Hamburg / Roland Müller  Uhr
Kehraus beim Dino: Der HSV schafft die Stadion-Uhr ab, und die Hymne wohl gleich mit. Ob das Team dann besser spielt?

54 Jahre, 261 Tage, 00 Stunden, 36 Minuten und 02 Sekunden – so lange lief die berühmte HSV-Stadionuhr, bis im  Mai 2018 Schluss war mit dem Bundesliga-„Dino“. Seit dem Abstieg zeigte sie die Zeit seit Vereinsgründung an – doch jetzt wird sie abgebaut. Man wolle nach vorn blicken und nicht ständig in den „Rückspiegel“, so die Begründung.

Ist Tradition auch eine Last?

Nun ist im Traditionsverein die hoch spannende Debatte entbrannt, ob Tradition auch eine Last sein kann; oder etwas, wo­rauf man sich ausruht, statt im Hier und Jetzt Erfolg zu haben.

Und wo man schon mal ausmistet: Auch die Hymne „Hamburg, meine Perle“, fordern Fans, soll weg. Die Zeiten, in denen man den Bayern die Lederhosen auszog und für Bremen „nichts zu holen“ war, wie Lotto King Karl singt, seien lange vorbei, der überhebliche Habitus fehl am Platz. Mancher will gar Maskottchen „Dino“ an den blauweißen Kragen: Der Klub mit der längsten Liga-Zugehörigkeit ist inzwischen ja ausgerechnet Erzrivale Werder Bremen.

Es kann nur eine Hymne geben

Wie ein solcher Traditions-­Kehraus feinere Ballstaffetten, mehr Tore und den Wiederaufstieg begünstigt, ist wohl eine Frage, die höchstens Tiefenpsychologen beantworten können. Beim HSV, dessen Hang zu Selbstzerfleischung und Intrige nur von der SPD getoppt wird, kann man indes die Uhr (!) danach stellen, dass auch diese Debatte am Ende genutzt wird, um an irgendeinem Stuhl zu sägen.

Die ehrlichste Hymne wäre ohnehin „Trotzdem HSV“ von „Norbert und die Feiglinge“. Da heißt es: „Wir gehn immer noch zum HSV. Warum, wissen wir selber nicht so ganz genau.“

Youtube Trotzdem HSV - Norbert und die Feiglinge