Querpass Querpass: Von eisenhart bis bitterzart

Armin Grasmuck über den kuriosen ­Abmarsch des ­königlichen Kapitäns
Armin Grasmuck über den kuriosen ­Abmarsch des ­königlichen Kapitäns © Foto: Marc Hoerger
Armin Grasmuck 13.03.2018

Sergio Ramos ist einer dieser Spieler, an denen sich die Geister scheiden. Der Kapitän von Real Madrid agiert auf konstant hohem Niveau aggressiv und knallhart bis an die Grenzen des ­Erlaubten, manchmal wirkt er fürchterlich eingebildet. Seit über einem Jahrzehnt ist er vor allem jedoch: ein Anführer und Abwehrspieler der Spitzen­klasse. Ramos ist Weltmeister, ­Europameister, ein paar Mal Champions-League-Sieger.
Er ist unerbittlich im Zweikampf, brandgefährlich im ­Kopfball und er weicht keinem Gegner aus. Eigentlich.

In Eibar, wo Real zuletzt in der Liga gastierte, hat sich der Spielführer der Königlichen ­allerdings auf höchst kuriose Weise verdünnisiert. Eine gute Viertelstunde vor dem Schlusspfiff watschelte er mit zusammengekniffenen Knien und sparsamen Gesten vom Platz ­herunter direkt in die ­Kabine. Die ­Madrilenen, die bereits dreimal gewechselt hatten, spielten ­fortan in Unterzahl – und kaum einer wusste, warum.

Nach geschlagenen fünf ­Minuten kam Ramos zurück, ­total entspannt, und tat so als sei er nie weg gewesen. Real siegte 2:1, also alles im Reinen? Mitnichten, wie die königliche Putzfrau sicher bestätigen kann. Ramos, der Eisenharte, hatte tatsächlich in die Hose gemacht. Sein Trainer enthüllte es brühend heiß in der Spielanalyse. Mehr wollte es in diesem Fall wirklich keiner wissen.

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