Heidenheim Neuer Heidenheimer Weg

Von Leipzig nach Heidenheim: Neuzugang Daniel Frahn (rechts, im Testspiel gegen Eintracht Frankfurt) verstärkt den einzigen schwäbischen Zweitligisten.
Von Leipzig nach Heidenheim: Neuzugang Daniel Frahn (rechts, im Testspiel gegen Eintracht Frankfurt) verstärkt den einzigen schwäbischen Zweitligisten. © Foto: Eibner
Heidenheim / DETLEF GRONINGER 23.07.2015
13 Vereine in der zweiten Fußball-Bundesliga haben eine Vergangenheit in der Eliteklasse. Doch mit RB Leipzig gilt der Krösus als Topfavorit. Der 1. FC Heidenheim fährt bei der Kaderplanung eine neue Strategie.

Dank der Millionen des Österreichers Dietrich Mateschitz unternimmt Zweitligist RB Leipzig den nächsten Anlauf in Richtung Fußball-Bundesliga. Vor dem Saisonstart in der zweiten Fußball-Bundesliga morgen mit dem Duell zwischen Aufsteiger MSV Duisburg und dem 1. FC Kaiserslautern haben die Sachsen mit Transferausgaben von 15,6 Millionen Euro, davon 5 Millionen Euro für Davie Selke (Werder Bremen), mehr in den Spielerkader investiert als die anderen 17 Kontrahenten zusammen.

RB-Trainer und Sportdirektor Ralf Rangnick wird von seinen Kollegen verständlicherweise die Favoritenrolle zugeschustert. "Es ist Wahnsinn, was die für Geld in die Hand nehmen. Sie müssen eigentlich Meister werden", sagt Frank Schmidt, Trainer des 1. FC Heidenheim. "Ich wehre mich aber gegen den Hype, der um Leipzig nun gemacht wird. Das ist nur eine von 18 Mannschaften." Daneben wird am ehesten dem Bundesligaabsteiger SC Freiburg und den drei Ex-Erstligisten 1. FC Kaiserslautern, Fortuna Düsseldorf und dem 1. FC Nürnberg zugetraut, RB Leipzig ernsthaft zu gefährden. Als Anwärter für eine Überraschung gilt Union Berlin, neben Leipzig der zweite Zweitligist aus Ostdeutschland.

In diesen Regionen wird nach eigener Einschätzung der nach dem Abstieg des VfR Aalen einzige württembergische Zweitligaklub 1. FC Heidenheim wohl nicht auftauchen. "Das zweite Jahr in der Liga ist für uns eine sehr große Herausforderung. Wir wollen eine sorgenfreie Saison spielen. Ich bin überzeugt, dass der Kader gut genug dafür ist, erneut den Klassenerhalt zu schaffen", sagt Schmidt. "Wir müssen dazu aber 34 Mal an unsere Grenzen gehen."

Bei der Kaderplanung schlug der 1. FC Heidenheim eine neue Marschrichtung ein. Mit Daniel Frahn, Sebastian Heidinger (beide RB Leipzig), Norman Theuerkauf (Eintracht Braunschweig) und Arne Feick (VfR Aalen) wurden erstmals verstärkt zweitligaerfahrene Akteure im besten Fußballeralter verpflichtet. "Das ist unsere nächste Stufe der Entwicklung. Zu jungen entwicklungsfähigen Talenten brauchen wir auch gestandene Zweitliga-Spieler im besten Fußballer-Alter", bekräftigt FCH-Geschäftsführer Holger Sanwald. "Es wird sowieso schon schwer genug die Klasse zu halten."

Auf die Gehaltsstruktur hatten die Verpflichtungen kaum einen Einfluss. Sanwald: "Der Personaletat ist fast unverändert." Und das, obwohl mit den Transfererlösen für Florian Niederlechner (zum FSV Mainz 05) und Philip Heise (zum VfB Stuttgart) erstmals Ablösesummen von mindestens drei Millionen Euro in die Klubkasse wanderten. "Es freut uns natürlich, wenn sich Spieler in unserem Umfeld weiterentwickeln. Das muss ein Akteur aber auch wollen", meint Schmidt. "Ich sehe mich aber nicht nur als Trainer, der Spieler entwickelt. Ich will mit der Mannschaft immer den maximalen Erfolg rausholen."

Doch im Gegensatz zur Konkurrenz wurden die Einnahmen für Niederlechner und Heise nicht mit dem Füllhorn auf den Spielermarkt geworfen. "Wir haben das Geld zum Großteil in die Infrastruktur und die finanzielle Stärkung des Klubs investiert", betont Sanwald. So wurden sechs neue Umkleidekabinen für die Jugendmannschaften (die A-Junioren sind übrigens in die Bundesliga aufgestiegen) gebaut, eine Klimatechnik im Businessklub installiert, ein neues Park-Leit-System aufgebaut. Im Herbst soll die Geschäftsstelle vergrößert werden.

Der Verein befindet sich weiter in Aufbruchstimmung. "Wir machen jedes Jahr einen Schritt nach vorne", weiß Schmidt. "Wir spielen auch einen Fußball, der alles andere als langweilig ist." 8000 verkaufte Dauerkarten unterstreichen die ungebremste Euphorie in Heidenheim. Für das Saisonauftaktspiel am Sonntag (15.30 Uhr) gegen den TSV 1860 München waren bis gestern mehr als 11 000 Tickets verkauft. "Wir sind in allen Bereichen gewachsen und wollen unsere Grenzen weiter nach oben ausloten", fügt Sanwald hinzu. "Wir wollen die Stellschrauben weiter drehen." Der Etat beträgt nun 19 (bisher 16) Millionen Euro. Die Einnahmen aus dem Sponsoring-Bereich mit über 300 Partnern liegen mittlerweile bei sieben Millionen Euro.

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