Beim selbst ernannten Karnevalsverein FSV Mainz 05 ist am 11.11. niemand zum Lachen und Feiern zumute. Die Schießbude der Fußball-Bundesliga erlebte eine Woche nach dem 0:8 bei RB Leipzig nun gegen Union Berlin die nächste Pleite.

Sandro Schwarz durfte bei der Aufarbeitung am Sonntag trotzdem mitwirken - anders als beim mitunter jecken 1. FC Köln, der am Vortag Achim Beierlorzer vor die Tür setzte, sind die Rheinhessen keine Freunde von schnellen Trainerrauswürfen.

„Ich möchte nicht jede Woche ein Plädoyer halten“, sagte Sportvorstand Rouven Schröder nach dem 2:3 gegen den Aufsteiger am Samstag. „Sandro Schwarz ist unser Trainer und wir werden uns gemeinsam mit ihm kritisch hinterfragen.“ Schröder hatte bereits unter der Woche den Chefcoach vehement verteidigt. Jetzt stehen die Nullfünfer nach elf Spieltagen mit nur neun Punkten und einem miserablen Torverhältnis von 12:30 auf dem Relegationsplatz. Acht Niederlagen hatte Mainz zu diesem Zeitpunkt noch nie kassiert.

„Ich habe keine Furcht“, sagte Schwarz. Der 41 Jahre alte gebürtige Mainzer ist seit Mai 2017 im Amt und hat einen Vertrag bis 2022. „Das kann ich nicht ändern“, sagte er achselzuckend zur aufkommenden Trainerfrage und behauptete: „Es berührt mich auch nicht.“ Tief getroffen hatte ihn aber das Auftreten seiner Mannschaft, die sich immer mehr der Frage der Bundesliga-Tauglichkeit stellen muss.

Nach einem Eigentor von Daniel Brosinski (30. Minute) und zwei Kopfballtreffern des Schweden Sebastian Andersson (45. +3/51.) lagen die Gastgeber bereits kurz nach der Pause mit 0:3 hinten. Karim Onisiwo (81.) und Daniel Brosinski (90.+4) verkürzten noch auf 2:3, als Union die Kräfte schwanden. „Das war totales Versagen von allen auf dem Platz“, sagte Kapitän Brosinski. „Am Ende bringt es auch nichts, wenn du noch zwei Tore schießt. Da war das Spiel längst gegessen.“

Union feierte derweil am Tag des 30-jährigen Mauerfall-Jubiläums den ersten Auswärtssieg der kurzen Liga-Historie. Dass das Team von Coach Urs Fischer eine Woche nach dem Derbysieg nun in der Tabelle sogar vor dem Stadrivalen Hertha liegt, ist ein besonderer Prestigeerfolg. Das Plakat „Berlins Nummer 1“ hing schon vor dem Anpfiff im Block der Gästefans.

Auf dem Zaun bei ihren treuesten Anhängern hatten die Mainzer schon viele „Humbas“ gefeiert. Diesmal kletterten einige erboste Fans rüber auf den Rasen und konnten nur mühsam von Ordern zurückgehalten werden. Dennoch stellten sich die Profis den Beschimpfungen und der Kritik.

Schröder ist „hundertprozentig“ davon überzeugt, dass sein Team die Klasse für den Klassenerhalt hat - „da lasse ich mir auch nichts anderes einreden“, sagte der Sportchef und verwies auf die Langzeitverletzten Stefan Bell, Dong-Won Ji und Jean-Philippe Mateta. Bereits an Schwarz-Vorgänger Martin Schmidt hatte Schröder entgegen aller Mechanismen des Geschäfts in der Rückrunde 2016/17 trotz tiefer Krise festgehalten - und damit Erfolg gehabt. Mainz stieg nicht ab.

„Es geht nicht um Personen, es geht um den Verein“, sagte Schröder. „Das Vertrauen in die Mannschaft bleibt.“ Den Trainer schloss er bei diesem Satz nicht mit ein. „Klar, dass der Druck größer wird. Klar, wir müssen die Kurve kriegen - und das sollten wir schnellstmöglich.“

Kader des 1. FC Union Berlin

Spielplan des 1. FC Union Berlin

Kader des FSV Mainz 05

Spielplan des FSV Mainz 05

Bundesliga-Tabelle

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Schröder und Brosinski im Mainzer Club-TV

Spielbericht auf Homepage von Union Berlin