Stuttgart Stürmischer Nachzügler in der Flügelzange

Augen zu und durch: Filip Kostic beim Torjubel (hinten: Christian Gentner).
Augen zu und durch: Filip Kostic beim Torjubel (hinten: Christian Gentner). © Foto: dpa
Stuttgart / WOLFGANG SCHEERER 21.05.2015
In Stuttgart war Filip Kostic fast schon als Sechs-Millionen-Flop verschrien. Nun zählt der junge Serbe im Bundesliga-Finale zu denen, die in der neuen VfB-Offensive die Hoffnung auf den Klassenerhalt verkörpern.

Auch weil einer wie Filip Kostic nicht gleich so eingeschlagen hat, wie man sich das im Profi-Fußball von einem Sechs-Millionen-Einkauf vorstellt, musste Fredi Bobic im September gehen. Viele VfB-Fans und -Beobachter machten insbesondere den Sportvorstand für die endlose Misere in der Bundesliga verantwortlich. Bei den Neuverpflichtungen hatte der Ex-Stürmer zu selten ein glückliches Händchen.

Auch der junge serbische Nationalspieler Kostic, 22, saß nach dem Wechsel vom FC Groningen/Niederlande die meiste Zeit auf der Bank. In 28 Punktspielen war er bisher im Einsatz, wurde dabei 20 Mal ein- oder -ausgewechselt. Und nach seinen Einwechslungen fiel der dunkelhaarige Spieler mit der Rückennummer 18 zwar durch seine enorme Schnelligkeit auf, nicht aber durch Ballsicherheit und Selbstvertrauen.

Noch ein kostspieliger Flop in der aktuellen Liste mit Mohammed Abdellaoue, Konstantin Rausch, Sercan Sararer, Karim Haggui und Co.?

Huub Stevens kreidete Offensivmann Kostic die Schwächen im Defensiv-Verhalten an. "Daran habe ich gearbeitet, im Kraftraum und mental", sagt Filip Kostic, der zuletzt im Abstiegskampf als Stammspieler nicht mehr wegzudenken war. Obwohl es jetzt gegen den direkten Konkurrenten HSV nur zu einem 2:1 (2:1) reichte, muss der Angriffswirbel der Stuttgarter gerade auch für den SC Paderborn, Final-Gegner am Samstag (15.30 Uhr), absolut respekteinflößend sein. Mit 22 Torschüssen gegen Hamburg stellte die VfB-Elf einen Saisonrekord auf.

Kostic sorgte am angestammten linken Flügel für Gefahr, Daniel Ginczek als Mittelstürmer, Martin Harnik über rechts. Der Österreicher war es, der das Siegtor erzielte. Es war sein neunter Saisontreffer.

Daniel Didavi setzt das Trio bei seinem hoffnungsvollen Comeback vom zentralen Mittelfeld aus oftmals in Szene. "Wenn man offensiv und defensiv spielen kann, ist man ein kompletterer Spieler. Huub Stevens hat mich dazu gemacht", sagt Kostic. Darüber hinaus macht er sich mit Actionfilmen heiß für seine Einsätze - um dann als Teil der Flügelzange schmerzhaft zuzukneifen.

Filip Kostic in seiner stürmisch-aggressiven neuen Hauptrolle (drei Treffer, fünf Torvorlagen) ist in der VfB-Elf auch im entscheidenden Duell bei Schlusslicht Paderborn gesetzt. Nur mit dem dritten Sieg in Serie ist der Klassenerhalt geschafft.