Lutz Hangartner Fußballlehrer-Chef zur Trainer-Diskussion: „Nervt gewaltig“

Lutz Hangartner ist Präsident des Bundes Deutscher Fußball-Lehrer (BDFL). Er kritisiert die frühen Trainer-Diskussionen. Foto: Sebastian Kahnert
Lutz Hangartner ist Präsident des Bundes Deutscher Fußball-Lehrer (BDFL). Er kritisiert die frühen Trainer-Diskussionen. Foto: Sebastian Kahnert © Foto: Sebastian Kahnert
Düsseldorf / Von Dietmar Fuchs, dpa 16.09.2018

Der Präsident des Bundes Deutscher Fußball-Lehrer macht keinen Hehl aus seiner Enttäuschung. „Das nervt gewaltig. Und es ist eigentlich unerträglich“, sagt Lutz Hangartner.

Ihn stört es massiv, dass die Bundesligatrainer wie Leverkusens Heiko Herrlich oder Schalkes Domenico Tedesco mittlerweile schon zu einem ganz frühen Zeitpunkt einer neuen Saison öffentlich angezählt werden, wenn Erfolge ausbleiben. Gerade drei Spieltage sind in der Bundesliga absolviert. „So kann man mit den Trainern nicht umgehen.“

Hangartner, der Mann aus dem südbadischen Lahr, hat momentan das Gefühl, „dass sich dieses Rad immer schneller dreht, dass man gegen Windmühlenflügel läuft und dass es immer schlimmer wird. Der Trainer ist immer der Depp, er ist das schwächste Glied.“ Sein aktuelles Beispiel ist Herrlich, Chefcoach von Bayer Leverkusen: „Fängt man jetzt schon nach einem oder zwei verlorenen Spielen an, die Trainerdiskussion zu führen?“

Das Ganze ist nicht nur für Hangartner ein Unding. Auch andere Protagonisten der schnelllebigen Szene äußerten sich mehr als kritisch. Dieter Hecking zum Beispiel - mit Befremden in Bezug auf den medialen Hype, der immer rasanter wird. „Erbärmlich“ findet es der Chefcoach von Borussia Mönchengladbach und sagte in Richtung der Medien: „Da solltet ihr euch auch mal hinterfragen, ob das uns Trainern gerecht wird, was da mit uns passiert. Ich finde das nicht gut.“

Die Wolfsburger Bruno Labbadia und Jörg Schmadkte empfinden Ähnliches. Der Trainer äußerte schon vor Wochenfrist im „Kicker“, er fände es „unsäglich, was in der Öffentlichkeit aktuell schon wieder mit dem einen oder anderen Trainer passiert“. Es sei „natürlich Wahnsinn, wie früh man solch eine Diskussion entfacht“, ließ VfL-Manager Schmadtke im ZDF-Sportstudio mit Bezug auf die öffentlichen Diskussionen um Herrlich wissen, dessen Profis beim 1:3 in München zum dritten Mal in der Spielzeit 2018/19 verloren.

Neu ist das Ganze nicht. Der ehemalige Bayer-Coach Roger Schmidt forderte die Clubs bereits vor Jahren auf, angesichts des wachsenden Erfolgsdrucks auf die Trainer der „Medienhektik“ zu trotzen. Da seien auch die Verantwortlichen in den Vereinen gefordert. „Wir können nur immer wieder den Finger in die Wunde legen“, sagte BDFL-Chef Hangartner der Deutschen Presse-Agentur hierzu am Sonntag. Seiner Auffassung nach täten alle gut daran, trotz des Getriebenseins Ruhe zu bewahren.

Eintracht Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic sprach im TV-Sender Sky ebenfalls am Sonntag von einem seiner Auffassung nach negativen Effekt. Es gäbe „viele Gremien und andere, die auch noch etwas dazu sagen wollen und sich von dieser Stimmung leiten lassen“. Dadurch werde eine Stimmung erzeugt. „Dieser kleine Schneeball kann größer und größer werden. Die Frage ist immer: Wie stark ist man selbst, um gegen eine solche Stimmung anzugehen?“

Bayern-Trainer Niko Kovac hatte schon vor der Begegnung mit Leverkusen mit Unverständnis auf die Kritik an Herrlich reagiert und einen maßvolleren Umgang mit Trainern angemahnt. Es sei „ein Ding der Unmöglichkeit, dass man einen Trainer nach zwei Spieltagen in Frage stellt - egal, welche Ansprüche man hat“. Die klare Empfehlung von Kovac: Man sollte versuchen, „schon ein bisschen sachlich und fachlich an die Sache ranzugehen“.

Und auch diejenigen in eine Art persönliche Haftung zu nehmen, die auf dem Rasen stehen, meint Lutz Hangartner: „Dass man auch die Mannschaft in die Pflicht nimmt.“ Das Team setze Vorgaben auf dem Feld nicht um, „aber immer wird der Trainer angeklagt. Und natürlich werben wir als Bund Deutscher Fußball-Lehrer dafür, dem Trainer etwas mehr Verständnis und Geduld entgegen zu bringen, das wäre angebracht“, betonte Hangartner schon vor geraumer Zeit. Und das hat für ihn noch immer Gültigkeit.

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