Nationalmannschaft Mario Gomez tritt aus der Nationalmannschaft zurück

Obwohl er erst seit Anfang der Woche wieder ins Training einstieg, spielte Mario Gomez im Testspiel gegen Atletico Madrid von Beginn an – kurz zuvor hatte er seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft bekanntgegeben.
Obwohl er erst seit Anfang der Woche wieder ins Training einstieg, spielte Mario Gomez im Testspiel gegen Atletico Madrid von Beginn an – kurz zuvor hatte er seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft bekanntgegeben. © Foto: Thomas Kienzle/afp
Stuttgart / Armin Grasmuck 06.08.2018

Die Thermometer in den schattigen Ecken der Stuttgarter Arena zeigte gut 35 Grad. Doch Mario Gomez hat es geschafft, den knapp 60 000 Zuschauer noch kräftiger einzuheizen. 90 Minuten vor dem Testspiel gegen Atletico Madrid sorgte er für die Nachricht des Tages: Der VfB-Torjäger gab seinen Rücktritt aus der DFB-Auswahl bekannt. „Meine Zeit in der Nationalmannschaft war sportlich nicht immer einfach, nicht immer erfolgreich und doch wunderschön! Nun ist es aber an der Zeit, Platz zu machen und den vielen jungen und hochtalentierten Jungs die Möglichkeit zu geben, ihren Traum zu erfüllen, sich zu beweisen, Erfahrungen zu sammeln und das Beste für Deutschland zu erreichen“, schrieb Gomez auf der Internet-Plattform Facebook.

Der 33 Jahre alte Schwabe ist nach Mesut Özil der zweite Nationalspieler, der die Konsequenzen aus dem Debakel zog, das die deutsche Auswahl bei der Weltmeisterschaft erleben musste.

Für die Verantwortlichen des VfB kam der Rücktritt keineswegs überraschend. „Wie er das rübergebracht hat, zeigt, was für eine Persönlichkeit Mario ist“, sagte Stuttgarts Sportvorstand Michael Reschke. Bereits im Trainingslager im bayerischen Grassau habe er mit Gomez über das Thema gesprochen. „Das ist typisch Mario Gomez. Nicht, dass er uns bei dieser Geschichte um Rückmeldung gebeten hat, weil es seine persönliche Entscheidung ist, sondern dass wir in jeder Phase informiert waren.“

Gomez und die Nationalmannschaft, es war eine mehr oder weniger tragische Geschichte. Im Höchsttempo und mit voller Wucht stürmte der im oberschwäbischen Riedlingen geborene Vollblutangreifer in die Auswahl der besten Kicker der Nation. In seinem ersten Länderspiel – am 7. Februar in Düsseldorf beim 3:1 gegen die Schweiz – erzielte er gleich ein Tor. Ein paar Monate später war er Deutscher Meister mit dem VfB und Deutschlands Fußballer des Jahres. Ein Jahr später machte er sich zum Gespött, als er bei der Europameisterschaft in Österreich den Ball aus einem halben Meter über das Tor schoss – und zerbrach fast daran. Gomez fehlte verletzt, als die deutsche Mannschaft 2014 bei der WM in Brasilien triumphierte. Er kehrte zurück, schaffte den Sprung in den Kader für das Projekt Titelverteidigung Russland und wurde zu einem Gesicht der historischen Pleite.

Nach dem Abgang aus der deutschen Auswahl gilt seine volle Konzentration dem VfB. Seit er im vergangenen Winter vom VfL Wolfsburg zurück an den Neckar gewechselt ist, zählt er zu den festen Größen im Kader der Stuttgarter. Im Test gegen Atletico, der 1:1 endete, spielte Gomez von Beginn an, obwohl er sich erst seit Anfang der Woche wieder im Training befunden hatte.

Gerechtes Remis

Die Startelf, die Trainer Korkut auf das Spielfeld schickte, könnte so auch in den ersten Pflichtspielen – am 18. August im DFB-Pokal bei Hansa Rostock und acht Tage später in der Bundesliga bei Mainz 05 – antreten. Er baute auf vier Neuzugänge: Pablo Maffeo, Gonzalo Castro, Daniel Didavi und Nicolas Gonzales. Der VfB hielt im Duell mit der spanischen Spitzenmannschaft, in der Stars wie Weltmeister Antoine Griezmann fehlten, nach Kräften mit. Es war selbstverständlich, dass nach den schweißtreibenden Einheiten im Trainingslager die letzte Spritzigkeit fehlte.

Didavi erzielte in der 58. Minute das 1:0, doch Antonio Moya gelang nur zwei Minuten später per Weitschuss der Ausgleich. Die Chance zum Sieg vergab Erik Thommy, er knallte in der 72. Minute einen Elfmeter an die Latte.

Rauball legt nach

Nach Geschäftsführer Christian Seifert hat nun auch Präsident Reinhard Rauball von der Deutschen Fußball Liga (DFL) beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) eine Professionalisierung der Führungsspitze gefordert. „Wir benötigen eine klare Managementstruktur mit einem hauptamtlichen Vorstand, der dann auch in der Verantwortung steht", sagte Rauball der Bild am Sonntag, „und einen Aufsichtsrat, der sich aus Amateuren und Profi-Vertretern sowie möglicherweise auch aus Externen zusammensetzen könnte". Im Nachgang der Affäre um Ex- Nationalspieler Mesut Özil hatte der DFB für dessen Aufarbeitung von vielen Seiten Kritik einstecken müssen. sid

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