Zürich Neue Chance für Platini

Vom Weltklasse-Kicker zum Sportfunktionär: Michel Platini.
Vom Weltklasse-Kicker zum Sportfunktionär: Michel Platini. © Foto: Imago
Zürich / DPA 21.10.2015
Auch in der größten Krise ihrer Geschichte hält die Fifa an dem Termin für die Kür eines Nachfolgers des gesperrten Präsidenten Joseph Blatter fest - und öffnet sogar eine Hintertür für den Kandidaten Michel Platini.

Der außerordentliche Kongress mit der Wahl des Fifa-Präsidenten soll wie geplant am 26. Februar 2016 abgehalten werden, dies beschloss das Exekutivkomitee des Weltverbands bei seiner Dringlichkeitssitzung am  Dienstag in Zürich. Trotz seiner aktuellen Sperre darf Uefa-Chef Platini weiter auf den Sprung ins höchste Amt des Fußballs hoffen. Nach Ende der Bewerbungsfrist am 26. Oktober werde eine Integritätsprüfung der Anwärter folgen, teilte die Fifa mit. Diese werde allerdings nicht durchgeführt, solange ein Kandidat suspendiert sei. Platinis Sperre läuft Anfang Januar aus und kann noch um 45 Tage verlängert werden. Die Fifa-Ethikkommission strebt wie im Fall Blatter ein schnelles endgültiges Urteil an.

Um antreten zu können, müsste nun der Einspruch des Franzosen gegen seine Suspendierung erfolgreich sein oder er von den Korruptionsvorwürfen freigesprochen werden. Ihm wird der Erhalt einer Zahlung in Höhe von zwei Millionen Schweizer Franken durch Blatter im Jahre 2011 für Dienste, die damals neun Jahre zurücklagen, zur Last gelegt. Für diese Vereinbarung gibt es nach Angaben Platinis keinen schriftlichen Vertrag, sondern nur ein "Gentleman's agreement".

Bei dem Notfall-Treffen ohne die gesperrten Blatter und Platini brachte die Fifa-Exekutive unter Führung des Interimspräsidenten Issa Hayatou Reformen auf den Weg und beschloss eine dringend notwendige Transparenz-Offensive. Auch in diesem Fall blieb das Gremium aber vage. Die Ethikhüter dürfen nun "mehr Informationen" über ihre Untersuchungen veröffentlichen, bislang galt eine Verschwiegenheitsklausel. Erst bei rechtskräftigen Urteilen konnte bislang eine Begründung veröffentlicht werden. Chef-Untersucher Cornel Borbely, aber auch Hans-Joachim Eckert als Vorsitzender der rechtsprechenden Kammer hatten sich vehement für das Recht zur Information eingesetzt. Nun könnte theoretisch auch über mögliche Untersuchungen beispielsweise gegen den Deutschen Fußball-Bund im Zuge des Vorwurfs schwarzer Kassen bei der WM-Bewerbung 2006 berichtet werden. Der DFB weist diese Vorwürfe zurück.

Die Fifa-Spitze begrüßte zudem das Maßnahmenpaket des neu eingerichteten Reformkomitees. Das Gremium schlug für Mitglieder des Exekutivkomitees eine Altersgrenze von 74 Jahren vor, zudem soll ein Fifa-Präsident maximal zwölf Jahre im Amt sein dürfen. Dies würde jedoch frühestens 2027 relevant.

Anzeige gegen Zwanziger?

WM-Skandal Der DFB erwägt laut der Süddeutschen Zeitung im Zusammenhang mit der ungeklärten Überweisung von rund 6,7 Millionen Euro an die Fifa eine Anzeige wegen Untreue gegen Theo Zwanziger. Er war als Vizepräsident des Organisationskomitees der WM 2006 für die Finanzen zuständig und soll den Geldtransfer vor zehn Jahren veranlasst haben.

 

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel