Fußball Jogi Löw macht weiter

Joachim Löw will seinen bis zur WM 2022 laufenden Vertrag beim DFB erfüllen und bleibt auch nach dem bitteren Vorrunden-Aus Trainer der deutschen Nationalelf.
Joachim Löw will seinen bis zur WM 2022 laufenden Vertrag beim DFB erfüllen und bleibt auch nach dem bitteren Vorrunden-Aus Trainer der deutschen Nationalelf. © Foto: Christian Charisius/dpa
Frankfurt / Von Gerold Knehr 04.07.2018

Ein Konzept, wie es mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft nach dem trostlosen Vorrunden-Aus bei der WM in Russland weitergehen soll, konnte Joachim Löw gestern noch nicht liefern. „Ich werde gemeinsam mit meinem Team analysieren, Gespräche führen und zum Start der neuen Saison die richtigen Schlüsse ziehen. Das alles braucht Zeit, wird aber alles rechtzeitig bis zum Start in die neue Länderspielsaison im September geschehen“, sagt der Bundestrainer.

Eines aber weiß Löw genau: „Ich möchte mit ganzem Einsatz den Neuaufbau gestalten“, sagt der 58-Jährige sechs Tage nach dem bitteren 0:2 gegen Südkorea und dem WM-Aus. Auf diese Entscheidung hatten  DFB-Präsident Reinhard Grindel, Vize Rainer Koch, Ligapräsident Reinhard Rauball und Teammanager Oliver Bierhoff gewartet. Sie nahmen gestern in einer kurzfristig anberaumten Sitzung Löws Zusage zum Weitermachen ohne Umschweife an – nicht zuletzt auch aus Mangel an Alternativen. Wer bitteschön hätte Löws Job übernehmen sollen? Lothar Matthäus oder Stefan Effenberg? Der beim SC Freiburg fest verwurzelte Christian Streich? Der Österreicher Ralph Hasenhüttl oder der Elsässer Arsène Wenger, die beiden einzigen im Moment freien Trainer-Kapazitäten?

Der DFB hatte in der Trainerfrage nie einen Plan B. Auch wenn der DFB-Boss das Konzept, mit dem die Rückkehr zum Besseren gelingen soll, noch nicht kennt, ist Grindel überzeugt: „Jogi Löw wird uns zurück in die Erfolgsspur führen.“

Joachim Löw muss jetzt liefern. „Ich bin sehr dankbar für das Vertrauen, das der DFB weiterhin geschlossen in mich setzt“, wird er in einer Verbandsmitteilung zitiert. Öffentlich äußern wollte er sich nicht. Er verließ die Verbandszentrale durch den Hinterausgang.

Keine Rede von Konsequenzen

Von personellen Konsequenzen in Mannschaft oder Betreuerstab war gestern nicht die Rede. Allerdings steht Löw nach dem erstmaligen Vorrunden-Aus in der WM-Geschichte des Deutschen Fußball-Bundes vor einer gewaltigen Aufgabe. Die Machtbasis des Bundestrainers und des Teammanagers Bierhoff steht auf tönernen Füßen. Vor allem die Sorglosigkeit der sportlichen Leitung habe zur WM-Pleite geführt, berichtet die FAZ aus „Spielerkreisen“ und nach Gesprächen mit zwei „erfahrenen Kennern der sportlichen und organisatorischen Verhältnisse in der Nationalmannschaft“.

Löw habe demnach den Leistungsgedanken in der Mannschaft ausgehebelt, was zur Spaltung der Mannschaft beigetragen habe. Dass Löw Kapitän Manuel Neuer nach dessen Verletzung einen Sonderstatus einräumte, soll „für einige Spieler“ ein Problem gewesen sein. Überhaupt habe Löw älteren Verdiensten den Vorrang eingeräumt, jüngere Spieler seien für ihren Einsatz im Training nicht honoriert worden.

Weitere Kritikpunkte der namentlich nicht genannten Insider: die Auswahl der Testspielgegner in der Vorbereitung; die Hybris Bierhoffs bei der Quartierwahl („Spielplan von hinten gedacht“); der Besuch der Bundeskanzlerin am Vorabend der endgültigen Kader-Benennung im Trainingslager in Südtirol; der Umgang mit Mesut Özil; und, und, und. Dennoch gab es beim DFB nie Zweifel an der weiteren Zusammenarbeit.

Löws Neustart erfolgt im September. Am 6. 9. empfängt der entthronte Weltmeister in München im Rahmen des neuen Nationenliga-Wettbewerbs  Frankreich, einen seiner potenziellen Nachfolger. Drei Tage später ist Peru in Sinsheim der Herausforderer der Nationalelf. Die ist nach der Enttäuschung in Russland besonders gefordert. In beiden Begegnungen wird Löw genau auf die Finger geschaut. Er muss den Mut aufbringen, sich von verdienten Spielern zu trennen (Sami Khedira, Mario Gomez), er muss entscheiden, ob er weiter auf Spieler wie Mesut Özil oder Thomas Müller baut beziehungsweise wie er sie wieder aufbauen kann, wie er sein Team taktisch neu ausrichten, die Torgefahr erhöhen, die Konteranfälligkeit minimieren und den Spielern neuen Biss vermitteln kann.

Dass dies gelingen wird, davon ist Löw mit Blick auf sein junges Personal überzeugt. „In vier Jahren sind Spieler wie Joshua Kimmich, Timo Werner, Leroy Sane, Niklas Süle, Juian Brandt und Leon Goretzka auf dem Zenit ihres Könnens. Das ist für mich eine spannende und reizvolle Aufgabe“, hatte Löw bereits vor dem Start der Weltmeisterschaft in Russland gesagt. Jetzt kann und muss er beweisen, ob er die Erwartungen mit der neuen Fußballer-Generation auch umsetzen kann.

Polen geht anderen Weg als der DFB

Alles beim Alten im deutschen Lager, Polen dagegen sucht einen neuen Trainer. Fünf Tage nach dem letzten Gruppenspiel gegen Japan (1:0) teilte der Verband gestern in Warschau mit, dass der auslaufende Vertrag mit Adam Nawalka, 60, nicht verlängert wird.

Die Mannschaft hatte nach der Niederlage gegen den Senegal zum Auftakt (1:2) schon nach dem zweiten Gruppenspiel gegen Kolumbien (0:3) keine Chance mehr auf den Einzug in die K.o. Runde. Nawalka verdiene ein „großes Dankeschön“, das Team brauche jedoch „Korrekturen“, sagte PZPN-Präsident Zbigniew Boniek.

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