Köln Platini im Abseits: Letzter Triumph für Blatter

SID 09.01.2016
Nach dem Rückzug des Franzosen als Kandidat für das Amt des Fifa-Präsidenten sind die Kräfteverhältnisse im Weltfußball noch unklarer als zuvor.

Michel Platinis Aus als Kandidat für das Amt des Präsidenten bei dem Fußball-Weltverband Fifa macht einen späten und letzten Triumph für Joseph Blatter perfekt: Nach der endgültigen Ausbootung seines Erzfeindes darf sich der kaltgestellte Fifa-Boss voraussichtlich auch noch über die generelle Verhinderung eines Europäers auf dem Chefsessel des Weltverbands die Hände reiben.

Vor der Wahl von Blatters Nachfolger am 26. Februar in Zürich erscheint der europäische Verband Uefa jedenfalls trotz seines Milliardenvermögens als großer Verlierer. Der kandidierende Generalsekretär der Uefa, Gianni Infantino, konnte sich auch am Tag nach Platinis weinerlichem Verzicht immer noch nicht aus seiner Rolle als Platzhalter für seinen gesperrten Chef lösen - und die mutmaßlich geschlossene Unterstützung der Uefa-Mitgliedsverbände bröckelte prompt.

Ausgerechnet der Deutsche Fußball-Bund scherte als erster Verband öffentlich aus der Europakoalition aus. "Das Präsidium wird in seiner nächsten Sitzung am 22. Januar darüber beraten, welchen Kandidaten der deutsche Fußball bei der Wahl zum Fifa-Präsidenten nunmehr unterstützen wird", erklärte DFB-Interimspräsident Reinhard Rauball. Bedingungsloser Rückhalt für Infantino klingt anders.

Außerhalb Europas mehren sich auch die Gerüchte über schwindenden Rückhalt für Infantino. Angeblich soll der südamerikanische Verband bereits erwägen, seine ursprüngliche Wahlempfehlung für den Juristen an seine Nationalverbände zurückzunehmen. Bei den Blatter-treuen Afrikanern kann der Uefa-General auch nicht auf Unterstützung zählen, zumal der Kontinent durch den Südafrikaner Tokyo Sexwale einen zumindest aussichtsreichen Außenseiter im Rennen hat.

Als Favorit muss zunehmend Scheich Salman bin Ibrahim al-Khalifa aus Bahrain angesehen werden. Seine Kandidatur wird maßgeblich vom kuwaitischen Strippenzieher, Scheich Ahmad Fahad Al-Sabah, gefördert. Die Gesamtkonstellation dürfte ganz nach Blatters Geschmack sein. Praktisch zeit seiner Präsidentschaft musste sich der Walliser Kritik und Widerständen aus Europa erwehren - und baute seine zweifelhafte Macht trotz der Bedeutung des Alten Kontinents für den Weltfußball an Platini und den Europäern vorbei immer weiter aus.