Belek Gereifter Retter in Rot?

Geschafft von den Trainingseinheiten in der Türkei: Kevin Großkreutz.
Geschafft von den Trainingseinheiten in der Türkei: Kevin Großkreutz. © Foto: dpa
DPA 09.01.2016
Oft zu keck, zuletzt lange weg: Nach dem missglückten Intermezzo in der Türkei möchte Kevin Großkreutz bei den Stuttgartern an die Form anknüpfen, die ihn zum Nationalspieler und Weltmeister machte.

Dank seiner neongelben Fußballschuhe fällt Neuzugang Kevin Großkreutz beim VfB Stuttgart schnell auf. Sportlich gesehen gleicht die Verpflichtung des Weltmeisters dagegen einer Wundertüte - keiner weiß, ob der seit Monaten zum Zuschauen verdammte Mittelfeldspieler wirklich zu der erhofften Verstärkung wird. "Ich muss erst mal meinen Spielrhythmus finden. Aber ich glaube, das geht schnell", sagte Großkreutz im Trainingslager in Belek.

Nach viel Regen kam zum Ende der Woche an der türkischen Riviera sogar noch einmal die Sonne zum Vorschein, die Wohlfühlatmosphäre entlockte auch Robin Dutt forsche Töne. "Wir haben einen besonderen Spieler verpflichtet", so kommentierte der Sportvorstand. Er zeigte sich zuversichtlich, dass Großkreutz schon bald an seine frühere Topform anknüpfen könne. "Ein 27-jähriger Spieler wird sehr schnell wieder zurückkommen an seine maximale Leistungsfähigkeit", sagte Dutt. Weltmeister, zweimal Deutscher Meister, Pokalsieger - Großkreutz' Erfolfsbilanz sei einzigartig. "Und das ist nicht zehn Jahre her, sondern in der jüngeren Vergangenheit passiert."

Zusätzliche Qualität benötigen die Schwaben dringend. Nur dank der mehr geschossenen Tore im Vergleich zu Werder Bremen rangiert der VfB zur Winterpause in der Bundesliga nicht auf dem Relegationsplatz. Ein betont emotional auftretender Profi wie Großkreutz tue dem Team da gut, so urteilte Dutt: "Die Mentalität war wichtig. Als wir gehört haben, dass er zu kriegen ist, haben wir alles daran gesetzt", sagte er. "Alle wünschen sich, dass sich ein Spieler mit dieser Leidenschaft für einen Verein einsetzt."

Beim 2:1 im Test gegen Antalyaspor präsentierte sich Großkreutz am Donnerstagabend erstmals eine Halbzeit lang in einem VfB-Spiel - in Szene setzen konnte sich der langjährige Dortmunder aber nicht. Den Rhythmus werde er sich "noch holen, da mache ich mir keine Sorgen", sagte Trainer Jürgen Kramny, der Großkreutz auf dessen angestammter Position im linken offensiven Mittelfeld einsetzte. Will der Ex-Nationalspieler dort auch in der Liga spielen, müsste er jedoch den zuletzt stark auftrumpfenden Filip Kostic verdrängen. Alternativ kann Großkreutz als Außenverteidiger auflaufen. "Wo der Trainer mich hinstellt, werde ich alles geben", sagte der Neue diplomatisch. Dabei ist Großkreutz in der Vergangenheit kaum durch gekonnte Diplomatie aufgefallen, eher durch kecke und teils auch unbedachte Aussagen.

Doch das enttäuschende halbe Jahr bei Galatasaray Istanbul habe ihn ein wenig reifen lassen, sagte er. Weil der türkische Topklub im Sommer einige Dokumente erst kurz nach Transferschluss und ohne Unterschrift abgeschickt hatte, war er mit einem Mal ohne Spielberechtigung und konnte in den vergangenen Monaten nur trainieren. Obendrein wurde das Heimweh immer stärker. "Ich habe gemerkt, dass ich wieder nach Deutschland will", sagte Großkreutz.

Nach der Rückkehr nach Deutschland ging es für ihn und den VfB pikanterweise gleich wieder in die Türkei. Fragen nach seinen jüngsten Erfahrungen wich der Allrounder jedoch aus, so gut es ging. "Es zählt nur der VfB Stuttgart und nicht die Vergangenheit", sagte Großkreutz. In Stuttgart erwartet ihn der Abstiegskampf, die Aufgabe habe ihn gereizt. "Ich glaube, wir werden das packen."

Nationalheld Chicharito strahlt in Florida

Feiner Spott Michael Schade, Geschäftsführer von Bayer Leverkusen, hat seine Freude über den Transfer-Coup von Stürmerstar Chicharito mit einem Seitenhieb auf Louis van Gaal verbunden. "Herr van Gaal hat offenbar nicht gewusst, dass Chicharito ein guter Spieler ist", sagte Schade zu Goal.com. Der Mexikaner Chicharito war kurz vor Ende der Transferfrist von Manchester United gekommen, das von dem früheren Bayern-Trainer van Gaal trainiert wird. Bei dem Trainingslager in Orlando/Florida erlebt Bayer, welches werbliche Potenzial der in der Bundesliga-Hinrunde bereits elfmal erfolgreiche Stürmer auch bietet. "Wenn du einen Spieler hast, der ein Nationalheld ist, kann man ihn natürlich für Marketing-Aktivitäten nutzen", so erläuterte Schade.