Aalen/Ulm Reise ins Ungewisse

Aalen/Ulm / WERNER RÖHRICH MANUELA HARANT 18.07.2013
Ob VfR Aalen, SV Sandhausen oder Karlsruher SC: Die Fußballklubs aus dem Land wussten erst spät, dass sie 2013/2014 in der 2. Bundesliga spielen. Entsprechend schwierig war die Kaderzusammenstellung.

Unverhofft kommt oft: Der Karlsruher SC schaffte durch eine unerwartet starke Saison den direkten Wiederaufstieg in die 2. Fußball-Bundesliga, der VfR Aalen musste um die Lizenz bangen und der SV Sandhausen profitierte vom Zwangsabstieg des MSV Duisburg. Die Zeit für die Kaderzusammenstellung war dadurch kurz. So beginnt an diesem Wochenende für alle drei baden-württembergischen Klubs eine Reise ins Ungewisse.

Beim KSC war schon früh in der vergangenen Saison klar, dass Toptorschütze Hakan Calhanoglu in die 1. Bundesliga zum Hamburger SV zurückkehrt. Ersatz für den Spielgestalter, der in der 3. Liga 17 Tore und 12 Vorlagen ablieferte, steht in den Neuzugängen Dimitrij Nazarov von Preußen Münster und Dennis Mast vom Halleschen FC bereit - die einzigen Spieler, für die der KSC bereit war, Ablöse zu bezahlen. Zwar kann Trainer Markus Kauczinski noch nicht wissen, wo genau seine Mannschaft steht, die am Sonntag um 13.30 Uhr beim FSV Frankfurt die Saison 2013/2014 startet. Aufgrund des souveränen Aufstiegs als Tabellenführer und des 2:1-Überraschungserfolgs gegen den spanischen Erstligisten FC Valencia im Test sprechen jedoch viele von einem guten Mittelfeldplatz.

Das schaffte vergangene Saison zwar auch der VfR Aalen als bester Aufsteiger. Jetzt muss der Ostalb-Klub jedoch zeigen, dass er mit deutlich weniger Geld und einem formal schwächeren Kader genauso in der Lage ist, die Liga zu halten. Der überraschende Ausstieg von Trikotsponsor Imtech hat die Aalener mächtig in die Bredouille gebracht. Nur dank einer Sechs-Millionen-Euro-Bürgschaft des Präsidenten Berndt-Ulrich Scholz und der Kürzung des Etats um 2,2 auf 12,6 Mio. Euro erhielt der Verein die Erlaubnis für eine zweite Zweitligasaison.

Der Lizenzspieleretat wurde auf sechs Mio. Euro gekürzt. Die Konsequenz: Leistungsträger wie Thorsten Schulz, Martin Dausch und Tim Kister, die den Verein verlassen haben, wurden nicht adäquat ersetzt. Bis auf den kanadischen Nationalspieler André Hainault (27) kommen alle Neuzugänge aus niedrigeren Ligen. Möglicherweise wird der Kader noch durch eine Leihgabe des 21-jährigen ehemaligen U-20-Nationalspielers Julian-Maurice Derstroff vom Ligakonkurrenten 1. FC Kaiserslautern ergänzt. Denn gerade im Sturm ist fraglich, ob neben Routinier Robert Lechleiter der 20 Jahre alte Fabio Kaufmann von Regionalligist SSV Ulm 1846 für die nötige Durchschlagskraft sorgen kann.

Stefan Ruthenbeck, der sei 1. Juli für Ralph Hasenhüttl auf der Trainerbank sitzt, kommt aus der eigenen U 23. Der 41-jährige Fußballlehrer schaffte in seinem ersten Jahr beim VfR mit der Landesliga-Mannschaft die Meisterschaft. Jetzt darf er sich im Profilager beweisen. Als Verfechter einer offensiven Spielphilosophie setzt er auf ein 4-3-3-System, bei dem er seinen Spielern große Flexibilität abverlangt.

Den Verantwortlichen des Vereins ist bewusst, dass sie mit diesem 25er-Kader (3 Torhüter) ein großes sportliches Risiko fahren. "Wenn wir dieses Jahr überbrücken, dann haben wir eine Chance, uns in der 2. Liga zu etablieren", sagt Sportdirektor Markus Schupp. "Wir müssen Ruhe in schlechten Zeiten bewahren. Denn auch die wird es geben." Zum Auftakt am morgigen Freitag (18.30 Uhr) geht"s gleich zum Baden-Württemberg-Derby nach Sandhausen - eine echte Standortbestimmung unter den beiden als "heiße" Abstiegskandidaten gehandelten Klubs.

Der SVS, als Tabellen-17. sportlich abgestiegen, erhielt durch den Lizenzentzug und damit verbundenen Zwangsabstieg des MSV Duisburg erst im Juni eine "zweite Chance". Dementsprechend konfus wirken die Transferaktivitäten: Gleich 17 Neue wurden geholt, zunächst für die 3., dann aber für die 2. Liga. Zuvor hatten die meisten Leistungsträger den Verein bereits verlassen, lediglich Kapitän Frank Löning und Verteidiger Marco Pischorn haben das Auf und Ab des SVS mitgemacht. Sogar im Sandhäuser Kasten steht nach dem Karriereende von Daniel Ischdonat ein neuer Mann: Manuel Riemann vom VfL Osnabrück. An Auswahl mangelt es Neu-Coach Alois Schwartz angesichts eines 30 Mann starken Kaders aber nicht. Und auch die Testspielergebnisse (2:1 gegen Regionalligist Pfullendorf, 1:1 gegen Karlsruher SC) geben Anlass zur Hoffnung, dass der SVS diesmal sportlich die Klasse halten kann.

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