Mönchengladbach / Von Dietmar Fuchs, dpa

Mitten in der Krise hat Borussia Mönchengladbach das Ende der Ära Dieter Hecking eingeleitet. Nur wenige Monate nach der Vertragsverlängerung wurde bei dem auf Platz fünf zurückgefallenen Champions-League-Anwärter die Trennung vom Trainer zum Saisonende angekündigt.

„Das ist eine der schwersten Entscheidungen meiner Tätigkeit, das Dieter am Montag zu vermitteln“, kommentierte Sportdirektor Max Eberl am Tag danach auf der Pressekonferenz des Fußball-Bundesligisten. Er habe diese Entscheidung „für die Zukunft des Clubs gefällt“, betonte der 45 Jahre alte Eberl - und schob am Dienstag vier bemerkenswerte Worte hinterher: „Kein Streit, kein Schlagen.“

Der 54 Jahre alte Hecking war im ersten Moment tief getroffen, wollte hinwerfen: „Es war für mich eine Riesen-Enttäuschung. Mir gingen tausend Dinge durch den Kopf.“ Nach dem persönlichen Gespräch mit Eberl wollte er seinem Vorgesetzten mitteilen, ob er am Tag danach überhaupt noch den Weg Richtung Borussia-Park einschlagen wollte. Dann sagte er zu sich: „Die Mannschaft lasse ich nicht im Stich bis zum bitteren Ende.“ Dieses Ende solle „süß sein“ und im besten Fall mit der Qualifikation für die Champions League enden.

Hecking sei „ein großartiger Mensch“, sagte Eberl, der gemeinsam mit dem Noch-Coach auf dem Podium saß und sehr bewegt wirkte. Mit der Aktualität habe das Ganze nichts zu tun, wohl aber „mit einem Gefühl: Wir wollen im Sommer etwas Anderes machen.“ Was das sein wird, deutete Eberl lediglich an, als er meinte, es würden gute Gespräche mit Kandidaten geführt. „Aber es gibt jetzt nichts zu verkünden, es gibt keinen finalen Stand.“

Nach Medieninformationen werden zwei Namen gehandelt: der Leipziger Marco Rose von RB Salzburg und der Schweizer Gerardo Seoane von den Young Boys Bern. Rose soll auch bei Schalke 04 und beim VfL Wolfsburg im Gespräch sein.

Die Trennung von Hecking im Sommer kommt überraschend. Erst im November hatten der Club und sein Coach beschlossen, den Kontrakt bis zum 30. Juni 2020 zu verlängern. Hecking hatte die Borussia-Profis im Dezember 2016 als Nachfolger von André Schubert übernommen und die Elf vom Niederrhein damals und auch in der Spielzeit 2017/18 auf den neunten Platz geführt.

In dieser Saison lief es ungleich besser: Das Team des fünfmaligen deutschen Meisters gewann in der Hinrunde alle acht Heimspiele und war im Dezember als Dritter hinter Dortmund und Bayern München auf klarem Kurs Richtung Königsklasse. Zeitweise bot das Hecking-Team herausragende Leistungen wie beim 3:0-Erfolg am siebten Spieltag bei den Bayern. „Die Mannschaft spielt über ihrem Limit“, sagte Hecking jetzt zum generellen Verlauf, ohne andere Dinge zu verschweigen.

Zu diesen gehören enttäuschende Resultate wie etwa das 0:5 in der zweiten Runde des DFB-Pokals gegen Bayer Leverkusen. Die Heimserie ging am 21. Spieltag beim 0:3 gegen Hertha BSC zu Ende. Gegen Wolfsburg (0:3) und die Bayern (1:5) folgten zwei weitere Heimpleiten. Ein Tiefpunkt wurde am Samstag mit dem 1:3 bei Aufsteiger Düsseldorf erreicht. 0:3 lag das Team nach nur 16 Minuten zurück. Hecking: „Das war ein Tiefschlag.“ Nur ein Erfolg aus den zurückliegenden sieben Spielen - das ist ein großes Manko, zu dem Eberl nach der Pleite bei der Fortuna sagte, die Leichtigkeit sei verloren gegangen.

Vor den verbleibenden sieben Begegnungen ist Mönchengladbach Fünfter. Gegen Bremen, Leipzig, Hoffenheim und Titelaspirant Dortmund warten noch vier Spiele im Borussia-Park auf Hecking und seine Elf. Auswärts sind die Aufgaben bei den Abstiegskandidaten in Hannover, Stuttgart und Nürnberg einfacher - zumindest das Ziel der Europa-League-Teilnahme scheint unter diesen Umständen noch erreichbar.

Klar ist aktuell indes nur: Wenn am 18. Mai mit dem BVB-Auftritt in Mönchengladbach der Vorhang für Hecking fällt, ist dessen Ära dann nach 29 Monaten zu Ende. Mit dem klaren Ziel: Europa.

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