Kommentar Der Ruf nach Hrubesch ist kopfballungeheuerlich

Armin Grasmuck
Armin Grasmuck © Foto: Marc Hoerger
Ulm / Armin Grasmuck 14.03.2018
Es spricht für den Mangel an ausgewiesenen Spitzenkräften im Frauenfußball, dass Horst Hrubesch die Nachfolge der beurlaubten Bundestrainerin Steffi Jones antritt.

Diese Nachricht klingt wie ein schlechter Witz, doch sie ist nüchterne Wirklichkeit. Horst Hrubesch, in seiner aktiven Zeit als sogenanntes Kopfballungeheuer zwischen Elbe und Isar bekannt und gefürchtet, wird zumindest in den nächsten Wochen und Monaten die besten deutschen Fußballerinnen als Trainer anleiten.

Spielgestalterin Dzsenifer Marozsan und ihre Kolleginnen sind zu beglückwünschen. Denn der 66 Jahre alte Hrubesch hat als Verbandstrainer großartige Arbeit geleistet. Vor neun Jahren machte er Talente wie Manuel Neuer, Mats Hummels und Sami Khedira zu U-21-Europameistern, mit der Olympia-Auswahl holte er zuletzt Silber. Er gilt als aufrichtiger Recke, offen und direkt in der Ansprache.

Für den Fußball der Frauen ist die Personalie Hrubesch jedoch ein ­Armutszeugnis. Der Trainer hat in diesem Bereich, der sich – wie tausendfach von allen ­Seiten diskutiert, beteuert und belegt – grundlegend von dem Wettbewerb der Männer unterscheidet, nachweislich keinerlei belastbare Kenntnisse. Im reifen Alter betritt er Neuland, riskiert seinen guten Ruf, obwohl er sich schon lange nach Ruhe sehnt.

Es spricht für sich, dass sich im deutschen Frauenfußball ­keine erstklassige Kandidatin und kein Kandidat etabliert haben, obwohl die Nationalmannschaft seit Jahrzehnten in der Welt­spitze spielt. Steffi Jones reichten ihre Erfolge als Aktive. Der Ruf nach Hrubesch ist einfach kopfballungeheuerlich. 

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