Stuttgart Nur beim Singen spitze

Schoss das 37. und letzte Bundesliga-Tor dieser VfB-Saison: Arthur Boka beim zwischenzeitlichen 2:1 gegen Mainz. Foto: dpa
Schoss das 37. und letzte Bundesliga-Tor dieser VfB-Saison: Arthur Boka beim zwischenzeitlichen 2:1 gegen Mainz. Foto: dpa
Stuttgart / WOLFGANG SCHEERER 21.05.2013
Ein Saisonschluss ohne den gewünschten Heimsieg gegen Mainz (2:2), VfB-Negativrekord in der Rückrunde, der Trainer angefressen. Der Pokal-Countdown begann für die Stuttgarter alles andere als optimal.

"Wir holen den Pokal!" und "Zieht den Bayern die Lederhosen aus!" Nach einem Sieg klingt das großartig. Etwas schräg dagegen wars beim Stuttgarter 2:2 (2:2) gegen Mainz 05. Da hörten sich die Original-Strophen der Fans, von den VfB-Profis extra eingeübt und den Anhängern nach Schlusspfiff per Video als Dankeschön für die Unterstützung präsentiert, zwar tadellos an. Nur das Spiel war es nicht. Und das DFB-Pokal-Finale am 1. Juni in Berlin ist kein Sängerwettstreit. Angesichts der Münchner Fußball-Dominanz kann einem allein schon die Stimme versagen.

Trainer Bruno Labbadia wollte nicht viel reden. Zum Saisonschluss wieder kein Heimsieg, er war bedient. "Wir analysieren die Dinge", kündigte er an. "Ich werde die passenden Worte finden." Muss er die Mannschaft vor dem wichtigsten Spiel des Jahres wachrütteln? Fredi Bobic sagt: "Jeder muss sich steigern fürs Pokal-Finale." Als Ex-Stürmer kennt der VfB-Sportvorstand aber auch die Automatismen eines solchen Spiels: "Das wird eine ganz andere Kiste, das kann ich aus Erfahrung sagen. Wir spielen da Fußball und nicht gegen den Abstieg. Also muss man jetzt keine Kopfwäsche machen."

Dass die bisher schlechteste VfB-Rückrunde, eine Saison mit denkwürdiger Tordifferenz von 37:55 (-18), nur fünf Heim-Erfolgen und Platz zwölf in der Endabrechnung trotzdem so bald nicht abgehakt sind, zeigte sich ansatzweise schon kurz vorm Spiel gegen Mainz: Die ausgeliehenen Federico Macheda (Stürmer), Felipe Lopez und Tim Hoogland (beide Verteidiger) wurden nach nur einem halben beziehungsweise einem Jahr wieder verabschiedet. Umso größer die Hoffnungen, die auf den neu verpflichteten Defensivspielern Konstantin Rausch (Hannover 96) und Daniel Schwaab (Bayer Leverkusen) ruhen.

Gerade gegen Mainz 05 häuften sich wieder einmal Unkonzentriertheiten und Fehler. Im Spiel nach vorne sah es nicht viel besser aus. Für die Gäste, die auf Rang 13 abgerutscht sind, trafen Andreas Ivanschitz die Latte (9.), Chinedu Ede (16.) und der erstmals ins Nationalteam berufene Nicolai Müller (42.) ins Netz. Ein Eigentor von Keeper Christian Wetklo (22.) und ein Linksschuss von Arthur Boka (33.) verhinderten die VfB-Niederlage.

Wetklo und VfB-Keeper Sven Ulreich sowie dessen Innenverteidigung mit dem angeschlagenen Serdar Tasci und Georg Niedermeier schenkten sich, was Schusseligkeit anging, nicht viel. Der Sieg wäre nicht verdient, aber möglich gewesen. Der Mainzer Radoslav Zabavnik traf den eigenen Pfosten (50.), Schiedsrichter Michael Weiner verwehrte Vedad Ibisevic ein Tor (59.) wegen Abseits. Auch ein Fehler.

Als Tabellenführer schließt der VfB die Saison nur bei den (schlechten) Karten ab. Mit viermal Rot, dreimal Gelb-Rot und 71 mal Gelb liegen die Stuttgarter klar vor dem HSV und Wolfsburg. Von all dem sollen die Spieler jetzt ganz schnell den Kopf frei bekommen. Offiziell beginnt nach drei freien Tagen morgen die Vorbereitung aufs Endspiel gegen den FC Bayern. Letzter Test: Samstag, 14.30 Uhr, beim Oberligisten SSV Reutlingen. Da zumindest dürfte dem VfB der Sieg sicher sein.

Spezialschuh für Tasci