Auf das Derby gegen die Stuttgarter Kickers hatte sich Holger Betz richtig gefreut. So wie sich der Torhüter des Fußball-Regionalligisten SSV Ulm 1846 bisher auf alle Einsätze im Spatzen-Dress gefreut hat.

Doch diesmal gab es für den 39-Jährigen einen Grund mehr. Mit seinem 500. Spiel im Trikot des SSV 46 sicherte sich der „Ewige Holger“ seinen Platz in den Geschichtsbüchern. Das würdigten vor dem Anpfiff sowohl SSV-Sportvorstand Anton Gugelfuß sowie sein Kickers-Pendant Prof. Dr. Rainer Lorz mit einem Trikot mit der Rückennummer 500 und einem Blumenstrauß. Der erste Gewinner stand also schon vor dem Anpfiff fest.

Mitreißende erste Halbzeit

Am Ende gab es an diesem Tag zwar keine Siegerparty, dafür beim 2:2 (2:2) einen Punktgewinn für beide Teams. 2640 Zuschauer erlebten eine mitreißende und unterhaltsame erste Halbzeit mit vier Toren und jeder Menge spannender Szenen. Trainer Tobias Flitsch änderte seine Anfangsformation gegenüber dem Heimspiel am vergangenen Samstag gegen den SC Freiburg II auf zwei Positionen. Für Stürmer David Braig und den Ex-Kickers-Akteur Volkan Celiktas standen Steffen Kienle und Ardian Morina in der Startelf.

Die Anfeuerungsrufe aus dem Ulmer Fanblock, wo 300 den Jubilar lautstark feierten, waren noch nicht recht verklungen, da mussten die Gäste eine Schrecksekunde überstehen, als Jonas Meiser (2.) von der linken Seite knapp am Tor vorbei zielte. Die erste Gelegenheit brachte gleich die Führung für den SSV 46. Eine Ecke von Christian Sauter köpfte Michael Schindele (6.) wuchtig aus sechs Metern ins Netz. Doch die Führung währte nicht lange. Nachdem Betz einen Schuss von David Müller (11.) noch spektakulär klären konnte, war der Ulmer Keeper nach der anschließenden Ecke geschlagen. Nach einer Ballverlängerung konnte Tobias Feisthammel (11.) am hinteren Pfosten ungehindert zum Ausgleich einköpfen.

Ein spektakulärer Auftakt, doch es ging so weiter. Die Ulmer zeigten sich keineswegs geschockt und nutzten einen blitzsauberen Konter ihrerseits zur erneuten Führung. Kienle bediente Morina (15.) mustergültig und der schob am herauslaufenden Stuttgarter Torhüter nervenstark ein.

Die Kickers wurden nun giftiger und forcierten ihre Angriffsbemühungen. Erst einmal verhinderte Christian Sauter (18.) den Ausgleich, als er auf der Torlinie klärte. Die Platzherren griffen immer wieder über die Flügel an und stellten die beiden Ulmer Außenverteidiger vor einige Probleme. Richtig gefährlich wurde es aber vor der Pause nur noch einmal – dafür folgenschwer. Einen Freistoß aus 16 Metern zirkelte Alessandro Abruscia (40.) am chancenlosen Betz zum 2:2 in die Maschen. Ein Lattentreffer (45.) von Kienle beendete eine turbulente erste Hälfte.

Beide Teams starteten mit großem Einsatz in den zweiten Durchgang, aber auch mit vielen Ungenauigkeiten. Schnell wurde jedoch deutlich, dass beide Mannschaften nicht mehr mit demselben offenen Visier ihr Heil suchen wollten. „Da war dann doch viel Kampf und Krampf im Spiel“,   betonte Trainer Flitsch. Je länger die Partie ging, desto verhaltener agierten beide Teams. Die Leidenschaft reduzierte sich zu aufrichtigem Bemühen, unbedingter Siegeswille schrumpfte zur angestrengten Erfüllung einer Pflichtaufgabe – die Sicherung eines Punktes.

Beide Keeper beschäftigungslos

Tatsächlich stellten sich weder die Gäste noch die Gastgeber allzu geschickt an. Die Partie plätscherte vor sich hin und war über weite Strecken vor allem von Nervosität geprägt. Die Platzherren versuchten zwar das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen. Die Aktionen waren aber nicht zwingend genug, wirklich klare Chancen waren Fehlanzeige. Beide Keeper hatten kaum eine Gelegenheit, sich auszuzeichnen.

Ehe sich die Ereignisse eingangs der hektischen und verbissen geführten Schlussphase nochmals überschlugen. Bereits in der Nachspielzeit tauchte der eingewechselte Lhadji Badiane im Strafraum allein vor Torhüter Betz auf und hatte den Siegtreffer für seine Mannschaft auf dem Fuß. Doch der Jubilar im Ulmer Gehäuse bewahrte Ruhe und vereitelte mit exzellentem Stellungsspiel deinen Gegentreffer. Am Ende ging das Unentschieden in Ordnung, ein 2:2 mit dem beide Teams einen kleinen Schritt im Kampf gegen den Abstieg machen konnten.

So spielten sie


Stuttg. Kickers – SSV Ulm 1846

2:2

SSV 46: Betz – Schmidts, Krebs, Schindele, Kammerbauer – Sauter (71. Bradara), Reichert, Campagna, Bagceci (45. Braig) – Kienle,  Morina (82. Rathgeber).
Tore: 0:1 Schindele (6.), 1:1 Feisthammel (11.), 1:2 Morina (15.), 2:2 Abruscia (40.).
Gelbe Karten: Feisthammel – Kienle, Campagna.
Schiedsrichter: Herbert (Nüsttal).
Zuschauer: 2640.