VfB Stuttgart Korkuts Heimdebüt macht Hoffnung

Zwei Spiele, vier Punkte auf der Habenseite: Trotz des scharfen Gegenwindes zahlreicher Fans unmittelbar nach seiner Verpflichtung hat der neue VfB-Cheftrainer Tayfun Korkut (in Schwarz) einen gelungenen Einstand gefeiert.
Zwei Spiele, vier Punkte auf der Habenseite: Trotz des scharfen Gegenwindes zahlreicher Fans unmittelbar nach seiner Verpflichtung hat der neue VfB-Cheftrainer Tayfun Korkut (in Schwarz) einen gelungenen Einstand gefeiert. © Foto: Eibner
Stuttgart / Wolfgang Scheerer 12.02.2018

Ein bisschen Meister-Gen kann auch im heißen Abstiegskampf nicht schaden. Dachten sich die Stuttgarter und luden die Bundesliga-Titelträger von 2007 zur Heimpremiere des neuen Trainers Tayfun Korkut ein. Einige wie Cacau oder der Mexikaner Pavel Pardo kamen zum Spiel gegen Borussia Mönchengladbach und jubelten mit beim immens wichtigen 1:0 (1:0)-Erfolg, drei waren sogar noch aktiv auf dem Platz: Mario Gomez, Christian Gentner und Andreas Beck.

Die Ehemaligen und die 53 300 Zuschauer, von denen Korkut  weder mit Pfiffen noch mit Transparenten, sondern positiv empfangen wurde, bekamen gleich das Wichtigste geboten. Nach viereinhalb Minuten zappelte die Kugel im Tor. Die Gäste leisteten sich einen Ballverlust in der Vorwärtsbewegung. Der VfB schaltete blitzschnell. Gomez schickte Sturmkollege Daniel Ginczek mit einem Traumpass, der 26-Jährige schoss  am herauslaufenden Tobias Sippel vorbei eiskalt ins rechte Eck.

Bis die Gladbacher vor VfB-Torhüter Ron-Robert Zieler auftauchten, sollte es dauern. Lars Stindl (26.) traf den Ball schlecht, kein Problem für Zieler, der eine Minute später beim Schuss von Christoph Kramer zwar den Ball prallen ließ, doch keiner kam mehr heran. Korkut lebte das Spiel regelrecht mit, musste vom vierten Offiziellen Patrick Alt immer wieder ermahnt werden, doch bitteschön die Coachingzone nicht zu verlassen. In der 32. Minute sah der Trainer  die Riesenchance zum 2:0. Kapitän Gentner legte quer, Gomez am zweiten Pfosten verpasste um ein Haar. Wenig später köpfte Timo Baumgartl nach der einzigen VfB-Ecke übers Tor (33.). Wieder lieferte der erneut im offensiven Mittelfeld eingesetzte Gentner die Vorlage. Bereits das Führungstor hatte der 32-Jährige mit dem Pass auf Gomez eingeleitet.

Der VfB zeigte großen Einsatz und Willen – kein Vergleich zum 0:2-Desaster gegen Schalke unter Hannes Wolf unmittelbar vorm Trainerwechsel. Die Mannschaft mit dem Brustring versäumte es aber, noch ein Tor nachzulegen.

Dabei ließ Korkut, wie angekündigt, betont offensiv spielen: mit Ginczek in der Startelf, nicht erst als Joker. Und der 43-jährige Schwabe mit türkischen Wurzeln setzte auf dieselbe Defensivformation wie beim 1:1 in Wolfsburg. Für Rückkehrer Holger Badstuber bedeutete das zunächst einen Platz auf der Bank.

Bei Gladbach kam zur zweiten Halbzeit ein weiterer Offensivmann: Raffael, zuletzt mit Wadenverhärtung ausgefallen, war Doppeltorschütze beim 2:0 in der Hinrunde gewesen. Mit einem Volley-Hammer von der Strafraumgrenze hatte der Brasilianer diesmal den Ausgleich auf dem Fuß (63.), doch Zieler rettete mit erstklassigem Reflex.

In der 65. Minute brachte Korkut dann Badstuber und baute die Vierer- zur Fünfkette aus. Der VfB kam zu keiner nennenswerten Chance mehr, verdiente sich die wichtigen drei Punkte am Ende aber redlich, zumal die in der Schlussoffensive wenig überzeugenden Gladbacher durch den eingewechselten Josip Drmic auch die zweite Möglichkeit zum Ausgleich versiebten (80.).

Vier Punkte Vorsprung

„Es war ein Kampf über 90 Minuten. Wir haben gezeigt, dass wir den Klassenerhalt schaffen können“, sagte Christian Gentner und atmete hörbar durch. Auch vier Minuten Nachspielzeit waren zu überstehen. Der VfB verteidigte leidenschaftlich. „Wir haben den Punkt von Wolfsburg heute vergoldet – mit super Anfangsphase und super Tor“, sagte Korkut. „Glückwunsch für Leistung und Flexibilität der Mannschaft.“

Der knappe Vorsprung zu den Abstiegsrängen, hatte er betont, der solle natürlich nicht nur gehalten, sondern ausgebaut werden. Durch die Niederlagen von Köln, Hamburg und Mainz am Samstag war klar, dass Korkuts Elf gestern auf jeden Fall mindestens einen Punkt Abstand zu Rang 16, dem Relegationsplatz, halten würde. Nun sind es sogar vier.

Stindls Tormisere bringt Hecking in Not

Der Stürmer war einer der Gewinner in der Nationalmannschaft beim Confed Cup 2017 und Gladbachs bester Torschütze in der vergangenen Spielzeit (elf Treffer). Doch in dieser Bundesligasaison läuft es bei Lars Stindl, 29, gar nicht rund. Seit zehn Spielen, exakt 984 Minuten, hat der Borussen-Kapitän nicht mehr getroffen. Gegen Leipzig (0:1) in der Vorwoche vergab er die Führung. „Ein Tor täte gut fürs Selbstvertrauen“, sagt Trainer Dieter Hecking, der nach der vierten Pleite im fünften Rückrundenspiel selbst unter Druck gerät. Steht Markus Weinzierl schon vor der Tür? Mit vier Toren hat Stindl, der sich beim Bundestrainer eigentlich für die WM empfehlen will, in der laufenden Spielzeit so oft getroffen wie Innenverteidiger Matthias Ginter.