidal in der Startelf, was jedoch nur der aufmerksame Zuschauer registrierte. Die Akzente setzten diesmal die pfeilschnellen Flügelstürmer Douglas Costa und Kingsley Coman, die höchst effizienten Torjäger Thomas Müller und Robert Lewandowski sowie das virtuose wie stabile Mittelfeld mit Philipp Lahm, Xabi Alsono, Thiago und dem bärenstarken David Alaba.

Das Heimspiel am Samstag gegen den VfB Stuttgart wird krass - so oder so. Spielen sich die Bayern in einen Rausch, droht den in dieser Saison gerade in der Abwehr chronisch labilen Schwaben der Untergang. Oder schalten die Münchner, gespickt mit Stars der internationalen Klasse, vor der Länderspielpause, die in der nächsten Woche ansteht, einen Gang zurück? Es liegt auf der Hand, dass Guardiola die Partie gegen die wankenden Stuttgarter zum Anlass nimmt, kräftig zu rotieren - was jedoch nur auf den ersten Blick einen Qualitätsverlust nach sich zu ziehen scheint. Es ist zu bezweifeln, dass sich die Chancen des VfB dramatisch erhöhen, wenn Robben, Vidal, Holger Badstuber, Rafinha oder Joshua Kimmich von Beginn an spielen. Vielleicht zeigt sich Guardiola herzlich und gewährt Sven Ulreich, dem früheren Stammtorwart der Stuttgarter, ein paar Pflichtspielminuten. Nach der Partie gegen Arsenal schaute Bayerns Trainer nur einmal ziemlich angesäuert. Als einer wissen wollte, ob er denn geneigt sei, den Vertrag in München zu verlängern, presste Guardiola durch schmale Lippen: "Diese Frage ist nicht erlaubt!"

VfB glaubt an seine Chance

Süd-Klassiker Der VfB Stuttgart fügt sich beim nahezu unlösbaren Gastspiel beim Rekordmeister in München nicht freiwillig in die Opferrolle. "Dass sie sich den Gegner hinstellen wie beim Boxkampf und die rechte Gerade rausfährt: der Situation solltest du entgehen", sagte VfB-Coach Alexander Zorniger vor der Begegnung am Samstag (15.30 Uhr/Sky) und fügte an: "Wir werden versuchen, ihnen eine Aufgabe zu stellen." Zorniger kündigte an, nicht ähnlich destruktiv wie zuletzt Eintracht Frankfurt beim 0:0 zu spielen. Einen Masterplan gebe es gegen den FC Bayern, der beim 5:1 gegen den FC Arsenal "außergewöhnlich" gewesen sei, ohnehin nicht, aber "jede Mannschaft ist unter bestimmten Voraussetzungen schlagbar", sagte der 48 Jahre alte VfB-Trainer.