Wer bitteschön, wenn nicht Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler, hätte etwas zu der Szene dieses Spiels sagen können – der Spuckattacke von Stuttgarts Santiago Ascacibar auf Bayers Jung-Nationalspieler Kai Havertz? Schließlich ist Völler so etwas wie das berühmteste Spuckattacken-Opfer in der Geschichte des Fußballs. Stichwort: WM 1990. Achtelfinale Deutschland gegen die Niederlande. Völler war Nationalstürmer, damals konnte der Holländer Frank Rijkaard nicht an sich halten.

Ob die Szene ihn nicht an die Weltmeisterschaft vor 29 Jahren erinnert habe? „Nein“, sagte Völler mit ernster Miene. Dann lächelte er sein verschmitztes Rudi-Völler-Lächeln und zog gut gelaunt von dannen.  Nun ja, Bayers Sportchef hatte allen Grund, fröhlich zu sein. Er feierte am Samstag seinen 59. Geburtstag, das ambitionierte Leverkusen hatte dank Kai Havertz’ cool verwandeltem Foulelfmeter 1:0 gewonnen und nach drei sieglosen Partien mal wieder einen Dreier eingefahren.

Völler erlebte also einen schönen Tag. Was für Spieler, Trainer, Verantwortliche beim VfB Stuttgart nicht galt. Wieder einmal hatte der VfB seine Grenzen aufgezeigt bekommen – und verdient verloren. Stuttgart bleibt damit auf dem Relegationsplatz 16. Und am Ostersamstag geht es zum ebenfalls abstiegsbedrohten FC Augsburg. Das alles war schon ernüchternd genug aus Sicht der Gastgeber. Nach dem Ausraster von Mittelfeldspieler Santiago Ascacibar war die Stimmung dann vollends im Keller.

Kurz vor dem Abpfiff hatte der 22 Jahre alte Argentinier die Nerven verloren, Kai Havertz angespuckt, Rot gesehen. Nach der Attacke ging der kleine Argentinier auch noch auf Schiedsrichter Tobias Stieler los. Vor der VfB-Bank spielten sich tumultartige Szenen ab, ehe sich die Situation beruhigte und Ascacibar im Spielertunnel verschwunden war.

Dem Rot-Sünder droht nun eine lange Sperre. Gut möglich, dass er in dieser Saison kein Spiel mehr bestreiten darf. Leverkusens Trainer und Spieler waren empört: „Spucken ist das Schlimmste, was man im Fußball machen kann“, sagte Bayer-Coach Peter Bosz. „Solche Leute braucht man nicht in der Bundesliga“, befand Leverkusens Stürmer Kevin Volland. Torwart Lukas Hradecky fügte hinzu: „Ich hoffe, er kriegt mindestens fünf Spiele Sperre.“

VfB-Trainer Markus Weinzierl war angefressen. Zunächst wollte er über Ascacibar gar nicht reden, sagte dann aber kurz und knapp: „Das geht gar nicht. Er hat der Mannschaft einen Bärendienst erwiesen.“  Weinzierl wirkte nach dem Abpfiff  ratlos. „Wenn wir etwas holen wollen, müssen wir effektiver spielen“, sagte der 44-Jährige und meinte damit die Möglichkeit, die Alexander Esswein in der ersten Halbzeit frei­stehend vergeben hatte. Es war die einzige wirkliche nennenswerte Torchance der spieltechnisch limitierten Stuttgarter, die wie schon zuletzt zumindest defensiv gut organisiert waren.

Die von Steven Zuber zur Fünfer-Kette verstärkte Abwehrformation um Kapitän Andreas Beck, Ozan Kabak, Benjamin Pavard und Marc-Oliver Kempf war der beste Stuttgarter Mannschaftsteil. Auch Keeper Ron-Robert Zieler war gegen Bayer auf der Höhe. Unmittelbar vor dem Pausenpfiff bewahrte er seine Kollegen bei einem Volland-Schuss aus kurzer Distanz mit einer spektakulären Parade vor dem Rückstand.

Nach vorne aber ging so gut wie nichts, verlor der VfB viel zu schnell den Ball, wenn er ihn denn mal hatte. Mario Gomez saß auf der Bank, Techniker Daniel Didavi kam nie richtig ins Spiel und wurde ausgewechselt. Und Stürmer Nicolás Gonzales? Hing erneut völlig in der Luft.

Massenschlägerei in Bad Canstatt


Gewalt Vor der Bundesligapartie des VfB Stuttgart gegen Bayer Leverkusen ist es am Samstag zu einer Massenschlägerei zwischen Fans gekommen. Nach Angaben der Polizei gingen rund 100 Anhänger beider Vereine im Bereich des Marktplatzes des Stuttgarter Stadtteils Bad Cannstatt aufeinander los. 67 Personen aus dem Leverkusener Fan-Lager wurden vorläufig festgenommen, wie die Polizei am Sonntag mitteilte. „Hauptsächlich gab es Schürfwunden und kleinere Verletzungen“, sagte ein Polizeisprecher.

Einsatz Die Einsatzkräfte hatten die Lage nach 15 Minuten unter Kontrolle. 60 Polizisten waren vor Ort, um die Schlägerei zu beenden.