Stuttgart/Köln Stabilität ist beim VfB das Zauberwort

Brennt aufs erste Bundesliga-Tor: Stürmer Artem Krawets.
Brennt aufs erste Bundesliga-Tor: Stürmer Artem Krawets. © Foto: Imago
WOLFGANG SCHEERER (MIT DPA) 23.01.2016
Stabil oder labil? Am Samstag in Köln steht der VfB Stuttgart vor einem schweren Rückrundenstart. Die Krise abzuschütteln, ist das große Stuttgarter Ziel.

Vier Pflichtspiele nacheinander ohne Niederlage und der Sprung auf einen Nichtabstiegsplatz: Das Stuttgarter Fußballjahr 2015, ein weiteres zum Fürchten, endete zumindest ein wenig versöhnlich. Und mit einem großen Gewinner: Jürgen Kramny, zuerst lediglich "Interimslösung" nach der Entlassung Alexander Zornigers, hat nun einen Cheftrainervertrag bis 2017.

Der 44-Jährige selbst hat nichts zu verlieren und offenbar den richtigen Zugang gefunden zu einer schwierigen Mannschaft, in der der eine oder andere Überforderte und der eine oder andere Überqualifizierte gemeinsam erfolgreich sein sollen. Sein müssen, wenn auch am Schluss dieser Saison der Abstieg verhindert werden soll.

Der Start in die Bundesliga-Rückrunde am Samstag (15.30 Uhr/Sky) beim 1. FC Köln ist zugleich Kramnys erstes Spiel seit der Beförderung kurz vor Weihnachten. Eine möglichst kompakte Defensive hat bei ihm weiter Priorität. Er ist überzeugt: "Wir sind auf einem guten Weg, Stabilität in die Mannschaft zu bekommen." 37 Gegentore haben die Stuttgarter in der Hinrunde kassiert. Mit Abstand die meisten der 18 Klubs.

Während beispielsweise der Gegner Köln zehn Treffer in der letzten Viertelstunde erzielt und die Hälfte der aktuell 24 Punkte durch Tore in den letzten 20 Minuten geholt hat, büßte der VfB in genau diesem Zeitraum vor Spielschluss neun Zähler ein. Auch das ist Minusrekord in dieser Bundesligasaison.

Die verheißungsvolle Schlagzeile "Der VfB holt einen Weltmeister" hat zwar nach Joachim Löws scharfer Kritik an Kevin Großkreutz sportlicher Nachlässigkeit beim Türkei-Intermezzo deutlich an Glanz verloren, trotzdem setzt Kramny gerade in der Defensive voll auf den 27 Jahre alten Ex-Dortmunder, zunächst wohl auf der Position des Rechtsverteidigers.

Ob die Stuttgarter bis zum Transferschluss in rund einer Woche noch einen Innenverteidiger verpflichten? "Wir haben nach wie vor die Augen und Ohren offen. Es müsste aber wirklich passen, dann werden wir darüber nachdenken", sagt der Trainer. "Ansonsten gehen wir mit dem Kader in die Rückrunde, den wir jetzt haben."

Schließlich hat Jürgen Kramny mit der Mannschaft keines der letzten drei Ligaspiele verloren, Champions-League-Klub VfL Wolfsburg sogar mit 3:1 geschlagen und außerdem den Einzug ins Pokal-Viertelfinale geschafft. "Diesen Schwung wollen wir mitnehmen", betont Sportvorstand Robin Dutt.

Während Kevin Großkreutz in Köln gleich in der VfB-Startelf steht, wird der zweite Neuzugang, Nationalstürmer Artem Krawets aus der Ukraine, zunächst wohl auf der Bank sitzen. Kramny setzt in der Spitze auf Timo Werner, der sich zuletzt sehr viele Torchancen erspielte (aber zu oft versiebte). Unverändert lässt der Trainer auch die Torhüterposition. Nach zuletzt starken Auftritten bleibt der Pole Przemyslaw Tyton die Nummer eins.

Kramny lobt jedoch auch die Trainingsleistung des wiedergenesenen Mitch Langerak: "Er ist hungrig, er will natürlich auch ins Tor", sagt er über den Ex-Dortmunder und ergänzt: "Darum kann man sich auch nicht ausruhen auf den Leistungen." Dafür bleibt erst nach dem erhofften Klassenerhalt Zeit.

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