Fußball Nationalelf setzt in der Zitterpartie gegen Schweden auf Angriff

Sotschi / Armin Grasmuck 22.06.2018
Thomas Müller und Kollegen in der Offensive der Fußball-Nationalmannschaft zielen mit schnellen und direkten Pässen darauf, den Strafraum der Schweden zu erobern.

Die letzte große Zitterpartie? Da muss auch Miroslav Klose einen Augenblick überlegen. Der Weltmeister von 2014 – einst einer der besten Angreifer rund um den Globus, in Russland als Assistent von Bundestrainer Joachim Löw im Einsatz und nach der Weltmeisterschaft als Jugendcoach des FC Bayern unter Vertrag – hatte in seiner überaus erfolgreichen Karriere selbstverständlich auch knifflige Momente zu überstehen. „Der allererste Knackpunkt waren für mich die beiden K.o.-Spiele in der WM-
Qualifikation 2001 gegen die Ukraine“, so erinnert sich Klose: „Da habe ich zum ersten Mal erlebt, was diese Druckspiele sind.“

Die Lage war für ihn besonders bitter, weil er am Knöchel verletzt fehlte und den Kollegen aus der Ferne die Daumen drücken musste. 1:1 in Kiew, 4:1 in Dortmund. Ein paar Monate später wurde die deutsche Elf mit dem Torjäger in Japan Vizeweltmeister. „Wir haben unter Druck die besten Spiele gemacht“, sagt Klose nun 16 Jahre später auf dem Trainingsplatz von Sotschi: „Deswegen bin ich sehr positiv gestimmt.“

In der Partie heute im Fischt-Stadion, der umgebauten Olympia-Arena von 2014, gegen die Schweden (20 Uhr/ARD und Sky) geht es für die deutsche Elf wieder einmal um alles. Nach der überraschenden wie desaströsen 0:1-Pleite im Auftaktspiel gegen Mexiko darf sich der Titelverteidiger keine weitere Niederlage erlauben, sonst droht das abrupte Ende bereits in der Gruppenphase – so früh ist noch keine deutsche Mannschaft bei einer WM ausgeschieden.

Mehr Biss, mehr Disziplin und mehr Kommunikation auf dem Rasen, so lautet die Erfolgsformel, die Spieler und Trainer in zahlreichen Gesprächen nach der Niederlage vom Sonntag vereinbart haben. Es geht darum, im Mittelfeld kompakter zu agieren, auch um bei schnellen Gegenstößen, wie sie die Mexikaner perfekt zelebrierten, ordentlich dagegenhalten zu können. Der Schlüssel zum Erfolg soll jedoch in dem stark intensivierten Angriffsspiel liegen.

Volle Kraft voraus. Schneller und direkter in den Strafraum spielen, Chancen erarbeiten und konsequent verwerten – nach der Erkenntnis der Akteure und des Trainerstabs waren es genau diese Elemente aus dem offensiven Bereich, die im Duell mit den Mexikanern fehlten und in der Konsequenz zu den gravierenden Löchern führten, in die der Gegner geschickt mit seinen überfallartigen Kontern stieß.

Der Mann, der dem deutschen Angriff neuen Schwung geben soll, ist Marco Reus. Im ersten Spiel saß er 60 Minuten lang auf der Reservebank. Auch Mario Gomez scheint im Duell mit den kräftig gewachsenen Skandinaviern ein Kandidat für die Startelf zu sein. „Ich bin voll fit“, sagte der Routinier des VfB Stuttgart der SÜDWEST PRESSE. Ob er bereits ein entsprechendes Zeichen des Bundestrainer empfangen hat, ließ er offen. Eine Option ist das schwäbische Offensivduo mit Gomez und Timo Werner. „Mario in der Mitte und ich drumherum, das geht“, so befand Werner, in Stuttgart geboren und inzwischen bei RB Leipzig unter Vertrag.

„Diese Achse muss vorangehen“

Miroslav Klose sieht prinzipiell die Anführer der Auswahl in der Pflicht. „Wir haben die Leute, die die den Charakter haben, vorneweg zu gehen“, so erklärt es Löws Assistent. Er spricht von der Achse der Nationalelf, den Anführern, die auch den Mannschaftsrat bilden: Manuel Neuer, Mats Hummels, Sami Khedira, Toni Kroos und Thomas Müller. „Diese Achse muss vorangehen“, sagt Klose: „Gesprochen wurde genug. Jetzt muss geliefert werden.“

Info coco
Nur eine Niederlage in zwölf Spielen

WM-Bilanz Das 108. WM-Spiel der DFB-Auswahl im Fischt-Stadion von Sotschi ist eines der wichtigsten. Nie ist Deutschland bei einer WM nach der Vorrunde ausgeschieden. Die Bilanz: einmal Achtelfinale, dreimal Viertelfinale, einmal zweite Finalrunde, einmal Vierter und jeweils viermal Dritter, Zweiter und Weltmeister.

Schweden In zwölf Pflichtspielen gegen die Skandinavier gab es für die deutsche Elf nur eine Pleite: Schweden schaffte bei der Heim-WM 1958 durch ein 3:1 den Einzug ins Finale. Achtmal setzten sich die Deutschen durch, dazu kommen drei Remis. dpa

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