Taktik Nationalelf: Das zweite Spiel ist Löws schwerstes

Sotschi / gra 23.06.2018

Es war vermutlich keine gute Idee, eine bessere Gerätekammer im Untergeschoss des Fischt-Stadions als Kulisse für den ersten und letzten Auftritt des Bundestrainers vor der wegweisenden Partie gegen Schweden auszuwählen. Der Raum, in dem während des Jahres höchstwahrscheinlich die Rasenmähertraktoren und die Linienspurfahrzeuge geparkt werden, platzte aus allen Nähten, als Joachim Löw vor mehr als 200 Vertretern internationaler Medien seine Gedanken zu dem Duell schilderte. Das zweite Spiel der Gruppenphase wirkt plötzlich wie das schwerste in den zwölf Jahren, die er als Deutschlands höchster Fußballlehrer in Amt und Würden steht.

„Die wichtigsten Waffen sind Energie und eine andere Körpersprache“, sagte Löw mit fester Stimme: „Das ist eine WM der absoluten Hingabe und Leidenschaft.“ Eben jene Eigenschaften, die seine Spieler in dem in jeder Hinsicht ungenügenden Auftritt im Auftaktspiel gegen Mexiko (0:1) vermissen ließen. „Die Mannschaften verteidigen mit allem, was sie haben“, so erklärte der Bundestrainer, „das wird auch gegen Schweden so sein.“

Vor dem Schlüsselduell mit den Skandinaviern hatte er zudem eine Hiobsbotschaft zu verkünden: Mats Hummel wird voraussichtlich ausfallen. „Er hat sich den Halswirbel verrenkt“, sagte Löw. „Er konnte in keine Kopfballduelle gehen, und es hat sich nicht entscheidend verbessert.“ Weil gegen die Schweden Spieler gebraucht würden, „die im Luftkampf gut sind“, mache Hummels’ Einsatz „eher keinen Sinn“. Alternativ können Niklas Süle und Antonio Rüdiger die Position an der Seite von Jerome Boateng in der deutschen Abwehrzentrale einnehmen.

Plädoyer für die Etablierten

Der Bundestrainer glaubt an sein spielerisches Konzept und er plant, an seinem Stammpersonal festzuhalten. „Das grundsätzliche Vertrauen in die Spieler, die schon länger bei uns sind, wird nicht durch ein Spiel in die Brüche gehen“, sagte Löw. „Natürlich ist jeder dem Leistungsgedanken ausgeliefert. Aber sie sind in der Weltklasse noch immer ganz oben. Wozu diese Spieler infrage stellen? Das wäre ja fatal.“

Die Schweden, die in den Playoffs zur WM überraschend Italien ausschalteten, erwartete er defensiv. „Sie lieben es zu verteidigen“, so erklärte Löw. In vergangenen zwei Jahren kassierten die Nordländer im Schnitt nur rund 0,5 Gegentreffer pro Partie. Umso mehr gilt es, geschickt anzugreifen. „Wir brauchen nicht zu glauben, dass man ein paar hohe Bälle in den Sechzehner spielt und damit eine Chance hat“, meinte Löw: „Da sagt der Gegner: Schönen Dank!“

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