Fußball Löws Co-Trainer Marcus Sorg im Interview

Ulm / Winfried Vogler 28.07.2018

Nach dem Debakel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der WM in Russland hat das Trainerteam um Joachim Löw bis 29. August Zeit, das Vorrunden-Aus aufzuarbeiten. Einer seiner Assistenten, Co-Trainer Marcus Sorg, gehört dabei zu seinen Vertrauenspersonen. Wie der 52 Jahre alte Ulmer im Interview bekräftigt, plant er seinen Verbleib beim Deutschen Fußball-Bund.

Herr Sorg, Wie nehmen Sie die aktuelle mediale Wucht rund um die Nationalmannschaft wahr?

Marcus Sorg: Wenn man mit der deutschen Nationalmannschaft unterwegs ist, dann ist die mediale Aufmerksamkeit enorm, das weiß man. Wenn der Erfolg ausbleibt, muss man einiges aushalten, das gehört dazu. Aber das zeigt auch, wie groß das Interesse an der deutschen Nationalmannschaft ist. Ich bin stolz, beim DFB arbeiten zu können.

Finden Sie die teilweise heftige Kritik in Ordnung?

Was heißt in Ordnung, ich kann sie nachvollziehen. Wir sind in der Vorrunde ausgeschieden. Ein Aufarbeiten findet intern bereits statt. Wir müssen vorausschauen, indem wir Lösungen finden und an den richtigen Stellschrauben drehen. Wir dürfen uns aber auch nicht kleiner machen, als wir sind. Wenn Entscheidungen Sinn machen, dann muss man sie treffen. Wichtig ist dabei, alles offen und ehrlich anzusprechen.

Haben Sie auch positive Erinnerungen von der WM in Russland mitgenommen?

Wir waren ja zweimal in Russland, auch schon letztes Jahr beim Confed Cup. Insgesamt war ich in den letzten zwölf Monaten acht Wochen in Russland. Mich hat total gefreut, wie freundlich die Leute sind und auf einen zugehen. Das war sehr beeindruckend. Natürlich auch die Weite des Landes. Wenn man allein die Strecken sieht, die von Spielort zu Spielort zu überwinden sind, ist das für mich unvorstellbar gewesen. Allein Moskau – wie groß die Stadt von einem Ende zum anderen ist, das war sehr beeindruckend.

Fußballfans sehen Sie im Fernsehen bei Spielen oft in der ersten Halbzeit oben auf der Tribüne. Warum?

Ich bin seit März 2016 bei der Nationalmannschaft. Damals haben wir eingeführt, dass einer aus dem Trainerteam das Spiel von der Tribüne aus beobachtet. Von dort kann man das Spielgeschehen, die taktische Ausrichtung oder auch Einzelaktionen  aus einer besseren Perspektive analysieren. Am Spielfeldrand hat man nun mal ein eingeschränktes Sichtfeld, daher wollen wir noch mehr Informationen von oben nutzen.

Liegt Ihnen die Rolle des Assistenten?

Es ist schon was Spezielles. Ich habe als Co-Trainer in der 2. Bundesliga und parallel Amateurtrainer bei den Stuttgarter Kickers angefangen. Ich weiß, wie es ist, wenn man als Assistent jemandem zuarbeitet. Umso mehr Dinge man abdecken kann und erlebt hat, desto mehr lernt man dazu. Ich habe in den letzten zwei Jahren unglaublich viel dazugelernt vom Bundestrainer und dem gesamten Zirkel um die Nationalmannschaft herum. Natürlich hängt die Jobzufriedenheit immer damit zusammen, wie viel Verantwortung man übertragen bekommt. Da ist der Bundestrainer uns gegenüber sehr komfortabel. Wir haben gewisse Dinge, die wir selber umsetzen können in Verbindung mit der Freiheit, auch Entscheidungen zu treffen. Ich fühle mich daher sehr wohl in dieser Rolle.

Wie ist die Verteilung der Kompetenzen und Aufgaben im Trainerteam mit Jogi Löw?

Wir besprechen sehr viel gemeinsam und setzen es dann aufgeteilt um.

Wie werden dann die Entscheidungen im Trainerteam getroffen?

In der Regel ist es ein offener Austausch, an dessen Ende die Entscheidung des Bundestrainers steht – und das ist auch völlig richtig so.

Und wer entscheidet die Kleiderordnung auf der Trainerbank?

Die Kleidung wird vom Ausrüster gestellt und somit fast vorgegeben. Wir tragen alle das gleiche Outfit, da für uns klar ist, dass wir einheitlich auftreten.

Wie kommen Sie im Team zusammen?

Wir absolvieren viele Workshops und treffen uns bei Trainertagungen, aber arbeiten natürlich auch über Videoportale oder nutzen Telefonkonferenzen.

Gibt es Ambitionen, wieder in der Bundesliga als Trainer zu arbeiten?

Wenn ich etwas in dem Metier gelernt habe dann, dass man nichts ausschließen und nichts detailliert planen kann. Für mich sind die nächsten Jahre aber geklärt: Ich habe einen längerfristigen Vertrag beim DFB. Ich bin sehr zufrieden, mir macht die Aufgabe sehr viel Spaß und ich sehe hier auch meine mittelfristige Zukunft.

Über die U 19 zum DFB-Assistenten

An Weihnachten 1965 in Ulm geboren, hat Marcus Sorg eine beeindruckende Trainerlaufbahn hinter sich. Nach Spielerstationen vom SSV Ulm bis zu den TSF Ditzingen coachte der heute 52-Jährige unter anderem die Stuttgarter Kickers und den SC Freiburg. 2013 kam der Schwabe als U-19-Coach zum Deutschen Fußball-Bund (DFB) , drei Jahre später wurde er Co-Trainer von Joachim Löw. Marcus Sorg lebt mit seiner Frau und seinen zwei Söhnen in Neu-Ulm. Allerdings sieht er seine Familie wenig: Als Co-Trainer des DFB ist er 250 Tage im Jahr unterwegs. mha

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