Fußball Leitartikel zur Bundesliga

Armin Grasmuck
Armin Grasmuck © Foto: Marc Hoerger
Armin Grasmuck 20.05.2017

Auf den Nervenkitzel im Kampf um die Meisterschaft haben die Anhänger der Fußball-­Bundesliga auch in dieser Saison vergeblich gewartet. Spätestens nach dem souveränen 3:0 kurz vor Weihnachten über den schärfsten Verfolger, Rasenballsport Leipzig, stand Bayern München als Titelträger fest. Spielstark, abgezockt, in jeder Hinsicht haushoch überlegen – wie in den vergangenen vier Jahren. Für die vermeintlichen Konkurrenten ist es nur ein schwacher Trost, dass Lewan­dowski, Robben und Kollegen unter dem Trainer Carlo Ancelotti nur selten so spektakulär­
wie unter Vorgänger Pep Guardiola auftrumpfen konnten.

Spielfreude und frische Energie versprühten über weite Phasen die Senkrechtstarter aus Leipzig, die sich als Aufsteiger mit Vollkaracho im Spitzenfeld der Eliteklasse etablierten. Mit schnellen Direktpässen und klarem Konzept zog die Mannschaft von Ralph Hasenhüttl in die Champions League ein. Sie macht den Eindruck, als könne sie – auf dem Spielfeld und daneben – in der nächsten Saison sogar noch einen Gang zulegen.

Ähnlich bunt und munter agierten die Hoffenheimer unter dem höchst talentierten Anleiter Julian Nagelsmann, die in den direkten Duellen mit den Bayern sage und schreibe einen Sieg und ein Remis errangen. Mit der richtigen Portion an Mut und Leidenschaft agierten auch die Freiburger, Aufsteiger wie Leipzig und zu Saisonbeginn selbst im Kreis der sogenannten Experten als potenzieller  Abstiegskandidat gehandelt. Christian Streich, von Joachim Löw bereits als Trainer des Jahres geadelt, lebte einmal mehr den allzeit mutigen und aufrichtigen Kampf des Klubs aus dem Breisgau vor, die Kicker folgten ihm und punkteten konstant.

Bewundernswerter BVB

Eindrucksvoll, auf andere Art, wird diese Spielzeit in den Köpfen der Dortmunder haften bleiben. Das schreckliche Bomben­attentat im April erschütterte den Traditionsklub, kurz darauf kam es zum Bruch zwischen ­Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Trainer Thomas Tuchel. Es ist umso bewundernswerter, dass der BVB allen Widrigkeiten zum Trotz mit ­einem Spitzenplatz abschließt.

Positiv überraschten die ­Elf­ von Hertha BSC, die sich ­zumeist als kompakte Einheit ­präsentierte, der 1. FC Köln mit dem herausragenden Torjäger Anthony Modeste und, zumindest in der Hinrunde, die Frankfurter, denen Niko Kovac den richtigen Biss zu vermitteln schien, sowie die plötzlich ­erfolgreichen Bremer.

Dagegen blieben Gladbach, Schalke, Wolfsburg und, einmal mehr, der Hamburger SV weit hinter den Prognosen zurück.